Eine schöne Armbanduhr, keine Frage. Und doch musste Allen John, sensationeller Zweiter bei den German Open in Hamburg, «kurz schlucken, aber ich kenne ja die Regeln.» Und die besagen nun einmal, dass auf der PGA-Tour eben nur Profis Anrecht auf ein Preisgeld haben.

So erhielt der von Geburt an stark hörbehinderte Spieler als bester Amateur lediglich einen Trostpreis. Auf die Konten der ebenfalls zweitplatzierten Christofer Blomstrand (Schweden) und Renato Paratore (Italien) indes wanderten jeweils 149'156 Euro. Dafür kann man schon eine ganze Menge Uhren kaufen... 

Fünf Jahre Profi

Trotzdem überwog bei John die Freude über den unerwarteten sportlichen Erfolg. Plötzlich ist der 30-Jährige nicht nur bei den Turnieren der Gehörlosen ein Sieganwärter. Fünf Jahre lang versuchte sich John bereits als Profi, 2016 liess er es sein. 

Längst hat sich John mit seiner Behinderung abgefunden. Sein Hörvermögen lässt sich dank leistungsstarker Geräte von fünf auf 80 Prozent steigern, leichte Einschränkungen indes bleiben: «Das Feedback auf einen Schlag bekomme ich lediglich über das Gefühl und die Haptik, nicht über den Klang des Treffers.»

Nur bei den Deaflympics, die er 2017 gewann, der Gehörlosen-WM, bei der er 2016 triumphierte, und anderen Großveranstaltungen für Hörbehinderte verzichtet John ganz auf technische Hilfsmittel, der Chancengleichheit wegen. «Man fühlt sich dann wie ein U-Boot unter Wasser», sagte der Golfer.

Wirklich gefährlich aber sei nur, dass man Warnrufe nicht hören könne. Wie das legendäre «Fore», wenn ein Golfball unkontrolliert die Spielbahn verlässt. (SID)