Wenn Marco Streller spricht, hört man gerne zu. Er trägt das Herz auf der Zunge, ist nie um einen Spruch verlegen. Viele seiner Sätze sind eingängig – des Öfteren gar so sehr, dass sie ihm im Nachgang um die Ohren gehauen werden. Aber ein Satz, den Marco Streller am 28. Juli 2018 im brutheissen Bauch der Maladière spricht, geht beinahe etwas unter. Dabei ist er bemerkenswert und vielsagend. «Ich glaube, wenn wir nicht so eine unglaubliche Champions-League-Kampagne gespielt hätten, dann hätte man in den ersten drei, vier Wochen nach dem Rückrundenstart eventuell anders reagiert.» Heisst: Der FC Basel hätte sich nicht erst im Juli 2018 von Raphael Wicky getrennt, sondern bereits im Februar oder März desselben Jahres, weil man schon da Zweifel hatte.

Man könnte gar noch weiter zurückgehen und sagen: Wäre der FCB unter Urs Fischer international nicht so chancenlos und unspektakulär gewesen, wer weiss, ob er im Sommer 2017 trotz Doublegewinn auch hätte gehen müssen. Die Aussage Strellers illustriert, welchen Stellenwert für den FCB das europäische Geschäft – bevorzugterweise die Champions League – hat. Ihr wird mehr Raum und Gewicht eingeräumt, als dies manchmal gut wäre. Der Glanz der Königsklasse kann zuweilen blenden.

Nicht nur Prestige, sondern auch finanzieller Druck

Mittlerweile ist ein Jahr verstrichen. Sportchef Streller hat heute den Zusatz «ehemaliger» und der FCB befindet sich abermals im Kampf um den Einzug ins internationale Geschäft. Letzteres ist eine Art Gespenst geworden in Basel. Nicht, weil es etwas Angsteinflössendes hat, im Gegenteil. Sondern vielmehr, weil es immer in den Hinterköpfen der Entscheidungsträger umherspukt. Hätte man sich nicht von den überragenden Gruppenspielen und dem bedeutungslosen 2:1-Sieg gegen Manchester City blenden lassen, man hätte Wicky früher entlassen und im Sommer eine neue Lösung präsentiert. Eine, die nicht in der heissesten Phase der Saison eingreifen und eine verunsicherte Mannschaft retten muss, sondern eine, die die nötige Zeit hat.

Auch nach dem Aus gegen Limassol spukte Europa immer weiter durch Basel. Während man in Bern Juventus und Manchester United empfing, schielte man in Basel sehnlichst ins Stade de Suisse. Man wurde das Gefühl nicht los, dass der verpasste Meistertitel und allenfalls auch eine weitere, titellose Saison weniger schwer gewogen hätten, als dies das Verpassen einer europäischen Kampagne getan hat.

Die hohe Bedeutung des internationalen Geschäfts ist für den FC Basel nicht nur prestigegetrieben, sondern auch finanzieller Natur. Wie schwer eine Nichtteilnahme wiegt, hat das letzte Jahr bewiesen. Trotz Transfereinnahmen von rund 50 Millionen musste man sich an die Reserven machen. Aus dem FCB wurde einst ein Monster geschaffen, das nur mit europäischen Millionen ausreichend gefüttert werden kann. Zu hoch sind sonst die Löhne, zu breit das Kader, zu zahlreich die Mitarbeiter abseits des Platzes. Beim Erreichen der Champions League könnte der FCB mit Einnahmen im Bereich der 30 Millionen rechnen.

Die Erinnerung an das Aus vom letzten Jahr

Schafft er es immerhin in die Europa League, wären es deren rund acht Millionen. Geld, das bereits budgetiert ist. Nicht nur aufgrund des strukturellen Defizits und der hohen laufenden Kosten, sondern auch aufgrund der Vorgabe, 21 Millionen alleine in diesem Jahr einsparen zu wollen. Fällt das europäische Geld weg, es wäre ein finanzielles Fiasko.

Ausgerechnet mit dieser Ausgangslage trifft der FCB auf einen Gegner, der als klarer Favorit zu bezeichnen ist. Ein Weiterkommen gegen PSV wäre eine Überraschung. Dass man danach noch die Chance auf die Europa League hat, ist im Seiltanz auf dem Weg nach Europa zwar ein zweiter Boden. Im vergangenen Jahr fiel der FCB aber auch durch diesen durch. Eine unschöne Erinnerung, die noch immer in den Köpfen der Spieler und des Staffs umhergeistern.