Deutsche Nationalmannschaft

Wiedergutmachung gegen den Weltmeister: Deutschland trifft in der Nations League auf Frankreich

Die deutsche Fussball-Nationalmannschaft hat an der WM in Moskau eine historische Vorrunden-Pleite erlebt. Die Affäre um Mesut Özils Auftritt mit dem türkischen Staatspräsidenten sorgte für zu grosse Unruhe. Jetzt startet die Truppe von Nationaltrainer Joachim Löw ihre Wiedergutmachungstour.

Die deutsche Nationalmannschaft will mit aller Macht das WM-Debakel vergessen machen. Die Zeiten des reinen Ballbesitzfussballs sollen der Vergangenheit angehören.

Aufbruchstimmung statt WM-Tristesse, energiereicher Power-Fußball statt langweiligem Ballgeschiebe: Die bei der WM tief gefallenen Nationalspieler wollen das deutsche Team nach dem Desaster von Russland wieder in neue Höhen führen und sich mit den bitter enttäuschten Anhängern versöhnen. "Die Motivation ist riesengross, sich selbst und allen anderen zu zeigen, dass man es besser kann", sagt Thomas Müller vor dem Nations-League-Auftakt am Donnerstag gegen Weltmeister und Deutschland-Nachfolger Frankreich mit Bestimmtheit.

Es müsse in der ausverkauften Allianz Arena in München "klar werden, dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht, die sich zerreisst", fügt Müller mit Verve an: "Wir wollen wieder zu dem energiereicheren Spiel hinkommen, das nach Power-Fußball aussieht." 

Versöhnung mit den Fans

Kapitän Manuel Neuer stimmt seinem Klubkollegen vollumfänglich zu. "Wir wollen in den Spiegel schauen und sagen: Wir haben alles gegeben und ein gutes Spiel gemacht. Wir wollen den Fans was zurückgeben und alles daransetzen, sie zufriedenzustellen", sagt der Torhüter entschlossen.

Der Blick der DFB-Stars richtete sich nach der umfangreichen WM-Analyse von Bundestrainer Joachim Löw in der Vorwoche und den anhaltenden Diskussionen in der Öffentlichkeit nach vorne.

Dass es im Rahmen der neuen Nations League beim ausgerufenen Neuanfang ausgerechnet gegen den Weltmeister um die Superstars Kylian Mbappe und Antoine Griezmann geht, sieht Müller als "Super-Chance, die besser nicht sein kann. Es macht richtig Spass, den Weltmeister zu Gast zu haben." Neuer sprach "vom Schönsten, was uns passieren kann. Jetzt können wir zeigen, was wir drauf haben". Und das "mit Spass und Freude".

Hin zum schnellen Umschaltspiel

Nach drei Tagen und drei Trainingseinheiten soll am Donnerstag auch taktisch eine andere Handschrift zu erkennen sein. Man werde, so Müller, zwar "nicht komplett von unseren Fähigkeiten abweichen, aber wir wollen das Ganze modifizieren". Man wolle "den Fokus ein bisschen verschieben. Die Verteidigung des Tores wird mehr eine Rolle spielen", kündigte der Bayern-Profi an. Schnelles Umschaltspiel ist gefragt. Den über Jahre praktizierten Ballbesitzfußball dürfe man künftig "nicht soweit ausschmücken, dass wir nicht mehr erfolgreich sind".

Müller und Co. wissen, dass sie unter Beobachtung stehen und der Druck riesig ist - auch auf Löw. Der Bundestrainer zeige jedoch deutlich, sagt Neuer vor einem Spiel "mit einer gewissen Symbolik" (Müller), dass er "mit uns wieder in die Erfolgsspur kommen will. Er hat einen klaren Plan und ist sehr hungrig, genau wie wir Spieler". Die Mannschaft wolle Löw"ein gutes Gefühl geben, dass er weiter auf uns bauen kann", ergänzte Julian Brandt. Man folge dem Coach, meint Müller, "mit allem, was wir haben".

Unter Erfolgsdruck

Sollte das am Donnerstag nicht ersichtlich werden, wartet auf die Nationalmannschaft und Löw ein heisser Herbst. Das weiß Müller: "Grundsätzlich wird man an Ergebnissen gemessen, die wollen und werden wir auch liefern." Ansonsten droht in den Duellen gegen Frankreich und die Niederlande im Oktober und November sogar der Abstieg aus der Nations League.

Er finde es trotzdem "besser", so der Münchner Offensivspieler, "Testspiele in eine Wettkampfform zu packen, auch mit der Gefahr abzusteigen. Das ist eine grössere Herausforderung, man hat Leistungsdruck." Als ob der nach dem WM-Desaster nicht schon groß genug wäre. 

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