Laura Sirucek spielte in der NLA für Aesch Pfeffingen, Volero Zürich, Kanti Schaffhausen und Köniz. An der Heim-EM 2013 lief die Oltnerin für die Schweizer Nationalmannschaft auf. Die beste Phase ihrer Karriere hatte sie laut eigener Aussage nach der EM in den Jahren 2014 und 2015 bei Kanti Schaffhausen. Sie war Captain und Topskorerin des Teams und erhielt in dieser Zeit die Auszeichnung als beste Schweizer Spielerin der NLA.

«Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mir mein ‹Karriereende› etwas anders vorgestellt», sagt die heute 28-Jährige rückblickend. Sirucek musste sich «stillschweigend nach einer schlechten Saison» aus der NLA verabschieden.

Kein Kribbeln mehr

Köniz hatte Geldsorgen, was sich negativ auf die Leistungen und die Motivation des Teams auswirkte. «Ich spürte das Kribbeln nicht mehr und war vor den Spielen nicht mehr nervös. Die Freude am Sport fehlte.» Volleyball bringe weder Ruhm noch Geld. Deshalb habe sie sich immer gesagt, sie betreibe diesen Aufwand so lange, wie es ihr Spass mache und etwas zurückkomme.

«Diese Balance war plötzlich nicht mehr da. Es fiel mir schwer, so viel Zeit und Kraft in den Sport zu investieren.» Auch weil ihr Studium – sie hat ihr Doktorat in Neurobiologie begonnen – an Wichtigkeit gewann. Die körperliche Verfassung spielte ebenfalls eine Rolle: Sirucek musste sich an der Hüfte operieren lassen. «Da entschied ich mich dafür, aufzuhören. Tiefer als NLA zu spielen, konnte ich mir damals überhaupt nicht vorstellen», sagt sie.

Comeback wegen einer Party

Sie hatte also bereits abgeschlossen mit dem Volleyball. Wieso zog es ihr den Ärmel trotzdem wieder rein? «Eigentlich war es Erpressung», scherzt Sirucek und erzählt die Geschichte ihres Comebacks: Sie brauchte ein Ticket für eine Party. Nadine Jenny, Zuspielerin bei Volley Schönenwerd und langjährige Freundin von Laura Sirucek, besorgte ihr dieses unter einer Bedingung: «Ich musste einmal im Training der Frauen vorbeischauen.»

Das tat sie dann kurz vor Beginn der Saison 2017/18 auch. «Und dann kam alles wieder rauf», gerät die Angreiferin ins Schwärmen. «Die Erinnerungen an meine Juniorinnenzeit bei diesem Verein und all die Emotionen. Es waren aber in erster Linie die Mädels, darunter viele alte Freundinnen, die mich überzeugt haben, wieder anzufangen.»

Rückkehr in die NLB

Schönenwerd startete mit dem Ziel Ligaerhalt in die vergangene Erstliga-Saison. Und feierte am Ende den Aufstieg in die NLB. Lange Zeit verlief die Saison indes nicht nach Wunsch: «Wir gewannen viele Spiele knapp mit 3:2, zwischenzeitlich lagen wir nur auf Platz sieben. Dann kam das Spiel gegen Neuenkirch, in dem alles zusammenpasste. Ab diesem Moment lief es. Wir glaubten jetzt auch an uns.»

In der Folge putzten die Schönenwerderinnen die Gegner reihenweise weg und schafften die Rückkehr in die NLB. «Klar hatte der Aufstieg auch etwas mit mir zu tun», bestätigt Sirucek. «Ich hoffe, das klingt nicht arrogant, aber ich hatte natürlich schon den Anspruch an mich, dank meiner Erfahrung den Unterschied auszumachen in der 1. Liga.»

Eine gewichtige Veränderung

Sie fühlte sich auf Anhieb wohl im Team, fand schnell den Rhythmus mit Zuspielerin Nadine Jenny und konnte mit ihren Punkten die Mitspielerinnen entlasten. «Die anderen konnten dadurch befreiter aufspielen, was sich wiederum positiv ausgewirkt hat», sagt Sirucek, «wir haben uns einfach alle gegenseitig hochgepuscht.»

