Stähli
«Ich bin ja auch ein Oldtimer»

Routinier Gregor Stähli kanns nicht nur auf dem Skeletonschlitten, sondern auch im Rennauto. Statt High-Tech-Rennrädern kurven für einmal auch Oldtimer im Oval der offenen Rennbahn Oerlikon. Pilot Gregor Stähli liebt Steilwandkurven – ob im Eiskanal oder im Jaguar.

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Gregor Staehli

Gregor Staehli

Keystone

Pia Schüpbach

Alle drei haben sie schon ein paar Jährchen auf dem Buckel: Die offene Rennbahn wird bald 100-jährig, der Jaguar C-Type hat Jahrgang 1963 und sein Pilot Gregor Stähli ist 41 Jahre alt. «Ich bin auch ein Oldtimer», sagt er, der es in der vergangenen Saison allen Jungspunden gezeigt und den Weltmeister-Titel im Skeleton gewonnen hat. Eben kommt Stähli vom Bahntraining. «Jetzt zwickt die eine Sehne oberhalb des Knies, ich spüre das Alter manchmal schon.»

Indianapolis in Oerlikon

Auf der offenen Rennbahn heisst es am Dienstag «Indianapolis in Oerlikon». An diesem Abend kurven nicht nur die Radrennfahrer wie Alexander Aeschbach aus Dürrenäsch und Steher ums Oval, sondern auch 43 Oldtimer. Die Autos kosten zwischen 50 000 und 1 Million Franken. Gregor Stähli aus Bellikon präsentiert den dunkelgrünen Jaguar, der seinem Vater Burgmar gehört.

«Es ist faszinierend, hier zu fahren, weil es Steilwandkurven gibt wie im Eiskanal. Eigentlich spielt es keine Rolle, ob man mit einem Töff, einem Auto oder auf dem Schlitten fährt, Hauptsache, man hat das Gefühl für die Kurven. So gesehen sind Skeleton und der Autorennsport verwandte Sportarten.»

Stähli hat den Speed im Blut. Kaum hatte er den Fahrausweis, durfte er auch schon die Oldtimer seines Vaters ausfahren. «Er hatte viel Vertrauen in mich, und es ist immer gut gekommen», sagt Stähli. Wer ein altes Auto fährt, braucht viel Gefühl. Die Gänge müsse man suchen, die richtige Tourenzahl treffen und Servolenkung gibt es auch keine. «Da muss man noch richtig arbeiten beim Autofahren.»

Die Liebe zu Oldtimern hat der Sohn vom Vater geerbt. Zusammen besitzen die beiden Stählis einen gelben 1976er-Porsche. Doch neben dem Training bleibt für Gregor wenig Zeit, um die ehrwürdigen Rennautos zu fahren. In diesem Sommer hat er es fünfmal auf die Rennstrecke Anneau du Rhin in der Nähe von Basel geschafft. «Das ist für mich schon viel.»

Viel Lärm im Oval

Als Stähli und andere Pilo-ten ums Oval rasen, knattert und dröhnt es in Oerlikon. Derweil lockert Radprofi Alexander Aeschbach seine Beine auf der Rolle. Er hat das Scratch-Rennen, die erste Wertung an diesem Abend, auf Rang fünf beendet. Nach der Präsentation der Oldtimer wird die Bahn wieder Aeschbach und seinen Radkollegen gehören - wie jeden Dienstagabend bei schönem Wetter. Trotz dem ungewohnten Lärm profitieren die Radrennfahrer von den Oldtimern: «Heute hat es doppelt so viele Zuschauer wie sonst», sagt ein Velofan.

Auch Stähli würde gerne mit dem Rad ein paar Runden drehen. «Das würde mir auch gefallen.» Mittlerweile steht er im Innenraum der Bahn neben dem Jaguar. Auf dem Kopf trägt er eine Baseballmütze mit der Aufschrift «Gregor Vancouver 2010». Dorthin will der Skeletonfahrer - an die Olympischen Spiele. «Das wäre cool: In meinem Alter zum dritten Mal bei Olympia dabei zu sein», sagt der zweifache Bronzemedaillengewinner, ehe er im Jaguar nach Hause fährt.