Rudern

Die WM steht im Zeichen der Olympia-Quotenplätze

Jeannine Gmelin zählt einmal mehr zu den Schweizer Medaillen-Anwärtern

Jeannine Gmelin zählt einmal mehr zu den Schweizer Medaillen-Anwärtern

Drei Schweizer Boote können sich an den am Sonntag beginnenden Ruder-Weltmeisterschaften in Linz-Ottensheim Hoffnungen auf eine Medaille machen.

Das oberste Ziel von Swiss Rowing ist das Erreichen von drei Quotenplätzen für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Dass es keine gewöhnliche WM ist, unterstreicht die Tatsache, dass 80 Nationen teilnehmen, so viele wie noch nie an diesem Anlass. In Oberösterreich wird ein Grossteil der begehrten Olympia-Quotenplätze vergeben, die Planungssicherheit geben.

Für den Doppelzweier Roman Röösli/Barnabé Delarze und die Skifferin Jeannine Gmelin dürfte das Erreichen eines solchen nur Formsache sein. Erstere müssen mindestens Elfter werden, Gmelin genügt dafür Rang 9. Dennoch gab sich Röösli vorsichtig: "An einer 'Quali-WM' passiert immer viel."

Allerdings haben Röösli/Delarze, die sich gut ergänzen, ganz andere Ambitionen. Sie wollen den nächsten Schritt machen, und das ist nach dem Gewinn von WM-Silber im vergangenen Jahr in Plovdiv die Goldmedaille. Dass eine solche realistisch ist, bewiesen sie mit ihren Siegen an den letzten zwei Weltcup-Regatten in Poznan und Rotterdam. Ausserdem sind die beiden besser vorbereitet als vor einem Jahr, als sie wegen Rückenproblemen bei Delarze deutlich weniger gemeinsam trainieren konnten.

Auch nach den Rennen in Rotterdam Mitte Juli lief alles nach Plan. Röösli/Delarze arbeiteten hauptsächlich im technischen Bereich, damit die Ruderschläge noch präziser und noch automatisierter sind. Den letzten Schliff für die WM holten sie sich in einem zehntägigen Trainingslager im französischen Libourne. "Es läuft gut. Wir sind sehr positiv gestimmt", so Röösli. Allerdings ist der Respekt vor den Gegnern gross. Viele hätten seit Rotterdam grosse Fortschritte gemacht. "Darauf müssen wir gefasst sein".

Zuversichtliche Gmelin

Gmelin verlor 2017 und 2018 nur ein Rennen - den A-Final an der letztjährigen WM in Plovdiv. Dennoch war die Perfektionistin nicht rundum zufrieden. Sie wollte nicht mehr nach der Planung des im April 2018 zum Chefcoach beförderten Edouard Blanc trainieren, sondern nach den Vorgaben dessen Vorgängers Robin Dowell, der zu diesem Zeitpunkt "nur" noch für die Frauen zuständig war und zu dem sie ein grosses Vertrauensverhältnis besitzt. Der Verband lenkte jedoch nicht ein, entliess Dowell gar, sodass Gmelin sich entschied, in einem Privatteam mit dem Engländer weiterzufahren.

Zwischenzeitlich verlor Gmelin gar die Motivation für den Sport. Zwar kostete sie das Ganze viel Energie, dennoch fühlt sie sich für die WM "sehr gut" vorbereitet. "Es gibt gute Anhaltspunkte, dass die Form stimmt. Ich rudere nun wieder so, wie ich es will", sagte die 29-jährige Zürcher Oberländerin. Gmelin bereitete sich nach dem 2. Platz in Rotterdam auf dem Klöntalersee sowie in Zagreb auf die Titelkämpfe vor. In Kroatien, wo sie hoch intensive Trainings absolvierte, standen ihr drei Sparringpartner zur Verfügung.

Gmelin ist stolz darüber, was sie erreicht hat: "Es war hart. Ich musste viele Sachen bewältigen. Die ganze Umstellung zwang mich zu einem Entwicklungsschritt - als Athletin und als Person." Ihr Minimalziel in Linz-Ottensheim ist ein Olympia-Quotenplatz, im Wissen, dass sie vorne dabei ist, wenn sie ihr Potenzial abrufen kann. "Ansonsten müsste ich über die Bücher", so Gmelin. Die Konkurrenz ist gross - nicht weniger als 38 Boote sind im Skiff der Frauen gemeldet.

Rol/Merz wollen "unser Ding machen"

Auch dem Leichtgewichts-Doppelzweier mit Frédérique Rol und Patricia Merz ist ein Podestplatz zuzutrauen, das unterstreicht der 3. Rang in Rotterdam. "Wir fühlen uns besser als in Rotterdam", sagte Rol. "Wenn wir den Final erreichen, ist alles offen." An der WM vor einem Jahr fehlten den beiden 26-Jährigen als Vierte 2,24 Sekunden zur Medaille.

Allerdings hatten Rol und Merz 2017 getrennt gerudert. Insofern konnten sie im vergangenen Winter auf einem höheren Niveau einsteigen und rascher am Feintuning arbeiten. Merz will sich aber nicht zu stark auf den Rang fixieren, sondern einfach "unser Ding machen". Um einen Quotenplatz für Tokio zu holen, ist Platz 7 gefordert.

Neben Röösli/Delarze und Gmelin hatte im vergangenen September auch Michael Schmid im nicht-olympischen Leichtgewichts-Einer WM-Silber gewonnen. Der Luzerner, der zu den Schwergewichten wechselte, fehlt diesmal. Wegen gesundheitlicher Probleme nahm er sich eine Auszeit vom Rudern. Insgesamt sind in Österreich acht Schweizer Boote am Start.

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