Apropos
Tiger Woods: Wie der Tiger auch abseits des Rampenlichts zu überzuegen weiss

Die amerikanische Golflegende hatte grossen Anteil am amerikanischen Triumph beim legendären Ryders Cup - nicht etwa als Spieler, sondern als Strategie-Chef. Doch die viel grössere Frage ist und bleibt diejenige um die Rückkehr des Champs.

Ruedi Kuhn
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Tiger Woods hat nach dem Ryders Cup allen Grund zum lachen.

Tiger Woods hat nach dem Ryders Cup allen Grund zum lachen.

Keystone

Rory McIlroy zaubert den kleinen, weissen Ball mit einem fantastischen Putt aus 30 Metern ins Loch. Der nordirische Golfstar flippt aus, ballt die Fäuste und reisst die Arme in die Höhe. McIlroy provoziert die amerikanischen Fans. Er hält die Hände hinter die Ohren, grinst und fordert mit dieser unmissverständlichen Geste mehr Unterstützung von den Anhängern der Amis.

Die Amis pfeifen McIlroy aus. Einige zeigen ihm den Stinkefinger. Die Stimmung im Hazeltine Golf Club von Chaska im Südwesten von Minneapolis ist auf dem Siedepunkt. McIlroy ist es egal. Nach dem Traumschlag lebt er in seiner eigenen Welt. Endlich Emotionen! Endlich Gefühlsausbrüche! Die Faszination Ryder-Cup lebt! Europa lebt! Noch führen die USA im Kontinentalduell mit drei Punkten Vorsprung: Aber der vierte Sieg in Folge für Europa ist weiterhin möglich.

Spielt sich McIlroy in einen Rausch? Nein! Er verliert das Duell gegen Patrick Reed am letzten Loch. Jetzt braucht es ein Wunder. Aber obwohl der belgische Jungstar Thomas Pieters vier von fünf möglichen Punkten holt, jubelt schliesslich der Gegner. Die Amerikaner Brooks Koepka, Brandt Snedeker und Phil Mickelson sind zu stark für Europas Nullnummern Lee Westwood, Danny Willett und Andy Sullivan.

Schliesslich gewinnen die USA den 41. Ryder-Cup gegen Europa mit 17:11. Etwas abseits vom Geschehen freute sich der wohl berühmteste Golfer aller Zeiten: Tiger Woods. Für einmal stand das Alphatiernicht im Mittelpunkt, sondern amtete nur als Strategie-Chef und als einer von fünf Vize-Captains der Amerikaner.

Woods machte sich allem Anschein nach gut in seiner Rolle als Stratege.

Woods machte sich allem Anschein nach gut in seiner Rolle als Stratege.

Keystone

Wobei: Die Strahlkraft des Tigers ist trotz sinkender Leistungskurve und Sexeskapaden immer noch so gross, dass die Golfer neben ihm beinahe wie Statisten wirken. Ein Grossteil der Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf Woods und die Frage: Wann kehrt der Superstar auf die Greens zurück?

Die Antwort: Er plant nach seiner schweren Rückenverletzung das Comeback. Woods will vom 13. bis 16. Oktober am Safeway Open im kalifornischen Napa Valley an den Start gehen. Glänzt er jetzt wieder in einer Hauptrolle?