Unihockey
Trainer, Spieler und Nati-Captain: Roman Pass hat den «schwierigsten Job, den man haben kann»

Ex-Spieler Roman Pass ist seit diesem Sommer Headcoach von Unihockey Mittelland. Den Hockey-Stock hat er aber noch nicht an den Nagel gehängt.

Nicolas Blust
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Er kann es nicht sein lassen: Roman Pass greift noch immer selbst ins Spielgeschehen ein.

Er kann es nicht sein lassen: Roman Pass greift noch immer selbst ins Spielgeschehen ein.

Michael Wyss

«Ich bin ein wenig enttäuscht», sagt Roman Pass, Trainer von Unihockey Mittelland über den bisherigen Saisonverlauf. Nach zwölf Spielen stehen die Mittelländer auf Zwischenrang acht der Tabelle und damit auf dem letzten Platz, der zur Teilnahme an den Playoffs berechtigt. Enttäuscht ist Pass vor allem, da viele Spiele knapp verloren gingen, die man auch hätte gewinnen können. «Uns fehlt die Konstanz im Spiel. Wir können unser Niveau nicht über 60 Minuten abrufen», erklärt der 37-Jährige.

Pass, der bereits acht Jahre als Spieler bei Olten Zofingen aktiv war, hat die Geschehnisse an der Bande der Oltner erst diesen Sommer übernommen. Aufgrund seiner Vergangenheit beim Verein musste der in Finnland aufgewachsene Este auch nicht lange überlegen, als die Anfrage von Sportchef Cyril Müller kam:

«Cyril hat mich angerufen, dass sie Hilfe brauchen, da sie keinen Trainer haben. Von da an ging alles sehr schnell.»

Trainersuche gestaltete sich schwieriger als zuerst angenommen

Bereits im Februar gaben Ex-Trainer Björn Karlen und sein Assistent ihren Rücktritt bekannt. Bis im Juli suchte Sportchef Müller vergeblich nach einem Nachfolger. Bis Roman Pass in die Bresche sprang. Seither leitet er die Geschehnisse bei UM, ohne aber einen Assistenten zu haben. «Bis jetzt war es schwierig für mich als Headcoach, da ich allein war. Seit einer Woche habe ich zum Glück Samuel Schneiter als Assistenten», sagt Pass.

Zuvor mussten ihn regelmässig der Sportchef und der Trainer der U21 an der Bande und im Training unterstützen. «Der Verein hat mich super unterstützt», sagt Pass. Trotzdem konnte diese Konstellation auf Dauer keine Lösung sein. Erst recht nicht, da Roman Pass als Spieler-Trainer agiert.

«Das habe ich anfangs nicht geplant», sagt Pass über seine Doppelrolle bei UM. Aufgrund vieler Verletzungen in der Defensive sah sich der 37-Jährige aber zu diesem Schritt gezwungen. Dass Pass selbst auf dem Spielfeld steht, erschwert aber seine Rolle als Trainer:

«Es ist der schwierigste Job, den man haben kann. Ich muss mich auf mein Spiel konzentrieren und kann weniger auf das Team schauen.»
Roman Pass vor fünf Jahren als Spieler im Einsatz für Olten Zofingen.

Roman Pass vor fünf Jahren als Spieler im Einsatz für Olten Zofingen.

Michael Wyss

Von der Seitenlinie bei Olten Zofingen an die Weltmeisterschaft in Helsinki

Die Rolle als Spieler-Trainer hat für den Esten persönlich aber auch einen Vorteil. Da er sich körperlich weiterhin in guter Form befindet, reist er kommende Woche an die Unihockey-Weltmeisterschaft, die Anfang Dezember in Helsinki stattfindet.

«Ich bin der Captain. Unser Ziel mit Estland ist eine Platzierung unter den besten acht Teams», sagt Pass im Hinblick auf die WM. Es wird seine zehnte und vielleicht letzte WM als Spieler sein, entsprechend gross ist bei ihm auch die Vorfreude auf den Anlass. Da die 1. Liga in der Schweiz keinen Unterbruch für die Weltmeisterschaft macht, wird Schneiter das Team von Unihockey Mittelland allein betreuen müssen.

Unihockey Mittelland steht vor wegweisenden Wochen

Pass’ Ausfall dürfte insofern schmerzen, da für Unihockey Mittelland die Wochen der Wahrheit anstehen. Gegen die Tabellenschlusslichter Fricktal, Worblental und Baden-Birmenstorf sind drei Siege Pflicht, ansonsten könnte die Playoff-Qualifikation in Gefahr kommen. Pass ist aber zuversichtlich:

«Die nächsten Spiele sind Pflichtsiege, und ich bin optimistisch, dass wir diese auch gewinnen werden.»

Lösen die Mittelländer ihre Hausaufgaben, sollte das Erreichen der Playoffs nur noch Formsache sein. Dort sei dann alles möglich, sagt Headcoach Pass kämpferisch: «Die Playoffs sind eine andere Welt, dort ist alles möglich.» Trotzdem rechnet er nicht mit einem allfälligen Aufstieg, dafür sei sein junges Team noch nicht bereit.

Falls es aber doch klappen würde, wäre er nicht unglücklich: «Wir gehen so weit, wie wir kommen. Wir haben auf jeden Fall keinen Druck.»

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