Spritzensport

Wer hat Lust auf Unabhängigkeit?

Vor wenigen Tagen hat die Antidoping-Division des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) ihr erstes Urteil gefällt. Die Lausanner Richter annullierten die Ergebnisse eines weissrussischen und eines usbekischen Gewichthebers an den Olympischen Spielen 2012, weil sie bei Nachtests als Doper überführt wurden.

Diese neue Abteilung am CAS hat ihre Arbeit erst vor fünf Monaten aufgenommen. Sie fällt erstinstanzliche Urteile bei Dopingfällen von internationalen Athleten. Bislang sind es die jeweiligen Fachverbände, welche diesen Job übernehmen – auf mehr oder weniger überzeugende Weise.

Interessenkonflikte sind bei diesem System an der Tagesordnung, fragwürdige Entscheide tauchen immer wieder aufs Neue auf. So laufen derzeit staatliche Untersuchungen gegen frühere Führungspersonen des Internationalen Leichtathletik- und des Biathlon-Verbandes. Der Verdacht lautet, dass dort Dopingfälle für Gegenleistungen unter den Teppich gekehrt wurden.

Nun sollen es also unabhängige Juristen mit Expertisen im Bereich Doping richten. Dies soll die Verfahren beschleunigen und die Urteile konsistenter werden lassen. Die neue Praxis folgt dem Zeitgeist im Sport und dem Beispiel der Internationalen Test-Agentur (ITA), die Dopingtests von den Sportverbänden entflechtet. Während die ITA bereits gegen 40 Kunden hat, sind es beim CAS weniger als 10.

Eigene Interessenkonflikte beim CAS

Das Interesse sei aber bei rund 30 Organisationen da, sagt ein Insider am Sportgerichtshof. Allerdings kann eine Justizbehörde schlecht auf Kundenfang gehen. Die Einsicht, sich für eine bessere Governance in den eigenen Reihen zu engagieren, muss schon bei den Sportverbänden selbst wachsen. Das passiert nicht überall mit der gleichen Leidenschaft. Als es vor Jahren um die Anerkennung des CAS als Institution ging, bildeten die Fifa und die Uefa das Schlusslicht. Vielleicht ist die Lust auf mehr Unabhängigkeit bei den mächtigen Fussballverbänden ja diesmal grösser.

Das Ausmerzen von Interessenkonflikten wird mit der neuen Antidoping-Division aber auch beim CAS selbst zum Thema. Denn der Sportler kann deren erstinstanzliche Entscheide weiterhin anfechten ... beim CAS. So mussten sich in den letzten Wochen alle für den Sportgerichtshof tätigen Juristen entscheiden, in welcher Abteilung sie künftig tätig sein wollen – nebenamtlich übrigens. Wer sich auf den Themenbereich Doping festlegt, erhält einen Schweizer Chef. Ivo Eusebio, der ehemalige Bundesrichter und langjährige Präsident des Eishockeyklubs Ambri-Piotta, soll für faire und vor allem unabhängige Urteile sorgen.

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