Im April 2017 stiegen die Oltnerinnen in die 2. Liga ab. Jetzt stehen sie an der Schwelle zur NLB. Wie war dieser fulminante Aufschwung innert weniger als zwei Jahren möglich?

«Der Abstieg hätte gar nie passieren dürfen», blickt die ehemalige Nationalliga-Spielerin Jana Wyss zurück. Dem HVO fehlten am Ende der Hauptrunde 2016/17 drei Tore für die Qualifikation für die Finalrunde. Stattdessen gings in die Abstiegsrunde, in der die Oltnerinnen nur vier Punkte aus zehn Spielen sammelten.

Nach dem Fall aus der 1. Liga kam es zu einer Krisensitzung beim HV Olten. «Das Team darf nicht auseinanderbrechen, wir müssen die Situation selber wieder ausbaden», war damals der allgemeine Tenor, wie Jana Wyss erzählt. Für sie stand aber auch fest: «Ich spiele nicht länger als eine Saison in der 2. Liga.» Eine Spielklasse tiefer bekundeten die Oltnerinnen anfangs unerwartet Mühe. Dass die Spiele nur noch von einem Schiedsrichter geleitet wurden oder auch, dass das Harzen bei einigen Auswärtsspielen verboten war, daran musste sie sich zuerst gewöhnen. «Wir wussten trotzdem, dass wir überlegen sind, solange wir uns nicht dem Gegner anpassen.»

Gute Transfers, mehr Training

In der Finalrunde holten die HVO-Frauen dann aus den zehn Spielen das Punktemaximum heraus und kehrten nach nur einem Jahr in die 1. Liga zurück. Im vergangenen Monat holten sie nach, was sie im Dezember 2016 noch so knapp verpasst hatten: die Qualifikation für die Erstliga-Finalrunde. «Ein wichtiger Grund für den Aufschwung sind die personellen Änderungen», eruiert Oltens Flügelläuferin Jana Wyss. Mit Rückkehrerin Ivana Ravlic und Neuzugang Nina van Polanen verpflichtete der HV Olten zwei Spielerinnen mit NLA-Erfahrung. Zudem wurde die Trainingsquantität hochgeschraubt. Die HVO-Frauen trainieren dreimal pro Woche à jeweils gut zwei Stunden. Trainer Christian Müller bietet nachmittags zusätzliche Technik-Einheiten an.

Weil das Team mit einer Handvoll Nationalliga-Spielerinnen gespickt ist, wurde im Umfeld schon vom Aufstieg gesprochen. «Wir selber haben von uns erwartet, dass wir sicher die Finalrunde erreichen», sagt Wyss. «Die Last und die Verantwortung liegen nun zwar auf den Schultern von mehreren Spielerinnen. Jedoch galt es mit diesem immer noch sehr jungen Team eine gewisse Konstanz zu beweisen.» Dies gelang: Von der Topskorerin Ivana Ravlic (63 Tore in 10 Spielen) angeführt, setzten sich die HVO-Frauen in der Gruppe 2 der 1. Liga souverän durch.

Sieg zum Finalrunden-Start

Die 25-jährige Architektin Jana Wyss war hinter Ivana Ravlic, Nina van Polanen (53 Tore) und Cedrine Zanitti (41) mit ihren 40 Toren die viertbeste Skorerin beim HVO. Trotzdem bezeichnet sie ihre Leistungen in der ersten Hälfte der Meisterschaft als durchzogen. Vor allem mit der Phase kurz vor Weihnachten sei sie nicht zufrieden: «Die Effizienz im Abschluss war nicht mehr da, auch im Training. Ich brauche zwischendurch einfach Ferien, um wieder aufzuladen. Seit der Weihnachtspause läuft es mir wieder einiges besser.» Der Auftakt zur Finalrunde verdeutlicht dies: Sie war am Samstag beim 30:21-Sieg bei den Red Dragons Uster mit neun Toren die treffsicherste Oltnerin.

«Wir sind der Meinung, dass Uster einer der stärksten Gegner in der Finalrunde ist. Dass wir sie mit neun Toren Unterschied schlagen, hätten wir eigentlich nicht erwartet», lautet Wyss’ Fazit zum gelungenen Start. Doch auch am schliesslich ungefährdeten Erfolg kann Kritik geübt werden: «Trotz einer starken Defensive können wir uns da noch weiterentwickeln und noch mehr Tore verhindern. Im Angriff haben wir es sehr gut gemacht. Wir konnten Löcher aufreissen und uns Räume schaffen.» Nebst Uster heissen die weiteren Finalrunden-Gegner ATV/KV Basel, Muotathal, Malters und Leimental. Noch kennt die HVO-Flügelspielerin die Konkurrenten nicht bis ins Detail, ist aber überzeugt: «Einen Selbstläufer gibt es gegen kein Team. Aber dank unserem guten und breiten Kader sind wir sicher in der Lage, jeden Gegner zu schlagen.» Wyss untermauert, dass in der Finalrunde kein Ausrutscher drinliegt. Nach zehn Spielen steigt nur der beste der sechs Klubs in die NLB auf.

Eine Riesen-Fete zum Schluss?

«Wenn es nicht zum Aufstieg reichen sollte, wären wir enttäuscht, klar. Ein Beinbruch wäre es aber nicht», stellt Jana Wyss klar. «Dann ist der Aufstieg in der nächsten Saison fällig.» Ihrer Meinung nach könnte der HV Olten mit dem aktuellen Team auch in der Nationalliga B gut mithalten. «Wenn wir aufsteigen, dann sollten eigentlich auch alle Spielerinnen bleiben. Grundsätzlich muss es aber das Ziel sein, dass wir in Zukunft auch mal einen Abgang einer Leistungsträgerin verkraften und diesen mit jungen Spielerinnen ersetzen können.» Im Falle eines NLB-Aufstiegs werde der HV Olten zudem attraktiver für auswärtige Spielerinnen.

Doch nicht nur Jana Wyss und ihre Mitspielerinnen hegen Aufstiegsgelüste. Auch die zweite Frauen-Equipe gewann ihre ersten beiden Finalrunden-Partien und schielt in Richtung 1. Liga. Das Drittliga-Team hat ebenfalls intakte Chancen, nächste Saison eine Spielklasse höher zu spielen. Das Männer-Fanionteam des HV Olten ist am Wochenende gleichfalls in die NLB-Aufstiegsrunde gestartet – mit einem 24:24 in Nyon. Das «Herren-Zwöi» könnte von der 3. in die 2. Liga aufsteigen. «Fünf oder nur schon vier Aufstiege zu feiern, wäre der Traum», gerät Jana Wyss ins Schwärmen. «Das würde Ende Saison eine Riesen-Fete geben», verspricht sie.