Tennis
Roger Federer steht vor dem Absturz – nach 1084 Wochen an der Weltspitze

Am 31. Januar 2022 geht wohl Roger Federers eindrücklichste Serie zu Ende. Mit dem Absturz in der Weltrangliste erlöschen Privilegien. Der Weg zurück an die Weltspitze wird damit noch schwieriger.

Simon Häring
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Trübe Aussichten für den rekonvaleszenten Roger Federer.

Trübe Aussichten für den rekonvaleszenten Roger Federer.

Facundo Arrizabalaga / EPA

Die goldenen Jahre im Schweizer Männertennis gehören wohl endgültig der Vergangenheit an. Am Dienstag wurde klar, dass Roger Federer ab Montag nach fünf Jahren nicht mehr zu den Top Ten der Weltrangliste gehört. Verdrängt wird er ausgerechnet vom Polen Hubert Hurkacz, gegen den der Schweizer im Wimbledon-Viertelfinal zum bisher letzten Mal im Einsatz gestanden war – und dabei den letzten Satz mit 0:6 verloren hatte.

Roger Federers bislang letzter Einsatz, der Viertelfinal von Wimbledon.

Wimbledon

Kurz darauf hatte Federer bekannt gegeben dass er sich erneut am Knie operieren lassen wird. Dass er erneut auf Gehhilfen angewiesen sein wird. Dass er erneut mehrere Monate ausfallen wird. Schon 2020 hatte er sich zwei Mal am rechten Knie operieren lassen müssen – im Februar und im Sommer. Nach 405 Tagen Pause war er im März in Doha zurückgekehrt.

Beitrag: Silvy Kohler

Er spielte danach noch in Genf und bei den French Open auf Sand, in Halle und Wimbledon auf Rasen, ehe ihn die Verletzungshexe wieder einholte.

Zwar schloss der inzwischen 40-Jährige einen Rücktritt noch aus, wann er zurückehren wird, liess er aber offen. Letztmals öffentlich in Erscheinung getreten ist Federer Ende September beim von ihm initiierten Laver Cup in Boston. Beim Kontinentalwettbewerb war er auf Gehhilfen angewiesen.

Federer Ende September am Laver Cup in Boston. Mit Gehhilfen.

Federer Ende September am Laver Cup in Boston. Mit Gehhilfen.

Cj Gunther / EPA

Damit scheint klar: Die Australian Open 2022 ab Mitte Januar werden erneut ohne den sechsfachen Sieger Roger Federer über die Bühne gehen.

Kommt es wie befürchtet, wird der 31. Januar 2022 eine weitere Zäsur in Federers Karriere darstellen: Dann nämlich fallen die 720 Punkte seines Halbfinal-Vorstosses in Melbourne 2020 aus der Wertung, wo er Novak Djokovic unterlegen war. Federer wird damit aller Voraussicht nach auch aus den Top 32 der Weltrangliste fallen. Das hätte zur Folge, dass Federer bei einem Grand-Slam-Turnier erstmals seit über 20 Jahren nicht mehr gesetzt wäre. 2001 war er an den Australian Open in seinem erst siebten Major-Turnier als Nummer 29 der Welt in die dritte Runde vorgestossen.

An den Australian Open 2001 profitierte Federer als Nummer 29 der Welt erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier vom Status eines Gesetzten.

An den Australian Open 2001 profitierte Federer als Nummer 29 der Welt erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier vom Status eines Gesetzten.

Keystone

Bereits in diesem Jahr fallen Roger Federer mit 1380 mehr als ein Drittel seiner 3765 Punkte aus der Wertung: 500 für den 103. und bislang letzten Turniersieg 2019 beim Heimturnier in Basel, 400 für zwei Gruppensiege beim Final der acht Jahresbesten 2019 (!) 300 für den Finalvorstoss in Indian Wells und den Viertelfinal in Schanghai; beides war im Jahr 2019.

Die aktuelle Weltrangliste

Während 310 Wochen führte Roger Federer die Weltrangliste an. Zwischen Oktober 2002 und Oktober 2016 gehörte er ohne Unterbruch den Top Ten an. Damals hatte er sich einer Operation am linken Knie unterzogen, ehe er 2017 nach halbjähriger Pause bei den Australian Open als Nummer 17 der Welt angetreten und seinen 17. Grand-Slam-Titel gefeiert hatte.

2017 gewann Federer in Melbourne seinen 17. Grand-Slam-Titel.

Australian Open

Seit dem 23. April 2001 gehört Roger Federer den Top 20 der Weltrangliste an. Spätestens am 31. Januar 2022 endet diese Serie. Federer wird dann während 1084 Wochen ohne Unterbruch den Top 20 angehört haben.

Allerdings: Wäre nicht die Coronapandemie ausgebrochen, Federer wäre Anfang des Jahres gar nicht mehr in der Weltrangliste erschienen. Die Profi-Organisation der Männer, die ATP, hat das System zur Berechnung schon mehrfach angepasst. Erst wurde von einem Jahresranking auf ein Ranking umgestellt, das Resultate über einen Zeitraum von zwei Jahren berücksichtigt. Dann wurden Fristen verlängert. Das hat zur Folge, dass Federer das Jahr 2020 in den Top 5 der Weltrangliste beendete, obschon er mit den Australian Open nur ein einziges Turnier bestritten hatte.

Die aktuelle Jahresweltrangliste

In der Jahreswertung 2021 wird Federer zwar «nur» im 68. Rang geführt, allerdings hat er in dieser Saison lediglich fünf Turniere bestritten. Mit Rafael Nadal (7 Turniere), Novak Djokovic und Dominic Thiem (je 9) haben nur drei Spieler unter den Top 100 ähnlich wenig gespielt wie er.

Stan Wawrinka ist neben Federer das zweite Schweizer Sorgenkind.

Stan Wawrinka ist neben Federer das zweite Schweizer Sorgenkind.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Gut möglich, dass der 29-jährige Henri Laaksonen (ATP 98) die Saison in der Jahreswertung als bester Schweizer beendet. Er liegt als 74. nur sechs Ränge hinter Roger Federer. Ausser Rang und Traktanden gefallen ist Stan Wawrinka (ATP 46). Er hat in diesem Jahr nur sechs Partien bestritten, die letzte im März in Dubai. Danach hat er sich am Fuss operieren lassen. In der Jahreswertung liegt der 36-jährige Romand nur im 302. Rang.

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