Andi Zeqiri im Porträt

Warum der beste Spieler der Challenge League lieber bei Lausanne bleibt statt zum FCB zu gehen

Andi Zeqiri (20) weiss, was er kann und ist mittlerweile absoluter Leistungsträger bei Lausanne.

Andi Zeqiri (20) weiss, was er kann und ist mittlerweile absoluter Leistungsträger bei Lausanne.

Andi Zeqiri hätte im Winter zum FC Basel wechseln können. Doch er beendet die Saison lieber mit Lausanne und hat dafür gute Gründe. Am Sonntag trifft er im Cup nun auf einen seiner Verehrer.

Der Lebenslauf von Andi Zeqiri zeigt, warum er von vielen Experten als Wunderkind bezeichnet wird. Mit 15 Jahren debutierte der Romand mit kosovarischen Wurzeln bei den Profis von Lausanne-Sport in der Challenge League. Mit 16 Jahren erzielte er gegen den FC Wohlen seinen ersten Profitreffer. Mit 17 Jahren stand er zusammen mit Kai Havertz, Matthjis de Light und Gianluigi Donnarumma auf der Liste der 60 besten Fussballtalente mit dem Jahrgang 1999. Mit 18 Jahren schoss er gegen den FC Basel sein erstes Tor in der Super League und mit 20 ist Zeqiri heute absoluter Leistungsträger beim aktuellen Leader der Challenge League. 21 Torbeteiligungen hat der Flügelstürmer in dieser Saison bereits auf seinem Konto.

Kein Wunder, dass sich im Winter auch der FC Basel um ihn bemühte. Im Dezember traf sich FCB-Sportchef Ruedi Zbinden mit den Beratern von Zeqiri. Doch aus dem Winterwechsel wurde nichts, weil der wertvollste Lausanner mit 1,4 Millionen Franken Marktwert zu teuer für den FCB war und weil Zeqiri seinen Heimatclub auch gar nicht verlassen will. Und so kommt es, dass Zeqiri am Sonntag mit seinen Lausannois im vorgezogenen Cup-Viertelfinale gegen den FCB spielt.

Eine üble Grätsche in Turin imponiert dem Youngster

Vor dem Spiel sitzt Andi Zeqiri im Bauch der Lausanner Pontaise. Mit seiner Fussballerfrisur voller Gel, dem etwas zu grossen Trainer und seinem Flaum auf der Oberlippe sieht er immer noch aus wie ein Kind. Doch sobald er den Mund öffnet und mit seiner tiefen Stimme spricht, tönt das, was er sagt, überraschend erwachsen. Sein Lieblingssatz: «Il faut être concentré», du musst konzentriert sein. Auf die Frage, warum er nicht zum FCB ging, antwortet Zeqiri, ohne dabei den Blick abzuwenden: «Ich weiss, was ich will. Klar ist es schön, wenn Vereine wie der FCB Interesse zeigen. Aber ich will mit Lausanne die Saison beenden. Was dann passiert, werden wir sehen.»

Mit 17 spielte Zeqiri für ein Jahr leihweise bei Juventus Turin. Meistens trainierte er bei der U19, aber immer wieder auch mit den Profis. Dort lernte der Youngster, was Siegermentalität ist. «Dani Alves hat mich im Trainingsspiel Fünf gegen Fünf einmal übel umgegrätscht, weil ich den Ball nicht schnell genug abgegeben habe. Diese Topspieler wollen immer gewinnen. Die sind auch in den Wettkämpfen im Training voll konzentriert. Das hat mir imponiert», sagt Zeqiri. Nach einem Jahr in Turin war er der Meinung, dass es für seine Entwicklung besser ist, wenn er jetzt bei den Erwachsenen in der Super League spielt. Und so kehrte Zeqiri 2017 nach Lausanne zurück.

Zu Hause wäscht und kocht immer noch die Mama

Auch heute, zwei Jahre später, wohnt Zeqiri noch zu Hause. Mama kocht und macht die Wäsche. Andi nutzt die Zeit bei der Familie und den drei jüngeren Geschwistern, um die Batterien wieder aufzuladen. Hier darf er noch Kind sein. In der Umkleide der Pontaise, seinem «zweitem Daheim», nimmt Zeqiri dagegen eine Führungsrolle ein. Trotz seiner erst 20 Jahre gibt es im aktuellen Kader nur zwei Spieler, die noch länger in Lausanne unter Vertrag sind. In dieser Saison hat Trainer Giorgio Contini Zeqiri deshalb auch zum dritten Captain ernannt. Contini gefällt der Ehrgeiz, mit dem Zeqiri gerne Extraschichten schiebt und ihm gefällt auch, was der Ex-Sportchef Pablo Iglesias betätigt: «Andi hat in den letzten Jahren sehr viel an Reife gewonnen.»

Während der Coronapause hilft Andi Zeqiri mit und informiert in Warnweste die Bevölkerung über die neusten Massnahmen.

Während der Coronapause hilft Andi Zeqiri mit und informiert in Warnweste die Bevölkerung über die neusten Massnahmen.

Das Vertrauen der Verantwortlichen und die persönliche Entwicklung führen in dieser Saison zu zahlreichen Skorerpunkten. Bis zum 15. Spieltag hat Zeqiri inklusive drei Cupspielen 16 Tore geschossen und fünf vor­bereitet. Doch seit Ende November letzten Jahres herrscht Flaute. «Normalerweise wäre das schlimm für mich. Aber wenn die Mannschaft gewinnt, ist das nicht so ganz so übel», sagt Zeqiri und grinst. Am Sonntag will er die Flaute aber beenden. Mit seinen Toren schoss Zeqiri schon Lugano und Xamax aus dem Cup. Jetzt soll der dritte Superligist dran glauben.

Andi Zeqiri wurde an der SFL-Award-Night zum besten Spieler der Challenge League ausgezeichnet.

Andi Zeqiri wurde an der SFL-Award-Night zum besten Spieler der Challenge League ausgezeichnet.

«Wir wollen am Sonntag gewinnen. Wir sind selbstbewusst und haben in allen Mannschaftsteilen gute Qualität», sagt Zeqiri. Das 5:0 im Testspiel in Luzern am vergangenen Mittwoch, inklusive Zeqiri-Tor, zeigt, dass die Romands sehr gut in Form sind und der FCB Lausanne nicht unterschätzen sollte. «Das ist aktuell die beste Lausanne-Mannschaft, seit ich hier bin», sagt Zeqiri. Durch die wenigen Wechsel ist das Team eingespielt. «So ist es einfacher. Die Eingespieltheit macht unsere Stärke aus.»

Andi Zeqiri traf für die Schweizer U21 doppelt gegen Frankreich und ist seitdem auch bei anderen Clubs heiss begehrt.

Andi Zeqiri traf für die Schweizer U21 doppelt gegen Frankreich und ist seitdem auch bei anderen Clubs heiss begehrt.

Durch den finanzkräftigen Sponsor im Hintergrund ist Lausanne aktuell nicht auf grosse Transfererträge angewiesen. Spieler wie Zeqiri können gehalten werden. Zumindest noch bis zum Saisonende. Der Vertrag von Zeqiri läuft noch bis 2021. Ablöse gibt es nur noch in diesem Sommer. Spätestens seit Zeqiri mit seinem Doppelpack gegen Frankreich für die U21 der Schweiz für Aufsehen sorgte, ist er auf dem Zettel vieler Scouts. Wahrscheinlich wird am Sonntag also nicht nur Zbinden ein besonderes Auge auf das mittler­weile erwachsene Lausanner Wunderkind werfen.

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