Mit dieser nicht zwingenden Heimniederlage büssten die Ambassadoren nicht nur den Leaderthron ein, sondern verloren mit den ersten Punkteverlusten auch ihre weisse Weste. „In der ersten Halbzeit war unsere Chancenauswertung nicht optimal, wir verpassten es, die Unsicherheiten von Delsberg auszunützen und in der zweiten Hälfte konnten wir unser Spiel nicht mehr machen, wir waren schlichtweg nicht gut“, analysierte Solothurn-Trainer Jürg Widmer. „Mit neun Punkten aus vier Spielen sind wir immer noch dabei, es braucht manchmal eins auf den Deckel, wir müssen nun realistisch bleiben, analysieren, arbeiten, trainieren und korrigieren“, sagt der Aargauer weiter. 

Camara Dreifach-Torschütze

Zum Matchwinner für die Jurassier avancierte ihr guineischer Topskorer  Camara als Dreifach-Torschütze. „Wir haben besprochen, mit welcher Lösung wir diesen guten Spieler kontrollieren wollen, zwei seiner drei Tore fielen auf Standards“, wirft Widmer ein. Beim 1:1-Ausgleich überlief er bei einem Gegenstoss die Solothurner Abwehr und hob den Ball über den weit vorne stehenden Goalie Bähler (36.).

Ein zweites Mal glich er in der 65. Minute mittels Foulpenalty aus, nachdem er von Stauffer unsauber vom Ball getrennt wurde. Beim Siegtreffer übernahm der 23-Jährige den achten Eckball von links von Dyonis Stadelmann mit dem Kopf und vollendete direkt hinter die Querlatte (79.).

Vorwärtsstrategie war zu wenig

Mit ihrer klaren Vorwärtsstrategie erreichten die Platzherren umgehend mehr Spielanteile und Abschlussmöglichkeiten. Angriffswelle um Angriffswelle rollte Richtung Defensivzone der Welschen. Zahlreiche Möglichkeiten prägten die ersten zwanzig Minuten. Erst als die Romands die einheimische Dominanz etwas dämmen konnten, fiel der längst verdiente Solothurner Führungstreffer.

Ausgerechnet der ehemalige Delsberger Mast realisierte diesen im Luftduell gegen Hüter Fankhauser, den Kopf abdrehend, ins leere Tor (30.). Es war jedoch kein Zuspiel Kohlers, sondern ein Befreiungsschlag. Der Druck der Stadionelf nahm wieder zu. Dieser führte zu einem Handspiel von Innenverteidiger Enderlin. Den Elfmeter verwertete Chatton souverän zur zweiten Führung (42.).

Solothurn völlig von der Rolle

Dieser erneute Rückstand löste bei den Jurassiern eine Reaktion aus. Mit dem Doppelwechsel von Nathan Ducommun für Budimir und Kilezi für Mulaj setzte Delsberg-Trainer Rossinelli ein klares Zeichen. Die Offensive wurde verstärkt. Mit den neuen organisatorischen Massnahmen wurde die Vorherrschaft der Solothurner gebrochen. Sie liessen sich stark zurückdrängen, verunsichern, verloren ihre Souveränität, begingen zu viele Fehler und konnten den Ball nicht mehr halten. Nur noch Vernocchi nach Zuspiel von Mast zu Chatton (57.) und ein aberkanntes Offsidetor von Chatton nach einer Passfolge von Mathys zu Riesen (64.) kamen zu guten Abschlussmöglichkeiten.

Im Gegenzug holte Delsberg den zum Ausgleich führenden Elfmeter dank ihr grösseren Spritzig- und Schnelligkeit heraus. „Wir hatten zum 3:1 noch Chancen, aber die Präzision war nicht da“, dazu ein enttäuschter Widmer. Die Besucher blieben aggressiver. Ihr Kontrahent verlor Ordnung und Zuordnung. Ein Aufbäumen in der fünfminütigen Nachspielzeit konnte nichts mehr ändern. Solothurn zeigte zwei völlig unterschiedliche Spielhälften – klares Übergewicht vor und unerklärliches Auseinanderfallen nach der Pause.