Tagebuch
«Schön, konnte ich ihnen etwas Neues zeigen»: Triathlet Max Studer lehrt Kinder in Kenia das Schwimmen

Spitzentriathlet Max Studer aus Kestenholz will in Kenia erfahren, weshalb die weltweit führende Laufnation so viele Athleten an die Weltspitze führt, und schliesst sich vor Ort für einige Wochen einer Trainingsgruppe an. In Form eines Tagebuchs lässt der Triathlet an seinem Afrika-Abenteuer teilhaben. Folge 3: Kenianische Schülerinnen und Schüler sehen mit Max Studer erstmals eine schwimmende Person.

Aufgezeichnet: Silvan Hartmann Jetzt kommentieren
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Der Solothurner Triathlet Max Studer lehrt kenianischen Kindern das Schwimmen

Der Solothurner Triathlet Max Studer lehrt kenianischen Kindern das Schwimmen

zvg

«Kürzlich wurde das High ­Altitude Trainingscenter – in welchem ich in Iten, der kenianischen Hauptstadt des Laufens, untergebracht bin und das übrigens von der ehemaligen Weltklasse-Läuferin Lornah Kiplagat gegründet wurde – von einer Schule angefragt, ob sie mit Schülerinnen und Schülern vorbeikommen dürften, um mir beim Schwimmen zuzusehen. Viele der Kinder haben noch nie in ihrem Leben eine Person schwimmen gesehen, geschweige denn überhaupt einen Swimmingpool gesehen.

Max Studers Erlebnisse mit den Schülerinnen und Schülern.

zvg/Max Studer

Ich sagte spontan zu und dachte mir zuerst, dass sie mir wohl einfach bei meiner lockeren 40-Minuten-Trainingseinheit zuschauen würden. Am nächsten Tag kehrte ich gegen Mittag von meinem Lauftraining zurück. Als ich in meinem Zimmer war, klopfte es an der Tür, worauf mir mitgeteilt wurde, dass schon mal die Lehrerin hier sei und auch die Kinder bald kommen würden. Die Lehrerin hatte mir beim Kennenlernen erklärt, wie sie die Kinder im Sport unterrichten würden. Viel ist bloss Theorie, im Sportbuch ist ein ganzes Kapitel dem Schwimmen gewidmet. Es bleibt oftmals der einzige Berührungspunkt zu diesem grossartigen Sport, weil es sich die meisten nicht leisten können und dadurch nie einen Zugang bekommen. Die Lehrerin fragte mich dann, ob ich nützliche Informationen zum Pool und ein paar Übungen vorzeigen könnte.

Schliesslich war es dann so weit: Insgesamt 85 Schülerinnen und Schüler besuchten das Trainingscenter und stellten sich rund um den Pool. Ich stellte ihnen das Schwimmen vor, wie man sich vorbereitet und zeigte ihnen einige Übungen vor, die sie bereits aus dem Sportbuch kennen. Dieses ist sehr speziell aufgebaut. Denn am Anfang lernt man beim Schwimmen ja vor allem etwas: nicht unterzugehen, wie man auf dem Wasser treibt und sich über Wasser hält. Doch im Buch wird gezeigt, wie man beispielsweise den Kopfsprung richtig ausführt oder wie man die Kraultechnik korrekt anwendet.

Schwimmlektionen vom Profi für die Kinder?

Nach meinen Ausführungen gab es eine Fragerunde, in welcher die Kids schnell eine andere Perspektive einnahmen und viel mehr über den Pool erfahren wollten: Wie bringt man so viel Wasser in dieses Becken? Ist das Regenwasser? Wie wurde es gesammelt? Wie schafft man es, dass das Wasser im Pool nicht einfach im Boden versickert? Wie bleibt der Pool sauber? Und wie putzt man den Pool, ohne dabei viel Wasser zu verlieren? Es war für mich gar nicht mal so einfach, Antworten auf diese Fragen zu finden. Ohnehin war es sehr beeindruckend: Sobald ich etwas gemacht habe, fingen sie staunend an zu klatschen und jubelten.

Am Schluss hatten sie sich für die Stunde sehr dankbar gezeigt, auch dem High Altitude Trainingscenter gegenüber, das es überhaupt erst möglich gemacht hat. Es war sehr eindrücklich für mich, einen Einblick in das kenianische Schulsystem zu erhalten und zu sehen, wie sie unterrichten. So waren gerade mal zwei Lehrer für 85 Kinder verantwortlich und es ging sehr militärisch zu und her, niemand rannte herum, niemand schrie oder unterbrach jemanden beim Reden, alle waren sehr diszipliniert.

Ich schätze es sehr und bin enorm dankbar, bekam ich die Gelegenheit, Kindern etwas Neues zu zeigen, ihnen etwas mit auf den Weg geben und ihren Horizont erweitern. Natürlich ist es auch schade, dass sie nicht sogleich erste Erfahrungen im Pool sammeln durften und ausprobieren konnten.

Das wiederum veranlasste mich zu reagieren: Ich bin derzeit am Abklären, ob es möglich wäre, eine Gruppe von etwa fünf Schülerinnen und Schülern zwei Mal pro Woche unterrichten zu können. Es wäre schön, ihnen das Wasser näher zu bringen und ihnen die Angst zum Wasser nehmen zu können. Ich würde es sehr schätzen, könnte ich ihnen auf diese Weise eine Freude bereiten und etwas Kleines zurückgeben.»

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