Sportverletzung

Schweizer Sportarzt über Thorpe: «Kortison kann Infektionsrisiko erhöhen»

Schwimmstar Ian Thorpe. (Archiv)

Schwimmstar Ian Thorpe. (Archiv)

Der Weltklasseschwimmer Ian Thorpe leidet an den Folgen einer Schulteroperation. Der Basler Orthopädie-Spezialist Dr. Lukas Weisskopf weiss, weshalb es auch bei topfitten Spitzensportlern zu postoperativen Infektionen kommt.

Die Meldungen im Fall vom mehrfachen Schwimm-Olympiasieger Ian Thorpe überschlagen sich. Von lebensbedrohlichem Zustand und Verlust des Armes ist gar die Rede - das ganze verursacht durch eine postoperative bakterielle Infektion in der Schulter.

Solche Komplikationen treten in der medizinischen Praxis nur in zwei bis vier Prozent der Fälle auf. «Dies ist Abhängig vom Ort der Operation. Im nicht sterilen Magen/Darm-Bereich sind Infektionen häufiger als in der Orthopädie. Bei uns in der Klinik treten Infektionen im Schnitt bei unter einem Prozent der Patienten auf, welches einer sehr geringen Rate entspricht», sagt Dr. Lukas Weisskopf der Praxisklinik Rennbahn in Muttenz.

Dabei können die Bakterien auf unterschiedliche Art und Weise in die operierte Region geraten. «Während der OP ist dies weniger der Fall. Wahrscheinlicher ist, dass die Bakterien von körpereigenen Stellen durch das Blut in das operierte Gebiet gelangen», erklärt der Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin.

Schon durch kleinste Verletzungen beim Zähneputzen, Hautverletzungen, Blasenentzündungen oder Spritzen können Bakterien in die Blutbahn geraten und sich an der verletzten Stelle ansiedeln. Die Körperabwehr ist dort eingeschränkt, sodass die Bakterien nicht angegriffen werden.

Fremdmaterial wie beispielsweise Knochenanker oder Prothesen sind dabei besonders anfällig. Oftmals tritt eine Infektion erst verspätet auf - jedoch meist in den ersten drei Wochen nach der OP. An der betroffenen Stelle wird eine Schwellung sichtbar und der Patient leidet unter Schmerzen, Fieber und Schüttelffrost.

Todesfälle sind selten

Der ehemalige Weltklasse Schwimmer wird nun mit Antibiotika behandelt. «In den Gelenkhöhlen ist Antibiotika alleine meistens nicht wirksam, da es nicht dorthin gelangt. Dann muss das Gelenk mittels Arthroskopie gespült werden. Sind Weichteile betroffen, muss offen operiert werden», so Weisskopf. Kann eine Infektion trotz der zahlreichen Behandlungsmethoden tödlich enden? «Ja, es kann theoretisch zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen. Aber diese fulminanten Verläufe sind extrem selten», beruhigt Weisskopf.

Die Gefahr, dass das Gelenk zusätzlich geschädigt wird, ist grösser: «Die Bakterien können den Knorpel auffressen und Sehnen beschädigen. Deshalb redet man wahrscheinlich bei Ian Thorpe auch davon, dass er seinen Arm nicht mehr bewegen kann. Aber ich kenne den konkreten Fall nicht.»

Kortison erhöht das Risiko

Durch diese Komplikationen wird der Heilungsverlauf verlängert. Wichtig sei, dass man sehr aggressiv und rasch handle, sonst können Zusatzschädigungen entstehen, so der Chefarzt. Grundsätzlich gilt: Je jünger, desto besser sind die Heilungschancen. Auch Zusatzerkrankungen können das Risiko erhöhen.

«Bei Sportlern ist das aber meist weniger der Fall. Für sie spielt Kortison eine grössere Rolle, da ihnen dies bei Überlastungsschäden manchmal gespritzt wird – Kortison erhöht die Infektionsrate», meint der Sportmediziner, der auch schon Cracks wie Ski-Olympiasiegerin Dominique Gisin und YB-Spieler Marco Wölfli operiert hat.

«Das könnte bei Ian Thorpe vielleicht eine Möglichkeit gewesen sein, da er seit längerer Zeit unter Schulterproblemen leidet - muss aber nicht sein.»

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