Der alte Grantler gab Gas. «Ich habe jetzt noch Schmerzen vom Spiel», spuckte Hans Krankl am Tag nach dem 0:3 in Ried Gift und Galle. Beim Letzten der Bundesliga hatte sich Rekordmeister Rapid Wien bis auf die Knochen blamiert. Und Klub-Legende Krankl die Gunst der Stunde genützt, um der Vereinsführung ans Bein zu pissen.

«Da ist kein Einziger, der sich im sportlichen Bereich auskennt», sagte der 64-Jährige, nahm jedoch Sportchef Fredy Bickel von der Kritik aus. «Herr Bickel ist so nett, dass es wehtut», sagte Krankl, «er kann nichts dafür.»

Parallelen zum FC Zürich

Stimmt. Der Schweizer war erst im Januar dieses Jahres zu Rapid gekommen, als sich der Traditionsverein schon längst auf dem Weg in eine tiefe Krise befand. Nun droht sogar die erstmalige Relegation, seit der Gründung der österreichischen Liga 1911. Acht Runden vor Schluss beträgt der Vorsprung auf den einzigen Abstiegsplatz nur noch fünf Punkte.

«Ich weise schon seit Wochen daraufhin, wie gefährlich unsere Situation ist», sagt Bickel. «Ich werde hier in Wien nicht müde, immer wieder die Geschichte des FC Zürich und dessen Abstieg in der vergangenen Saison zu erzählen. Als auch niemand glaubte, den FCZ könnte es erwischen.» Der 51-Jährige sagt, es gebe beängstigende Parallelen. Zürich sei als Cupsieger abgestiegen und Rapid stehe auch bereits im Cup-Halbfinal.

Entlassung nach drei Monaten

Deshalb hat Bickel die Reissleine gezogen und am vergangenen Sonntag Trainer Damir Canadi entlassen. Jenen Mann, den Rapid im Herbst für viel Geld aus dem Vertrag beim SCR Altach herausgekauft hatte. Jenen Trainer, der die bescheidenen Vorarlberger sensationell an die Tabellenspitze geführt hatte und der Shootingstar unter den österreichischen Ausbildnern war.

«Es gibt nichts Schlimmeres, als schon nach gut drei Monaten einen Trainer entlassen zu müssen», sagt Bickel. Er selber habe ein gutes Verhältnis zu Canadi gehabt, ihn als feinen Menschen kennen gelernt. «Und ich bin noch immer überzeugt davon, dass er ein guter Trainer ist.»

Damir Canadi konnte seine Erfolgsgeschichte in Wien nicht weiterschreiben.

Damir Canadi konnte seine Erfolgsgeschichte in Wien nicht weiterschreiben.

Woran aber ist Canadi gescheitert? «Eindeutig am Zwischenmenschlichen», sagt Bickel, hält aber die vielen wüsten Storys, die nun in Österreich aufgetischt werden, für übertrieben. Dem Stammspieler Christoph Schösswendter soll der Trainer ins Gesicht gesagt haben: «Schössi, du kannst nicht kicken.»

Canadi habe ihn behandelt wie einen «Bua», klagte der 28-jährige Verteidiger. Canadis Bilanz bei Rapid ist verheerend. Er geht als schlechtester Rapid-Trainer in die Geschichte ein. In 14 Meisterschaftsspielen unter ihm gewann Grünweiss nur zwei Mal.

Chelsea geschlagen

Es ist eine verrückte Saison für Rapid. Nur wenige Tage vor dem Saisonstart war der beliebte Trainer Zoran Barisic aufgrund von persönlichen Problemen gefeuert worden. Es kam der Deutsche Mike Büskens, und bei der Einweihung des neuen Stadions in Hütteldorf gab es einen 2:0-Sieg über Chelsea.

Im ersten Meisterschaftsspiel wurde Ried 5:0 heimgeschickt, es gelang die Europa-League-Qualifikation und gegen Genk, Sassuolo und Bilbao verkaufte sich Rapid gut, ohne aber weiterzukommen. Dann wurden die Ergebnisse in der Liga schwächer, und nach nur zwei Siegen in zehn Spielen mussten der deutsche Sportchef Andreas Müller und Büskens den Hut nehmen.

Barisic, Büskens, Canadi. «Einen vierten Trainer konnte ich der verunsicherten Mannschaft jetzt nicht zumuten», sagt Bickel. Er hat deshalb die beiden bisherigen Assistenztrainer Goran Djuricin und Martin Bernhard bis zum Saisonende zu Interimstrainern befördert. «Geht es gut, könnten sie auch in der nächsten Saison die Trainer sein. Geht es schief, dann werde diesmal ich die Zielscheibe der Kritiker sein», ist sich Bickel bewusst.

Fischer oder Hütter nach Wien?

Weil der Zürcher dafür bekannt ist, gerne Leute seines Vertrauens um sich zu haben, drängt sich die Frage auf, ob er auf die neue Saison hin Urs Fischer oder Adi Hütter als Trainer im Visier hat. Mit dem einen hat er beim FCZ, mit dem anderen bei YB zusammengearbeitet.

«Ich halte von beiden unheimlich viel. Beide wären sehr interessante Kandidaten und ich hätte auch kein Problem damit, sie aus der Schweiz zu holen», sagt Bickel. «Bei Hütter steht eine Rückkehr nach Österreich jedoch nicht zuoberst auf der Wunschliste, bei Fischer wäre es vermutlich einfacher. Ein Entscheid wird aber nicht vor Ende Mai fallen.»

Der musikalische Einstand von Fredy Bickel an der Mitgliederweihnachtsfeier von Rapid Wien:

Musikalischer Einstand von Fredy Bickel an der Mitgliederweihnachtsfeier von Rapid Wien