Es läuft die allerletzte Spielminute, als es sowohl auf der Spielerbank des SV Wiler-Ersigen wie auch in der imposanten Fanwand im eigenen Anhang niemand mehr sitzend aushält. Die Spieler neben dem Feld hüpfen Arm in Arm und zählen die letzten Sekunden herunter.

Dann brechen mit der Schlusssirene alle Dämme. Wiler-Ersigen gewinnt den fünften Superfinal in der ausverkauften Swiss-Arena vor 8011 Zuschauern in Kloten gegen GC letztlich souverän 8:4. Es ist der zwölfte Meistertitel der Vereinsgeschichte für den SV Wiler-Ersigen, der in der Qualifikation noch fünf Punkte weniger geholt hatte als Qualifikationssieger GC.

Dieser zwölfte Triumph ist einer für die Rekordbücher. Denn Wiler-Ersigen zieht mit dieser Anzahl Meistertitel mit Rekordmeister Rot-Weiss Chur gleich. Und die Zürcher? Die Grasshoppers konnten wiederum am Tag X, an dem eine komplette Meisterschaft mit einem einzigen Endspiel entschieden wird, nicht reüssieren, ihnen bleibt der zweite Meistertitel nach 2016 verwehrt. «Sie waren einfach besser», musste GC-Captain Luca Graf eingestehen.

Wiler-Ersigen wird Meister

Wiler-Ersigen wird Meister

Nach dem Fussball und dem Eishockey geht ein weiterer Pokal in den Kanton Bern. Wiler-Ersigen gewann gestern den Final im Unihockey.

Das Titel-Stängeli komplettiert

Den Emmentalern kann es egal sein: Bei Wiler-Ersigen schreibt vor allem einer eine aussergewöhnliche Geschichte: Verteidiger Dave Wittwer beendet nach 13 Spielzeiten im Alter von 31 Jahren seine Karriere.

Dass Wittwer, der das Skore im Superfinal eröffnete, sein letztes Spiel bestritt, konnte er unmittelbar nach Spielschluss noch nicht wirklich fassen, Tränen hatte er dennoch schon einige zu trocknen. «Es war eine unglaublich schöne Zeit. Und dann die Karriere an einem solchen Tag mit diesem Erfolg zu beenden, macht es umso schöner», sagt er.

Im Gegensatz zur Unihockey-Legende Matthias Hofbauer, die entgegen der ersten Erwartungen doch noch mindestens eine Saison anhängt, gibt es an Wittwers Rücktrittsentscheid nichts zu rütteln.

«Es ist jetzt gut so»

«Den Entschluss, nach dieser Saison aufzuhören, habe ich schon länger gefasst und mich damit befasst. Es ist jetzt gut so», sagt er und schmunzelt. Gut so ist im Zusammenhang mit seinem Karriere-Erfolg noch merklich untertrieben: Dave Wittwer gewann, genauso oft wie Matthias Hofbauer, mit Wiler-Ersigen zehn Mal den Meistertitel und hat damit zum Abschluss das Titel-Stängeli rechtzeitig komplettiert.

Kein Wunder also, dass Captain Tatu Väänänen Altmeister Dave Wittwer die grosse Ehre überliess, den Pokal entgegenzunehmen und in die Höhe zu stemmen. Die Geste erfülle ihn mit grossem Stolz. «Es zeigt ein wenig, dass man nicht alles falsch gemacht hat, im Team geschätzt war und die Leistungen anerkannt wurden», hielt Wittwer fest, der es nicht ausliess, sich dafür beim Teamcaptain zu bedanken.

Känzig, der Mann des Spiels

Und dann war da auch noch Topskorer Deny Känzig. Der besonders lauffreudige und mit aussergewöhnlich hartnäckigem Pressing aufspielende SVWE-Topskorer war spielerisch die grosse Figur.

Mit zwei Toren und zwei Assists wurde er zu Recht zum besten Spieler Wiler-Ersigens ausgezeichnet. Känzig war es, der nach einer gefährlichen, passiven Phase in den ersten zehn Minuten des Mitteldrittels, in der Wiler-Ersigen das Spieldiktat aus der Hand zu geben schien, seinem Team Luft verschaffte.

Der Topskorer stellte fast im Alleingang von 2:1 auf 5:1. Erst eroberte er nach einem GC-Abwehrfehler den Ball in der Offensive und setzte Torschütze Mutter ideal in Szene (31.). Danach verwertete er einen Väänänen-Zuckerpass mit einem Halbvolley selber zum Tor des Tages (42.). Und schliesslich lancierte Känzig mit einem sehenswerten Pass seinen Teamkollegen Rentsch, der einhändig den Ball im Tor unterbrachte (47.).

Noch immer hungrig

Mit der Vier- und der darauffolgenden Fünf-Tore-Führung war die Wundertüte GC gebrochen. Zwar keimte mit zwei Toren zum 3:6 in der Schlussphase noch einmal kurzzeitig Hoffnung auf, aber Wiler-Ersigen, vierfacher Teilnehmer von fünf Superfinals, warf seine wertvolle Erfahrung in die Waagschale und brachte den Meistertitel souverän über die Zeit.

Mit dem 12. Titel und dem Gleichschritt mit Chur fehlt dem SVWE also nur noch ein Titel, um alleiniger Schweizer Rekordmeister zu sein. Zweifel, dass Wiler-Ersigen dieser Schritt in naher Zukunft nicht gelingen sollte, hegt eigentlich niemand.

Zu dominant treten sie in den entscheidenden Momenten auf. Topskorer Deny Känzig, der mit 22 Jahren bereits vier Meistertitel eingeheimst hat, sagt: «Jeder einzelne Titel ist für sich speziell. Wir haben noch lange nicht genug.»