Rugby

Die «Springboks» wollen Südafrika den Weg zeigen

Die südafrikanischen Rugby-Spieler wollen im WM-Final ein weiteres Ausrufezeichen setzen

Die südafrikanischen Rugby-Spieler wollen im WM-Final ein weiteres Ausrufezeichen setzen

Südafrikas Rugby-Nationalmannschaft spielt am Samstag um ihren dritten WM-Titel. Einmal mehr will sie das eigene Land mit einem Erfolg inspirieren.

Die südafrikanischen Spieler müssen einstecken können. Nicht nur auf dem Rasen, sondern auch - und während der WM ganz speziell - in den sozialen Medien. Die Spielweise der "Springboks" gefällt auch in der Heimat nicht allen. Während der Finalgegner England in den letzten Wochen mit raschen Ballstafetten überzeugen konnte, steht Südafrika für ein etwas monotones Rugby - mit brachialer Gewalt durch die Mitte oder mit Kicks nach vorne.

"Wir müssen die Kritik akzeptieren", sagte Nationalcoach Rassie Erasmus und ergänzte: "Aber wir stehen im Final." Innerhalb von zwei Jahren hat der 47-Jährige Südafrikas Rugby-Team wieder auf Vordermann gebracht. Der zweimalige Weltmeister war 2016 in ein historisches Tief gefallen, hatte gegen Neuseeland 0:57 verloren und selbst gegen Italien nicht bestehen können. Dann kam Erasmus mit einem einfachen, aber wirksamen Plan. Er führte wieder ein, was schon immer die Stärke der Südafrikaner war. Das extrem physische Spiel, das ganz auf die direkte Konfrontation aus ist.

Auch wenn sich der nach der WM abtretende Nationalcoach auf die fundamentalen Dinge des Rugbys konzentriert, vergisst er nicht die Tragweite eines allfälligen WM-Titels. "Wir sind ein Land, das gute Neuigkeiten nötig hat." Politische und finanzielle Nöte plagen Südafrika. Die Arbeitslosigkeit beträgt fast 30 Prozent, die Kriminalität hat ein Allzeithoch erreicht. Der WM-Titel könnte einem Neuanfang zu Schwung verhelfen. "Die 'Springboks' geben Hoffnung, und wir werden noch härter kämpfen, um soviel davon wie möglich zu geben."

1995 konnte Nelson Mandela den überraschenden ersten WM-Titel Südafrikas nutzten, um die Versöhnung im Land nach den Jahren der Apartheid voranzutreiben. Wie der damalige Präsident in Johannesburg die Trophäe übergab, ist einer der bedeutendsten Momente in der WM-Geschichte. Und auch der zweite Erfolg 2007 brachte eine Solidaritätswelle, wie sich Siya Kolisi erinnert. "Ich hatte nie zuvor gesehen, wie der Sport die Menschen so zusammenbringen kann", sagt der erste dunkelhäutige Captain der "Springboks".

1995 stand nur ein dunkelhäutiger Spieler im WM-Kader. Chester Williams, der Anfang September verstorben ist. In diesem Jahr sind es 13. "Wir haben viele Rassen in unserem Land und elf verschiedene Sprachen. Es ist eine positive Erscheinung unserer Nation", bemerkt Kolisi. "Das zeigt, dass wenn man gewillt ist für eine Sache zusammen zu arbeiten, sei es als Mannschaft oder als Land, man seine Ziele oder Träume erreichen kann."

Der Sieg am Samstag im Final von Yokohama wäre eine willkommene Energiezufuhr für Südafrika, ist sich auch die Rugby-Ikone Bryan Habana sicher. "Es wäre für unser Land immens bedeutend, auf einer Linie mit Mandela 1995 - wenn nicht sogar noch grösser", sagte Habana im Interview mit dem "Guardian". 24 Jahren nach dem ersten WM-Titel und zwölf Jahre nach dem zweiten kann Südafrika eine weitere Inspiration aus der Sportwelt gut gebrauchen - unspektakuläre Spielweise hin oder her.

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