Sie steht im Schatten anderer: in jenem von Timea Bacsinszky, auch in dem von Belinda Bencic. Stefanie Vögele fällt im Schweizer Tennis viel zu oft zwischen Stuhl und Bank. Sie ist weder besonders redselig wie Bacsinszky, noch ist ihre Geschichte so faszinierend wie jene von Belinda Bencic, die schon als Kind zum Projekt eines Unternehmers wurde. So war es auch in den vergangenen Monaten, als Bencic und Bacsinszky mit Verletzungen zu Sorgenkindern wurden. Vögele stört das nicht: «Ich habe kein Problem damit. Ich bin mich selbst, und alles andere ist mir egal. Ich mache mir da wirklich keine grossen Gedanken», sagt die Aargauerin.

Dabei gäbe es viel über sie zu erzählen. Im Februar erreichte sie in Acapulco, Mexiko, erstmals überhaupt einen WTA-Final, brillierte danach in Lugano mit dem Einzug in die Halbfinals und verbesserte sich in der Weltrangliste innert drei Monaten von Position 183 auf Platz 100. Die Belohnung: Erstmals seit 2015 steht Stefanie Vögele wieder direkt im Hauptfeld der French Open, wo sie 2013 einmal bis in die dritte Runde vorstossen konnte.

Erfahrung hilft

Doch für Vögele stehen andere Dinge im Vordergrund. Wegen einer Verletzung am rechten Handgelenk verpasste sie die Hälfte der vergangenen Saison. «Ich bin einfach froh, dass ich damit keine Probleme mehr habe», sagt sie am Freitag zur «Schweiz am Wochenende». Sie habe gelernt, dass weniger manchmal mehr sei.

«Ich muss aufpassen, dass sich die Muskulatur im Unterarm nicht verhärtet.» Sie gehe zwar öfter in die Physiotherapie, stehe aber seltener auf dem Platz. «Hier hilft die Erfahrung enorm: Ich weiss besser, was ich brauche, kenne meinen Körper und meineSchläge besser. Ich spüre viel besser, was es braucht.» Wenn sie wie vor zwei Wochen für ein paar Tage zu Hause in Leuggern weilt, macht sie auch einmal gar nichts.

Ein Tapetenwechsel der viel bewirkte

Vor anderthalb Jahren hat sie ihre Basis nach Prag verlegt. Nach dem Krebstod von Vater Bruno vor vier Jahren brauchte sie einen Neustart und Abstand. Zudem hat Vögele dort erstklassige Trainingspartner. «Prag ist eine wunderschöne Stadt, es hat super Essen, und dazu ist es einiges billiger als in der Schweiz», sagt Vögele.

Der Tapetenwechsel hat ihr geholfen, nicht dauernd mit der Vergangenheit und ihrem Schicksal konfrontiert zu werden. Das wirkt sich auch auf dem Tennisplatz aus. «Ich nehme es so, wie es kommt», sagt sie. In Paris trifft sie auf Lesja Zurenko (WTA 40), gegen die sie im Final von Acapulco verloren hatte. Revanchegelüste hege sie keine. «Ich schaue nicht zurück.» Stefanie Vögele lebt im Hier und Jetzt.