Mit 13 Meistertiteln und ebenso vielen Cupsiegen seit 2005 war Volero Zürich die dominierende Kraft in der NLA. Die Zürcherinnen waren schlicht zu gut für die Schweizer Liga. Deshalb absolviert Volero Zürich die aktuelle Saison in der französischen Liga. Dank des höheren Niveaus in der Meisterschaft wollen die Zürcherinnen endlich auch auf internationaler Ebene erfolgreich sein.

Durch den Wegzug von Volero wurde in der NLA der Platz an der Sonne frei. Um die Position der neuen Nummer eins in der Schweiz duellieren sich im Moment Sm’Aesch Pfeffingen und Volley Düdingen. Leader Pfeffingen konnte 14 seiner 16 Saisonspiele erfolgreich gestalten und liegt einen Punkt vor den Fribourgerinnen. Im Cup ist Pfeffingen ebenfalls auf Kurs. Die Baselbieterinnen schlugen im Achtelfinal den Ligakonkurrenten Cheseaux mit 3:1 und stehen im Viertelfinal. Dort treffen sie am Sonntag auf den VBC Gerlafingen.

Der krasse Aussenseiter

«Ein guter Gegner, das macht Spass», freute sich Gerlafingens Trainer Christian Ruff nach der Auslosung vor knapp drei Wochen. «Ich bin gespannt, wie viele Punkte wir machen werden.» Sein Team ist gegen den NLA-Tabellenführer der krasse Aussenseiter, denn der Unterschied zwischen der NLA und der NLB ist riesig. Das Team von Sm’Aesch Pfeffingen ist nur so gespickt mit hochkarätigen Ausländerinnen: etwa mit Zuspielerin Taylor Tashima (USA), Diagonalangreiferin Jessica Ventura (BRA), Topskorerin Dora Grozer (GER) oder auch Libera Kristen Hahn (USA).

Fällt mal eine Leistungsträgerin verletzungsbedingt aus, wie im Moment die französische Aussenangreiferin Solenn Fabien, reagiert der Klub umgehend und verpflichtete als Ersatz die Österreicherin Monika Christianska. Doch auch die Schweizer Fraktion bei den Baselbieterinnen macht etwas her. Gabi Schottroff, Livia Zaugg und Madlaina Matter qualifizierten sich Anfang Januar mit der Schweizer Nati für die EM-Endrunde. Headcoach bei Pfeffingen ist der Deutsche Andreas Vollmer. «Die Unterschiede sind gewaltig. Wir sind Amateure, sie trainieren mindestens einmal täglich», stellt Gerlafingen-Trainer Christian Ruff klar. Im Fussball sei es im Cup immer möglich, dass ein Underdog einen Lucky Punch landet und den NLA-Klub ausschaltet. «Das ist im Volleyball praktisch unmöglich. Ausser wenn ein 2.-Ligist auf einen 1.-Ligisten trifft.»

Für die Gerlafingerinnen kommt erschwerend dazu, dass nicht alle Spielerinnen zur Verfügung stehen für den Cup-Viertelfinal vom Sonntag. Definitiv nicht spielen wird Captain Lisa Steffen. Die 27-jährige Deutsche laboriert an einer Knieverletzung. Wie auch die Angreiferin Andreia Pereira, deren Einsatz zumindest fraglich ist. «Für uns wird dieser Cup-Match ein aussergewöhnliches Erlebnis und ein spezieller Event», blickt Ruff voraus. «Es ist natürlich schade, dass wir nicht mit den besten Spielerinnen auflaufen können. Aber die Meisterschaft, also die Playouts und das erste Auswärtsspiel am Samstag in Luzern, haben ganz klar Priorität.»

Sieg in Luzern ist Pflicht

Als Tabellensechste verpasste Gerlafingen in der Westgruppe der NLB den Sprung in die Finalrunde nur knapp. Am Ende fehlten den Wasserämterinnen drei Punkte. In der Abstiegsrunde muss Gerlafingen nun je zweimal gegen Steinhausen, Obwalden, Giubiasco und Luzern ran. «Ein Sieg am Samstag in Luzern ist schon fast ein Muss», meint Trainer Ruff. «In der Abstiegsrunde ist es wichtig, gleich in den ersten zwei, drei Spielen zu punkten. Sonst kommt man unter Druck.» Acht Klubs absolvieren die Abstiegsrunde, am Ende steigen die schlechtesten beiden Teams direkt in die 1. Liga ab, die Mannschaften auf den Rängen fünf und sechs müssen in die Barrage. «Unsere vier Gegner sind sicher schlagbar, wir aber auch», fasst der 50-Jährige zusammen.

Unschlagbar ist dagegen Pfeffingen im Cup am Sonntag. «Wir müssen bei diesem Spiel nicht auf den Gegner, sondern auf uns schauen», so Ruff, «was machen wir gut, was können wir besser machen. Wir wollen unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen.» Im Fussball gibt es für Aussenseiter im Cup fast nur eine Taktik gegen die «Grossen»: mit allen Mann hinten reinstehen. Und beim Volleyball? «Eine vergleichbare Taktik gibt es nicht», sagt Ruff. «Unser Plan wird sein, mit vollem Risiko zu servieren.» Entweder gehe diese Taktik auf und die Annahme von Pfeffingen gerät zumindest zwischendurch unter Druck. «Oder es gibt eine Fehlerorgie.»