Gruselige Bilanz

Wie aus dem grossen FC Basel innert drei Jahren ein Verein in grosser Geldnot wurde

Tristesse in Basel. Jonas Omlin und Co hatten zuletzt sportlich gegen YB meist das Nachsehen und auch die Zukunft sieht nicht rosig aus.

Tristesse in Basel. Jonas Omlin und Co hatten zuletzt sportlich gegen YB meist das Nachsehen und auch die Zukunft sieht nicht rosig aus.

2019 schrieb der FC Basel 20 Millionen Verlust. Wegen Corona braucht der einstige Krösus des Schweizer Fussballs schon Ende diesen Jahres neue Geldgeber.

Es ist auf den Tag drei Jahre her, als der FC Basel am 3. Juni mit einem Cortège durch die Innenstadt die Rekordsaison feierte. Der 20. Meistertitel, der 3:0-Cupsieg über Sion und der Rekordumsatz von 132 Millionen Franken inklusive 29 Millionen Gewinn boten allerhand Grund zur Freude. Ehemalige rotblaue Helden winkten auf dem Umzug von den Wagen. Am Ende fanden sich 30'000 Menschen auf dem Barfüsserplatz ein und feierten die Mannschaft und den abdankenden Präsidenten Bernhard Heusler.

Marco Streller lässt sich am Double-Cortège von den Fans feiern.

Marco Streller lässt sich am Double-Cortège von den Fans feiern.

Drei Jahre später brennt der Baum gewaltig. 19,6 Millionen Verlust schrieb der FCB im Geschäftsjahr 2019. Notabene noch vor Corona und den nicht absehbaren wirtschaftlichen Schäden, die das Virus verursacht. Ausgaben von knapp 90 Millionen konnten durch die Einnahmen von rund 70 Millionen nicht gedeckt werden. Um das Defizit auszugleichen, hat der FCB 18,7 Millionen aus der Holding in die AG überführt.

Heusler hinterliess seinem Nachfolger Bernhard Burgener 2017 Reserven von 60 Millionen Franken. Ende 2019 hat der FCB nur noch 16 Millionen an Eigenkapital in der AG und rund 2 Millionen in der Holding übrig. Das heisst: Er kann sich noch genau ein Verlustjahr wie 2019 leisten, dann geht es ans Eingemachte. Coronabedingte Marktwertverluste von Spielern und fehlende Zuschauereinnahmen sorgen dafür, dass auch 2020 mit einem happigen Verlust gerechnet werden muss. Damit wird Rotblau Ende diesen Jahres aller Voraussicht nach sämtliche Reserven aufgebraucht haben.

Schuld ist zum einen der teure Personal-Apparat, den Burgener von seinem Vorgänger Heusler geerbt hat. Hier ist es der neuen FCB-Führung nicht gelungen, die Kosten von rund 50 Millionen Franken signifikant zu senken. Das ausgegebene Sparziel von 21 Millionen wurde 2019 deutlich verfehlt. Burgener musste erfahren, dass es bei einem Fussballclub schwieriger ist, Kosten zu senken, als bei einem Wirtschaftsunternehmen. «Ab 2020 haben wir mehr Spielraum, um die Personalkosten zu senken», sagte Burgener vor einem Jahr. Doch damals wusste er noch nicht, dass ihm ein Virus auch bei den Einnahmen gewaltig dazwischengrätschen würde.

Konkurrent YB macht 21 Millionen Gewinn

Deutlich besser sehen die Geschäftszahlen 2019 bei Meister YB aus. Den Bernen gelang es nicht nur, ihre Personalkosten um vier Millionen auf 32,7 Millionen Franken zu reduzieren. Da wo beim FCB 2019 eine rote 20 steht, steht bei den Bernern eine schwarze 21. Das verdeutlicht, wie sehr die beiden besten Teams der Schweiz auf die Nummer 1 im Land angewiesen sind. Denn nur der Meister hat einen leichten Zugang zu den Honigtöpfen der Champions League und der damit einhergehenden Marktwertsteigerung der Spieler. Unter Heusler gelang das dem FCB ähnlich gut wie YB in den vergangenen zwei Jahren. Doch jetzt hat sich das Blatt für den FCB gewendet. Die Rechnung ist einfach: Ohne Meistertitel und Königsklasse gibt es finanzielle Verluste.

Der FCB befindet sich seit drei Jahren in einem Teufelskreis. Er muss sportlich erfolgreich sein und gleichzeitig die Kosten senken. Ein Unterfangen, das offenbar nicht realisierbar ist. Wenn der FCB YB nicht schleunigst wieder den Rang abläuft, ist der einstige Krösus gezwungen, Spieler zu verkaufen. Es droht der Fall ins sportliche Mittelmass. Etwas, das der stolze FC Basel nicht einfach so hinnehmen kann.

Um das zu verhindern, ging der FCB 2019 ins finanzielle Risiko. Quasi der Griff nach dem letzten Strohhalm. Im Sommer wurden mit Albian Ajeti und Eder Balanta lediglich zwei Stammspieler verkauft. Angebote für Jonas Omlin oder Eray Cömert wurden abgelehnt. «Der FC Basel hat 2019 bewusst auf lukrative Transferangebote für mehrere Spieler verzichtet, um europäisch dabei zu sein und den Wert der Spieler zu steigern. Diese Entscheidung zu Gunsten der sportlichen Ziele führte zu einem negativen Geschäftsergebnis», erklärt der Verein. National, wo der FCB aktuell fünf Punkte hinter dem Leaderduo St. Gallen und YB liegt, ging das Risiko bislang nicht auf. International schon. Durch die guten Auftritte in der Europa League, wo der FCB durch das 3:0 gegen Eintracht Frankfurt kurz vor dem Einzug ins Viertelfinale steht, legten viele Spieler an Wert zu. Doch dann kam Corona.

Der FCB muss davon ausgehen, dass er im Sommer deutlich weniger Geld mit Spielerverkäufen einnehmen wird, als geplant. Auf die Frage, wie lange dem FCB noch das Geld reicht, sagt CEO Roland Heri: «Bis im Herbst sind wir sicher.» Dann könnte der Verein, vor allem wenn weiterhin auch noch die Zuschauereinnahmen wegfallen, auf die bereitgestellten Bundeskredite angewiesen sein. Bei den Verhandlungen zwischen Bund und Liga sass der FCB mit am Tisch. Für Rotblau dürfte es ein Leichtes sein, die Personalkosten um 20 Prozent zu reduzieren und damit die Auflagen des Bundes für den Rettungskredit zu erfüllen.

Kommt ein Investor, der den FC Basel rettet?

Doch auch die Bundeskredite muss der FCB eines Tages zurückzahlen. Geht die negative Entwicklung weiter, ist der Verein bald auf externes Geld angewiesen. Burgener sucht schon seit Längerem nach Investoren, die sich am FCB beteiligen wollen. Mit David Degen hat er bislang nur einen gefunden. Zuletzt machten Gerüchte die Runde, dass Ex-Trainer Christian Gross, der mit der Berater-Firma von Davids Bruder Philipp Degen zusammenarbeitet, interessiert sei. Doch ob er oder auch andere allfällige Investoren im Falle von weiteren Verlusten bereit wären, das finanzielle Defizit zu tragen? Die jetzt veröffentlichten Zahlen machen den FCB für potenzielle Geldgeber jedenfalls nicht gerade attraktiv.

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