Auf die laufende Saison kam es bei den «Schöni»-Frauen nur zu einer gewichtigen Veränderung. Für die Libera-Position wurde Janine Dietwiler verpflichtet. «Wir spielten letzte Saison mit zwei sehr jungen Liberas», so Sirucek. «Sie haben ihre Aufgabe zwar sehr gut gemacht in der 1. Liga. Es wäre aber noch zu früh gewesen, sie in der NLB ins kalte Wasser zu werfen. Janine besitzt viel Nationalliga-Erfahrung, das spürt man auf dem Feld.» Positiv sei zudem, dass zusätzlich eigene Juniorinnen in die Mannschaft integriert werden konnten.

Unerwartete Finalrunden-Quali

Die Qualifikation in der NLB-Westgruppe glich diese Saison einem Krimi. Mit sieben Siegen, ebenso vielen Niederlagen und insgesamt zwanzig Punkten ergatterte Volley Schönenwerd den dritten Platz und eines der vier Tickets für die Finalrunde. Val-de-Travers auf Platz vier hatte am Ende ebenfalls zwanzig Punkte auf dem Konto. Dem Tabellenfünften Neuenburg fehlte nur ein Zähler für den Einzug in die Finalrunde.

«Ehrlich gesagt, hätte ich selber nicht erwartet, dass wir es in die Finalrunde schaffen», sagt Sirucek lachend und sucht nach Gründen für den Erfolg: «In der NLB wird das System immer wichtiger. Du musst einen Gameplan haben und an diesem festhalten. Die Jungen sind es noch nicht gewohnt, sich Gameplans merken zu müssen, und stehen dann auf der falschen Position. Du kannst auf dem Feld aber nicht einfach deinem Gefühl folgen, das mussten alle begreifen.»

Die grössten Stärken im technischen Bereich sieht Sirucek bei den Services und der Annahme. «Wir sind einfach wirklich ein gutes Team und spielen alle sehr gerne zusammen», streicht sie einen weiteren Erfolgsfaktor hervor. «Wir haben viel Spass zusammen. Jede vertraut der anderen und weiss, dass alle Vollgas geben.»

«Sind dort, wo wir hingehören»

In der Finalrunde trifft Schönenwerd je zweimal auf Toggenburg, Züri Unterland, Aadorf und Glaronia. Zum Auftakt gewann «Schöni» auswärts bei Züri Unterland mit 3:2. Noch einmal eine Bestätigung also: «Das Resultat zeigt, dass wir dort hingehören, wo wir jetzt sind», meint Sirucek.

Mit dem Erreichen der NLB-Finalrunde hat das Team die eigenen Erwartungen übertroffen. «Am Ende der Quali waren wir nervös und angespannt, weil es halt so knapp war. Jetzt ist der Druck plötzlich weg», bestätigt Sirucek. Die Resultate seien nun zweitrangig, fügt sie an: «Aufsteigen wollen wir sicher nicht. Deshalb können wir die Finalrunde geniessen und Spass haben.» Sie hofft ausserdem, dass das Trainerduo Daniel Rocamora / Patrick Steffen die Gelegenheit wahrnimmt, den jüngeren Spielerinnen etwas mehr Einsatzzeit zu gönnen.

Die Freude ist zurück

Dann könnte sich auch Laura Sirucek mal eine Verschnaufpause gönnen. Knapp 16 Monate ist es mittlerweile her, seit sie zu ihrem Jugendklub Volley Schönenwerd zurückgekehrt ist. Eine sehr erfolgreiche Zeit mit dem Aufstieg und der Qualifikation für die NLB-Finalrunde. Da schmerzt auch der verfrühte NLA-Abgang im Nachhinein etwas weniger: «Die zwei Saisons bei Volley Schönenwerd haben mir so viel zurückgegeben. Vor allem die Freude am Sport, die mir gefehlt hat, ist zurück. Es macht einfach Spass, mit Freundinnen auf dem Feld zu stehen und Verantwortung zu übernehmen. Auch die Nervosität vor den Spielen ist wieder da.»

Wie lange Laura Sirucek noch Bälle im gegnerischen Feld versenkt, lässt sie offen. «Man wird älter», sagt die 28-Jährige, «ich spüre die Hüfte, die Knie schmerzen zum Glück erstaunlich wenig. Auch die Zeit ist knapper. Mein Doktorat ist mir wichtig. Ich würde es nicht mehr aufgeben für Volleyball. Ich weiss nicht genau, wie es sportlich weitergeht. Zuerst mal die Saison fertigspielen. Dann überlege ich, wie es nächste Saison aussieht.»