Geduld ist oft eine rare Tugend in der Welt des Sports. Der Reflex, nach Niederlagen oder verpassten Saisonzielen alles auf den Kopf stellen zu wollen, ist ständig präsent. Die Emotionen, die zum Geschäft zweifellos dazu gehören und auch einen Grossteil der Faszination ausmachen, vernebeln oft die Perspektive. So enttäuscht man also jetzt auch auf das vorzeitige Saisonende des EHC Olten blicken mag: Man darf den Blick fürs Ganze nicht verlieren.

In einer Phase des Umbruchs

Der EHCO befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Der Verwaltungsrat um Präsident Marc Thommen arbeitet im Hintergrund mit Hochdruck daran, den Klub zu professionalisieren. Der neue Geschäftsführer Patrick Reber ist dabei, seine zahlreichen Ideen umzusetzen. Der EHC Olten muss langsam wachsen.

Denn – und das ist in diesem Zusammenhang extrem wichtig: Man kann noch so lange vom Titel und vom Aufstieg in die NLA träumen: Fehlt die Basis, die Struktur im Umfeld, dann steht dieser Erfolg auf tönernen Füssen. Unter diesem Gesichtspunkt sollte man auch die Sache mit dem berühmt berüchtigten «Dreijahresplan» sehen.

Es war zweifellos mutig, sich mit einer ambitionierten Zielsetzung weit aus dem Fenster zu lehnen. Nun, da die Frist abgelaufen ist und der EHCO den erträumten Aufstieg in die National League nicht geschafft hat, sollte man ihn endlich zu den Akten legen. Es ist wenig konstruktiv, das Scheitern bei jeder Gelegenheit zu thematisieren.

Was nicht heisst, dass man im Kleinholz nicht von einer baldigen Rückkehr ins Oberhaus träumen darf. Die Voraussetzungen, dass diese Mission innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre erfolgreich gestaltet werden könnte, sind nämlich gar nicht so schlecht. Das fängt an mit den fähigen Leuten, die den EHC Olten im Hintergrund führen.

SC Langenthal schiesst EHC Olten aus den Playoffs

SC Langenthal schiesst EHC Olten aus den Playoffs

Das erste Mal schlägt der SC Langenthal den EHC Olten in einer Playoff-Serie und zieht somit ins Finale ein.

Die Mängel sind erkannt

Setzt sich fort mit dem zwar kritischen, aber zahlreichen und begeisterungsfähigen Publikum. Und hört auf mit Sportchef Marc Grieder, der die Mängel dieser Mannschaft, die jetzt im Halbfinal gescheitert ist, längst erkannt hat.

Das Hauptproblem ist ein altbekanntes. Die Mischung im Team passt nicht. So erfreulich der Kampfgeist, der Zusammenhalt und die Widerstandsfähigkeit der Oltner in dieser Saison war, so offensichtlich waren eben auch die Defizite. Es stehen viele, talentierte Spieler im Kader, die sich aber nicht gerne in ein taktisches Schema pressen lassen.

Man kann Trainer Chris Bartolone noch lange vorwerfen, dass es ihm nicht gelungen ist, der Mannschaft die richtige Taktik zu verpassen. Schaut man sich den Trainerverschleiss in Olten in den vergangenen Jahren an, dann muss man irgendwann mal zur Erkenntnis kommen, dass der Hund wohl doch an einem anderen Ort begraben liegt.

Es ist nun die grosse Aufgabe von Marc Grieder, den Umbau dieser Mannschaft voranzutreiben. Ihm sind aber aus zwei Gründen kurzfristig die Hände gebunden. Einerseits muss er sparen. Auf der anderen Seite laufen Verträge mit Spielern weiter, die eigentlich nicht mehr unbedingt ins Konzept passen.

Will heissen: Er kann seine Ideen sicher noch nicht im gewünschten Mass umsetzen. Was nicht ausschliesst, dass er schon jetzt den einen oder anderen markanten Transfer-Nagel einschlagen kann und wird.

Das Ende der Ära von Chris Bartolone ist absehbar

Bleibt die Trainerfrage: Es ist absehbar, dass die Ära von Chris Bartolone mit dieser Niederlage in Langenthal ihr Ende gefunden hat. Das ist einerseits bedauerlich, weil es der freundliche Amerikaner geschafft hat, in Olten die vorher oft vermisste Leistungskultur aufzubauen.

Mangelhafte Arbeitseinstellung konnte man der Mannschaft nur selten vorwerfen. Auf der anderen Seite ist es Bartolone aber nicht gelungen, die Mannschaft spielerisch weiterzuentwickeln. Das mag mit der oben beschriebenen Problematik zusammenhängen. Aber es könnte auch sein, dass er diesem Aspekt in seiner ersten vollen Saison als Headcoach schlicht zu wenig Beachtung schenkte.

Wenn man die Signale richtig deutet, dann wird Marc Grieder hier nach einer anderen Lösung Ausschau halten. Ob es die Richtige ist, wird sich weisen. Aber auch hier gilt: Es ist Geduld gefragt.