Landhockey-EM

Von Luzern aus nach Los Angeles: Die Schweizer Landhockeyspieler wollen ein neues Zeitalter einläuten

An der in Luzern stattfindenden EM wollen die Schweizer Landhockeyspieler nicht nur den Aufstieg realisieren, sondern nebenbei auch ein neues Zeitalter einläuten. Mit von der Partie ist dabei der Wangner Pascal Knabenhans.

In der luzernischen Utenberghalle lassen die Landhockeyspieler der Schweizer Nationalmannschaft den Ball nur so hin und her klatschen. Geschickt kombinieren sie sich durch die Abwehrlinie des Luzerner SC. Das Freundschaftsspiel ist lebendig. Dynamisch. Energisch. Schnell.

Auf eine ähnliche Art und Weise will auch der Verband in ein neues Zeitalter treten. Die Szene befindet sich im Umbruch. Die Generalprobe für die grossen Pläne soll an der heute startenden und bis Sonntag dauernden Heim-EM in Luzern über die für einmal aussergewöhnlich grosse Bühne gehen.

Während der Verband sich viele Zuschauer und eine verbesserte Reichweite erhofft, so will auch die Nati ihre ganz eigenen Ziele erreichen. Um an der Weltmeisterschaft teilnehmen zu können, muss das in der Hallen-Weltrangliste auf Platz 8 gesetzte Team den Aufstieg aus dem B-Pool stemmen.

Der unerschütterliche Glaube an das grosse Ziel

«Wenn man eine Heim-EM ausrichtet und derart gut vorbereitet in das Turnier geht, dann ist es ganz klar das Ziel, den Aufstieg zu realisieren», sagt Christoph Elste, Trainer der Männer-Nationalmannschaft. In der Gruppenphase trifft seine zwölfköpfige Mannschaft auf Kroatien, Italien und die Slowakei. Mit von der Partie ist dabei auch Pascal Knabenhans, Spieler des HC Olten und einziger Vertreter aus dem Kanton Solothurn.

Auch er glaubt an das ganz grosse Ziel. Auf die Gruppengegner angesprochen, zeigt er sich zuversichtlich: «Die Kroaten und Slowaken kennen wir gut. Ich denke, sie sind mit einer starken Teamleistung und gutem Hockey besiegbar.» Dass die Schweiz einen Heim-Bonus hat, dürfte zusätzlich schwer wiegen. Über 1000 Zuschauer pro Tag sollen die Mannschaft in Luzern anfeuern.

Und auch wenn die Gegner auf dem Papier weit hinter der starken Schweiz liegen, hofft man der Stimmung wegen doch auf enge Spiele. Der Sport soll schliesslich bald mehr sein als nur für «Familie, Freunde und Verrückte» wie man beim Verband witzelt. Auf die gute Stimmung zählen letztlich alle Verantwortlichen.

Neue Köpfe sollen die Sportart professionalisieren

«Sonst haben wir eher wenig Publikum, jetzt einen kleinen Hexenkessel. Wir hoffen, dass der Funke überspringt», sagt Trainer Elste. Ins gleiche Horn bläst auch Knabenhans. «Wir haben alle schon oft in Luzern gespielt, gerade auch in dieser Halle. Wenn dank dem Publikum eine gute Stimmung aufkommt, dann kann das sehr unterstützend sein», sagt der 24-Jährige.

Dass er, der für die Nationalmannschaft erst wenige Spiele in der Halle absolviert hat, überhaupt ein Aufgebot erhalten hat, verdankt er den guten Leistungen aus der vergangenen Spielzeit und seiner kontinuierlichen Arbeit. Ebenfalls an sich arbeiten will auch der Verband. Neue Köpfe sollen die Sportart professionalisieren, ihr Wissen aus dem Berufsalltag einbringen.

Die Aufbruchsstimmung ist spürbar – das muss auch sein. Denn nebst dem Aufstieg in den A-Pool will der Verband noch viel Historischeres schaffen: Die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. «Wir wollen aus unserer Nische heraustreten, die Olympischen Spiele in den Vordergrund rücken. Wenn junge Menschen erkennen, dass dies ein Lebenstraum sein kann und sie die Möglichkeit haben, an grösseren Events teilzunehmen, dann kann das klappen», sagt Frank Schneider, Präsident von Swiss Hockey.

Ein weiter und viel Energie verschlingender Weg

Die Zukunft beginnt heute in Luzern – vielleicht für viele schneller als erwartet. Die ganzen Hoffnungen der Sportart lasten auf der Jugend. Diese soll auch in Luzern nicht zu kurz kommen. An der EM dürfen die Nachwuchstalente erstmals als Zuschauer Turnierluft schnuppern, sich an Workshops weiterbilden.

Gerade wenn es um den Teamgeist geht, der von allen so sehr gepriesen wird, dürften sie sich dabei ein Vorbild an Knabenhans nehmen. Auf seine persönlichen Turnierambitionen angesprochen, rückt er lieber das Team in den Vordergrund. «Es würde mich freuen, mehrere Tore erzielen zu können. Aber am Schluss müssen wir als Mannschaft aufsteigen. Eine Einzelaktion kann hilfreich sein, aber letztlich geht es um das ganze Team», sagt Knabenhans.

Sein längerfristiger Traum ist es, sich mit der Nati hochzuarbeiten und sich auf höchstem Niveau zu halten. Dass dies nicht leicht wird, ist allen bewusst. Von Luzern nach Los Angeles dürfte es noch ein weiter und viel Energie verschlingender Weg sein. Auch, weil sich die Nati an der Generalprobe vor dem grossen Auftritt dem LSC geschlagen geben muss. Doch bei Swiss Hockey zeigt man sich zuversichtlich. «Wenn wir die Mauern jetzt solide bauen, dann werden wir ein schönes Haus haben», sagt Schneider.

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