Tagebuch
Max Studer vor dem Abschluss seines Trainingslagers: «Ich werde nach Kenia zurückkehren»

Spitzentriathlet Max Studer aus Kestenholz schloss sich für zwei Monate in Iten der Trainingsgruppe von Weltklasseläufer Julien Wanders an. Die Schlussbilanz könnte für den Solothurner erfreulicher nicht ausfallen. Die fünfte und letzte Folge seines Kenia-Abenteuer-Tagebuchs.

Aufgezeichnet: Silvan Hartmann
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Spitzentriathlet Max Studer aus Kestenholz während des Trainings in Kenias Laufhauptstadt Iten.

Spitzentriathlet Max Studer aus Kestenholz während des Trainings in Kenias Laufhauptstadt Iten.

Zvg / zvg

«Eigentlich war geplant, dass ich morgen Donnerstagabend nach zwei Monaten Trainingslager in Kenias Laufhauptstadt Iten nach Hause fliege, damit ich mit meiner Familie in Kestenholz die Weihnachtstage verbringen kann. Doch wegen der erschwerten Corona-Reisebedingungen bleibe ich nun zwei Wochen länger. So oder so neigt sich aber mein Aufenthalt in Kenia dem Ende zu. Es hat grossen Spass gemacht und für mich ist klar: Ich werde nach Kenia zurückkehren.

Ich bin mega happy, dass ich den Schritt gemacht habe und dieses Trainingslager in Angriff nahm. Ich geniesse soweit jeden Tag, jede Stunde und jede Minute, die ich noch hier sein kann. Ich möchte an dieser Stelle ein grosses Dankeschön an Julien Wanders und seiner Trainingsgruppe aussprechen, es hat viel ausgemacht und es war sehr wertvoll, dass ich mit ihnen trainieren durfte. Ich habe stets einen tollen Spirit in der Gruppe wahrgenommen. Es ist ein Miteinander, jeder will, dass sich der andere verbessert und stärker wird. Es gibt keinen Neid auf den nächsten, wenn einer mal schneller ist. Genauso baut man den anderen auf, wenn er mal keinen guten Tag erwischt und besonders kämpfen muss. Wir kommen zum Schluss eines Trainings jeweils zusammen, essen Zmorge und haben es lustig miteinander.

Der etwas längere Dokumentarfilm über Max Studer in Kenia:

Der andere Ansporn des Laufens

Aber auch die vielen Bekanntschaften, die ich machen durfte, haben zu einem erfolgreichen Camp beigetragen. All die liebenswürdigen Kenianer, aber auch alle anderen Läufer aus aller Welt, die nach Iten kommen, um sich auf ihrem eigenen Niveau zu verbessern und ihre Laufbestzeiten zu steigern. Das schweisst zusammen. Ich habe viele neue Freunde gefunden, mit denen ich bestimmt in Kontakt bleiben werde.

Und letztlich hat mich das Trainingslager sportlich enorm weitergebracht. Ich fühle mich jetzt schon viel stärker als nach den Olympischen Spielen. Es folgte dann ja noch die Super League, worauf ich in den Trainings nicht mehr so recht durchziehen konnte und eine Pause einlegen musste. Ich bin dadurch ziemlich unfit nach Kenia gereist, konnte mich aber in diesen knapp zwei Monaten Schritt für Schritt verbessern.

Die Zeit hat mich aber auch menschlich geprägt. Es hat mir aufgezeigt, was das Laufen den Kenianern bedeutet. Es war beeindruckend mitzuerleben, wie sie trainieren, welche Gedanken sie haben und welche Herausforderungen sie zu meistern haben. Einige verdienen mit dem Laufen gerade so ihren Lebensunterhalt und versuchen damit irgendwie über die Runden zu kommen. Sie haben dadurch zweifellos einen anderen Ansporn, als wir dies jemals haben können.

Eines der grössten Ziele als kenianischer Läufer ist die Aufnahme in eine Trainingsgruppe, in der das Essen und die Unterkunft bezahlt sind. Erreichen sie das nicht oder holen sie ganz allgemein keine guten Resultate, verdienen sie weniger, was dazu führen kann, dass ihre Familien, die sie damit ernähren, weniger zu essen haben.

Und das ist schon eine ganz andere Ausgangslage, als ich sie habe. Ich übe den Sport auch professionell aus, konnte meine Leidenschaft zum Beruf machen, aber dennoch ist es überhaupt nicht zu vergleichen: Ich habe die Schule abgeschlossen, habe eine Lehre absolviert und könnte notfalls darauf zurückgreifen. Ich weiss das zu schätzen.

Es ist beeindruckend zu sehen, wie leichtfüssig sie mit diesem Druck umgehen, sie sind trotz allem immer glücklich und schätzen, was sie haben. Ich kann daraus nur lernen und nehme diese Erlebnisse sicher mit, sodass ich meine persönlichen Ziele im Sport noch fokussierter angehen kann.

Das nächste Ziel: Persönliche Bestleistung in Valencia

Am 9. Januar findet in Valencia ein 10-km-Rennen statt, ich konnte mich dort für das Profifeld einschreiben. Als letztmals dieses Rennen stattfand, hatten sie über 10000 Meter einen neuen Weltrekord aufgestellt und Julien Wanders lief gleichzeitig einen neuen Europarekord. Es ist also eine sehr schnelle Strecke und mein Ziel ist sicher, eine neue persönliche Bestleistung zu laufen.

Ende Januar werde ich dann wohl mit Trainer Brett Sutton und der Trainingsgruppe Trisutto ins Trainingslager nach Gran Canaria verreisen, wo wir uns auf die wichtigen Triathlon-Rennen vorbereiten, die dann hoffentlich ab Mai über die Bühne gehen werden. Damit habe ich auch noch genügend Zeit, mich spezifischer auf den Triathlon vorzubereiten, nachdem ich die letzten Wochen in Kenia den Fokus auf das Laufen gelegt hatte. Bis im Mai möchte ich sicher ein, zwei Laufwettkämpfe bestreiten, die für mich wichtige Gradmesser sind, um zu sehen, ob ich mich tatsächlich steigern konnte.

Und wer weiss, vielleicht werde ich dann Ende des nächsten Jahres wieder nach Kenia reisen und mich wieder für einige Wochen der Trainingsgruppe von Julien Wanders anschliessen. Es würde mich auf jeden Fall freuen.»

Alle Tagebucheinträge von Max Studer:

Folge 4: «Das ist ein echter Augenöffner!»: Max Studers Teilnahme an einem hochklassigen 10-km-Lauf in Kenia

Folge 3: Max Studer lehrt kenianische Kinder Schwimmen

Folge 2: Max Studer unterwegs mit den Kenyan Riders durch den Nationalpark

Folge 1: Max Studer: Wenn der Spitzentriathlet im Kenia-Training an die Grenzen stösst

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