Tennis
Wettbetrüger erhält Wildcard, Dopingsünderin nicht – WTA kritisiert: «Scharapowa wird doppelt bestraft»

Maria Scharapowa erhält nach ihrer Dopingsperre von den Organisatoren keine Wildcard für die French Open. Die Russin wird das Grand-Slam-Turnier in Paris damit verpassen. Jetzt schaltet sich der Frauentennisverband WTA ein. Die Russin habe ihre Strafe schon abgesessen und werde nun doppelt bestraft.

Silvan Hartmann
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Maria Scharapowa erhält keine Wildcard für die French Open
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Maria Scharapowa erhält keine Wildcard für die French Open

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Die Organisatoren der French Open wollen Dopingsünderin Maria Scharapowa keine Wildcard – eine Einladung zum Turnier – vergeben.

Die Nachricht schlug am Dienstagabend hohe Wellen. So hohe Wellen, dass es Steve Simon, Präsident des Tennis-Frauenverbandes WTA, für nötig hielt, ein Statement zum Entscheid abzugeben: «Maria Scharapowa hat ihre vom internationalen Sportgerichtshof auferlegte Strafe abgesessen. Es gibt keinen Grund, einen Spieler über ein gemeinsam festgelegtes Strafmass hinaus zu sanktionieren», sagt er.

Grundsätzlich liege es im Ermessen der jeweiligen Veranstalter, Wildcards für Turniere zu vergeben, wird WTA-Präsident Steve Simon weiter zitiert: «Nicht einverstanden bin ich aber mit der Grundlage, auf welcher der französische Verband seine Entscheidung im Fall von Maria Scharapowa getroffen hat.»

Steve Simon äusserst sich zum Fall Scharapowa

Steve Simon äusserst sich zum Fall Scharapowa

KEYSTONE/AP Billie Weiss/BNP Paribas Open

Nach ihrer 15-monatigen, Mitte April abgelaufenen Dopingsperre wäre Scharapowa auf die Gnade des französischen Verbandes angewiesen gewesen, um das am 28. Mai beginnende Roland Garros nicht wie im Vorjahr zu verpassen. Weil ihr zum Stichtag die nötigen Weltranglistenpunkte fehlten, schafft die 30-Jährige nicht mal den Einzug in die Qualifikation. Auch dafür hätte sie eine Einladung benötigt, auch diese wurde ihr verwehrt.

Bernard Giudicelli, der Präsident des französischen Verbandes, erklärte den Entscheid: «Es kann eine Wildcard für die Rückkehr nach Verletzungen geben. Aber es kann keine Wildcard für eine Rückkehr nach Doping geben.»

Bei ihren drei bisherigen Turnierteilnahmen, in Stuttgart, Madrid und Rom, erhielt die frühere Weltranglistenerste Wildcards trotz der abgesessenen Dopingsperre wegen der Einnahme von Meldonium.

Verschiedene Spielerinnen hatten sich in den letzten Wochen kritisch über die Einladungen für Scharapowa geäussert. In Frankreich wäre fraglos eine heftige Diskussion ausgebrochen, wenn eine der begehrten Wildcards an die Wahlamerikanerin gegangen wäre, anstatt an eine Einheimische.

Nun muss das French Open aber damit leben, dass nach dem pausierenden Roger Federer und der schwangeren Serena Williams eine weitere Attraktion im Tableau fehlt. Scharapowa gewann das Turnier 2012 und 2014.

Wettbetrüger erhält Wildcard

Ob der Entscheid korrekt ist oder nicht: Seltsam erscheint auch, dass die Roland-Garros-Veranstalter Constant Lestienne (ATP 253) mit einer Wildcard für die Qualifikation ausgestattet haben. Der Franzose war im September 2016 für sieben Monate gesperrt worden, weil er auf 220 Tennis-Matches gewettet hatte.

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