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Tour-de-France Titelverteidiger Geraint Thomas ist im Vorteil

Geraint Thomas: Tour-de-France-Sieger von 2018.

Geraint Thomas: Tour-de-France-Sieger von 2018.

Dem Briten Geraint Thomas gehen schon nach der ersten Woche der Tour de France die Rivalen aus. Nur noch zwei ernsthafte Rivalen bleiben übrig.

Die Tour die France hat ihre erste Woche hinter sich. Es war eine lange erste Woche, sie zog sich über zehn Tage. Sie fand auch erste Opfer. Gleich fünf Profis, die in Brüssel noch grosse Hoffnungen auf einen Podiumsplatz in Paris machten, verloren beim Windkantenrennen am Montag wertvolle Zeit. Thibaut Pinot, Richie Porte, Rigoberto Uran und Jakob Fuglsang verloren eine Minute und 40 Sekunden, Mikel Landa gar zwei Minuten und neun Sekunden auf Titelverteidiger Geraint Thomas.

Während Landa unverschuldet den Rückschlag erlitt – er war in der ersten Gruppe unterwegs, als ihn der französische Meister Warren Barguil touchierte und zu Fall brachte – zeigten sich die anderen Vier nicht auf der Höhe der Dinge. Beim Australier Porte war dies nicht verwunderlich, er leistet sich immer wieder Aussetzer.

Bei den Klassiker-erfahrenen Uran und Fuglsang verblüffte die Unaufmerksamkeit schon. Von Frankreichs neuem Liebling Pinot war ebenfalls mehr zu erwarten gewesen. Er präsentierte sich zuvor in Top-Form, wurde gar zum grössten Rivalen für Ineos. «Wir werden ihn nicht mehr aus den Augen lassen. Er ist immens gefährlich», sagte Ineos’ sportlicher Leiter Nicholas Portal über seinen Landsmann nach dessen famoser Attacke in Saint-Étienne. Zwei Tage später musste Ineos sich ein neues Objekt der Beobachtung erwählen. Wie Pinots Teamchef Marc Madiot mitteilte, fuhr sein Schützling bei der wilden Jagd nach Albi einen Kreisel von der falschen Seite an. «Als sie dort rauskamen, waren die anderen schon weg», sagte Madiot. «Ein Sch....tag», kommentierte Pinot selbst.

Nairo Quintana - ein potenzieller Herausforderer von Geraint Thomas. (Christoph Ena/Keystone (Albi, 15. Juli 2019))

Nairo Quintana - ein potenzieller Herausforderer von Geraint Thomas. (Christoph Ena/Keystone (Albi, 15. Juli 2019))

Team Ineos gehen so langsam die Gegner aus. Der Gesamtführende Julian Alaphilippe ist keine Gefahr. Er wird sich vielleicht noch über die erste Bergetappe am Donnerstag nach Bagneres-de-Bigorre und eventuell sogar beim Zeitfahren am Freitag in Pau vorne halten können. Spätestens am Samstag, nach dem Ritt auf den Tourmalet, dürfte seine Zeit in Gelb beendet sein. Er selbst sieht dies auch so: «Ich werde nicht die Tour gewinnen, nur weil ich jetzt Gelb trage. Sieger wird werden, wer zu Beginn der Tour schon gute Form hatte, jetzt aber immer noch frisch ist. Und das ist bei mir nicht der Fall.»

Am dichtesten am Ineos-Duo ist der Niederländer Steven Kruijswijk, 15 Sekunden Rückstand hat er auf Thomas, elf Sekunden auf dessen Partner Egan Bernal. Der Kapitän von Jumbo–Visma sieht bei dreiwöchigen Rundfahrten aber meist nur zwei Wochen gut aus. Auf ihn muss Ineos nicht achten. Und wohl auch nicht auf Emanuel Buchmann. Der Deutsche fährt ein tolles Rennen, hat nur 33 Sekunden Rückstand auf Thomas. Wenn er seinen aktuellen 5. Platz halten kann, wäre das ein grosser Erfolg.

Was machen Quintana 
und Yates?

Als ernsthafte Rivalen bleiben daher nur Nairo Quintana (8. mit 52 Sekunden Rückstand auf Thomas) und Adam Yates (Rang 7 mit 31 Sekunden Rückstand) übrig. Beide haben ihre Qualitäten über drei Wochen in der Vergangenheit nachgewiesen und sie verfügen über starke Teams. Die Frage ist nur: Fahren sie um den Platz hinter Thomas und Bernal? Oder setzen sie Ineos unter Druck, in der Hoffnung, dass erst einer und dann der andere der beiden Co-Kapitäne schwächelt? Die erste Antwort darauf gibt der Donnerstag. Beim Zeitfahren am Freitag dürfte Thomas seinen Vorsprung auf die engeren Rivalen – und auch Teamkollegen Bernal – aber noch ausbauen. Am Samstag muss die echte Aufholjagd beginnen – von denen jedenfalls, die mehr wollen als nur einen dritten Platz.

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