Super League
Warum der FC Vaduz 1,3 Millionen für den Abstiegskampf zahlt und ohne Coronahilfspaket leben muss

Antrittsgebühr statt Solidaritätsbeiträgen: Der FC Vaduz zahlt einen hohen Preis, um in der Super League mitspielen zu dürfen. Vor allem in Coronazeiten sorgt diese Sonderrolle für viele Fragen.

Jakob Weber
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Die Freude über den Aufstieg war beim FC Vaduz gross, doch damit steigen auch die Kosten.

Die Freude über den Aufstieg war beim FC Vaduz gross, doch damit steigen auch die Kosten.

Michael Zanghellini/Freshfocus (Thun, 10. August 2020

Länderspiele werden die Spiele gegen den FC Vaduz gerne genannt. Schliesslich muss der FC Basel am Samstag über die Landesgrenze, um in den Rheinpark zu gelangen, wo am Abend das zweite Saison-Duell mit dem Aufsteiger stattfindet. Doch während viele Fans kritisieren, dass ein Liechtensteiner Team in der Schweizer Super League mitmacht, ist Vaduz, zumindest was das Resultat angeht, aus FCB-Sicht ein gern gesehener Gegner. Seit der Einführung der Super League gab es dieses Duell 19 Mal. 14 Mal gewann der FCB. Die einzige Niederlage war zu verschmerzen, weil sie 2006 in der Europa-League-Qualifikation stattfand und sich der FCB dank der Auswärtstorregel trotzdem für die nächste Runde qualifizierte.

Die Highlights vom letzten Spiel

Vaduz hat als Liechtensteiner Dauerpokalsieger quasi ein Dauerabo auf die Teilnahme an der Europa-League-Quali. In der Schweizer Liga hat diese Regelung zur Folge, dass der FC Vaduz keinen internationalen Platz wegschnappen kann und auch nicht Schweizer Meister werden würde. Sollte der FCV tatsächlich einmal nach 36 Spielen Erster sein, bekäme der Zweitplatzierte den Pokal überreicht. Das ist vertraglich so geregelt. Bis 2011 war dieser Vertrag zwischen dem FC Vaduz und der Swiss Football League befristetet. Der Verein musste immer wieder zittern, ob er weiterhin in der Schweiz mitspielen darf. Seit 2011 existiert ein neuer Vertrag – ein unbefristeter, der einige Regeln umfasst, von denen nicht alle öffentlich sind.

Super-League-Fussball im Rheinpark sieht von aussen schön aus, ist aber sehr teuer.

Super-League-Fussball im Rheinpark sieht von aussen schön aus, ist aber sehr teuer.

Keystone

Die vergangene Saison in der Challenge League kostete den FC Vaduz und den Liechtensteiner Fussballverband 722'925 Franken – quasi eine Eintrittsgebühr. Die Saison zuvor wurden in der Challenge League 563'616 Franken fällig. Dies geht aus dem jüngsten Jahresbericht der Swiss Football League hervor. Teurer wurde es für die Liechtensteiner, weil der FC Vaduz in der Europa League 2019 sehr erfolgreich war und bis in die dritte Qualifikationsrunde vorstossen konnte – mit dem Traumlos Eintracht Frankfurt notabene.

Je erfolgreicher, desto teurer wird es für Vaduz

Im Vertrag sind solche Zahlungen geregelt. Je weiter der FC Vaduz europäisch kommt, umso höher wird die Abgabe an die Swiss Football League. Teurer wird es nun auch wegen dem Aufstieg in die Super League. Die Liga budgetiert für diese Saison Beiträge von 1,375 Millionen Franken aus Liechtenstein. Diesem Eintrittspreis stehen natürlich auch Einnahmen gegenüber. Jeder Super-League-Verein erhält Anfang Saison einen Sockelbeitrag von 1,8 Millionen Franken, darin inbegriffen sind ­zum Beispiel TV-Gelder. In der Challenge League gibt es mit einer halben Million Franken bedeutend weniger Antrittsprämie.

Doch auch hier werden die Liechtensteiner benachteiligt. Es ist vertraglich festgelegt, dass der FC Vaduz nicht mit dem ganzen Sockelbeitrag rechnen kann. Wie hoch der Anteil von diesen 1,8 Millionen Franken ist, ist geheim.

Die Swiss Football ­League behält also einen Teil der TV-Gelder des FC Vaduz zurück. Gleiches gilt Ende Saison für die Ranglistenprämie, wo die Liga insgesamt sechs Millionen Franken ausschüttet. Vaduz überweist also nicht 1,375 Millionen Franken in die Schweiz. Diese Summe wird mit den reduzierten Zahlungen verrechnet, sodass die Liechtensteiner am Schluss einfach deutlich weniger bekommen als die Konkurrenz aus der Schweiz. Das schmerzt natürlich, hat der FC Vaduz ohnehin bereits das tiefste Budget der ganzen Liga.

Trotz Corona steht Vaduz nicht vor der Pleite

2020 kommt für die Liechtensteiner ein weiterer finanzieller Nachteil hinzu: Corona. Das Bundesamt für Sport (Baspo) hat ausdrücklich festgelegt, dass die A-fonds-perdu-Beiträge und die zinslosen Darlehen für den Schweizer Sport nicht für Profivereine aus Liechtenstein gedacht sind. «Ausgenommen FC Vaduz», steht auf der Website des Bundes. Um im Falle einer eintreffenden Zahlungsunfähigkeit gerüstet zu sein, hat die Regierung in Liechtenstein beim Baspo offiziell angefragt, wie viel der FC Vaduz bekommen würde, wenn er ein Schweizer Klub wäre.

FC Vaduz-Präsident Patrick Burgmeier

FC Vaduz-Präsident Patrick Burgmeier

FC Vaduz

Wenn diese Antwort eintrifft, will das Land Liechtenstein entscheiden, ob es dem FC Vaduz eben diesen Beitrag bezahlen soll oder nicht. Vaduz Präsident Patrick Burgmeier sagt: «Wir gehen davon aus, dass Forderungen nach Kompensationen aufkommen könnten.» Doch Burgmeier ist auch aufgrund der «guten Zusammenarbeit» mit dem Liechtensteiner Sport- und Wirtschaftsminister Daniel Risch und der «grossen Solidarität» von Sponsoren und Gönnern des FC Vaduz zuversichtlich, dass sein benachteiligter Klub auch diese schwierige Lage meistern wird. Es soll ja auch in Zukunft jede Menge «Länderspiele» gegen Schweizer Klubs geben.