Europa-Spiele

Steiniger Weg für die Europa-Spiele

Die weissrussische Hauptstadt Minsk ruft zu den zweiten Europa-Spielen: Dem Aufruf folgen aber längst nicht alle

Die weissrussische Hauptstadt Minsk ruft zu den zweiten Europa-Spielen: Dem Aufruf folgen aber längst nicht alle

Vier Jahren nach der Premiere der Europa-Spiele in Baku folgt die weissrussische Hauptstadt Minsk als Gastgeber. Dem jungen Multisport-Event stellt sich bereits die Sinnfrage.

Sie waren als Fix- und Höhepunkt im europäischen Sport-Kalender geplant: die Europa-Spiele. Ganz am interkontinentalen Vorbild der Olympischen Spiele orientiert, soll das europäische "Mini-Olympia" im Vierjahres-Turnus stattfinden. Doch schon vor der zweiten Austragung des Multisport-Events, der heute in der weissrussischen Hauptstadt Minsk feierlich eröffnet wird, drängt sich die Frage auf: Ist das Konzept der Europa-Spiele überholt?

Weniger Wettkampftage, schrumpfende Delegationen und kaum Länder, die sich für die Spiele als Gastgeber zur Verfügung stellen wollen. Der durchaus hehre Grundgedanke der Spiele, kleineren Sportarten in diesem Event eine grosse Bühne und damit mehr Aufmerksamkeit zu geben, scheint verpufft. Wie stark der Anlass mit der Sinnfrage zu kämpfen hat, lässt sich beispielhaft auch an der Schweizer Delegation aufzeigen. Hatten an der Erstaustragung im aserbaidschanischen Baku noch über 130 Sportlerinnen und Sportler von Swiss Olympic teilgenommen, stehen in Minsk noch etwas über 70 Schweizer am Start.

Auch Ralph Stöckli, Chef de Mission von Swiss Olympic, stellt eine gewisse Ernüchterung nicht in Abrede. "Der Anlass entwickelt sich nicht in die Richtung, in die wir uns dies erhofft haben", sagt der 42-Jährige. Es sei nicht gelungen, die einzelnen Verbände von der Wichtigkeit der Spiele zu überzeugen. Bemerkbar macht sich dies beim Blick auf das Programm, wo im Vergleich mit Baku einige gewichtige Wettkämpfe wegfallen. Die Schweizer Delegation ist davon vergleichsweise stark betroffen, denn in Minsk wird auf eine Medaillenvergabe im Mountainbike, Triathlon, Beachvolleyball und BMX verzichtet. 8 der 15 Schweizer Podestplatzierungen an den ersten Europa-Spielen verteilten sich auf diese vier Sportarten.

Einzig Sportschützin Heidi Diethelm Gerber, die in Aserbaidschan mit der Pistole über 25 m Gold gewann, wird in Minsk für die Schweiz als Titelverteidigerin im Einsatz stehen. Dabei hatte die Schweiz an der Premiere der Europa-Spiele sieben Mal Gold geholt. Die weiteren Schweizer Champions, Jolanda Neff, Nino Schurter (beide Mountainbike, Cross Country), Nicola Spirig (Triathlon), Nina Betschart/Nicole Eiholzer (Beachvolleyball) und Giulia Steingruber (Sprung und Bodenturnen), werden ihre Titel nicht verteidigen können.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1