Wie kommt ein Flachländer wie der Derendinger Simon Friedli auf die verrückte Idee, Bobfahrer zu werden? «Ich trainierte in Biberist Leichtathletik und war ziemlich gut im Schuss», blickt der muskulöse Hüne ein paar Jahre zurück.

«Eines Abends ist Pilot Rico Peter vorbeigekommen, weil er Anschieber für sein Bobteam suchte. Er hat mich angesprochen und ich probierte es einmal aus. Der Adrenalinkick, die Geschwindigkeit in der Bahn und die Ambiance haben mir gefallen. Und wir Bobfahrer sind eine internationale Familie», beschreibt Friedli die Faszination.

Sieben Jahre war er seither als Anschieber erfolgreich in den Eiskanälen dieser Welt unterwegs. Jetzt zeigt der WM-Bronzemedaillengewinner von 2016 und Vierte der Olympischen Spiele von Pyeongchang 2018, dass er auch als Pilot erfolgreich sein kann:

In seiner ersten Saison als Pilot im Zweierbob schloss er soeben den Europacup auf dem ausgezeichneten zweiten Platz ab. Am vergangenen Wochenende wurde er in St. Moritz zusammen mit seinem Anschieber Gregory Jones Schweizer Meister.

Wichtiger Halt in Lake Placid

Damit soll für den 27-Jährigen aus Derendingen aber noch lange nicht Ende der Fahnenstange sein. Er hat für sein Bobteam einen ehrgeizigen Masterplan: «Mein grosses Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2022 in China», sagt Friedli.

Zunächst geht es aber am Wochenende darum, an der Viererbob-Weltmeisterschaft in Whistler Mountain erfolgreich zu sein, wo er wieder einmal als Anschieber, diesmal im Bobteam Vogt, im Einsatz steht. «Michael Vogt ist mit dem 13. Platz im Zweierbob nicht ganz zufrieden und nun wollen wir im Viererbob unter die zehn Schnellsten fahren», beschreibt er das Ziel.

Und dann geht es weiter in die USA nach Lake Placid, wo in zwei Jahren die WM ausgetragen wird. Auch die Trainings in Lake Placid sind somit Teil des Programms zum Erfolg: «2021 werden hier die Weltmeisterschaften ausgetragen und ich möchte eine Medaille gewinnen.»

Nächstes Ziel ist der Weltcup

Auch für den nächsten Winter hat Simon Friedli bereits in einen Masterplan zurechtgelegt. «Die Teilnahme am Weltcup muss man sich zunächst mit guten Resultaten im Europacup verdienen», erklärt er das System. «Im Zweierbob darf ich nun nächste Saison im Weltcup als Pilot starten. Im Viererbob ist es mein Ziel, die Qualifikation in der ersten Winterhälfte, also noch dieses Jahr zu schaffen. Ich hoffe, dass ich im nächsten Januar erstmals im Viererbob beim Weltcup fahren darf.»

Aber sein Ehrgeiz wird finanzielle Folgen haben. Simon Friedli arbeitet als Koch in einem Personalrestaurant in Oensingen und er sagt, er werde vom Arbeitgeber sehr grosszügig unterstützt. Profi zu werden, das liegt aber noch nicht drin. Für die erste Saison mit dem Zweierbob im Europacup hatte das Team Friedli ein Budget von rund 50 000 Franken.

Das müsste er nun für die Teilnahme am Weltcup glattweg verdoppeln. «Das geht nur über Sponsoren, und die haben nur dann Interesse am Bobsport, wenn er in den Medien zur Geltung kommt», analysiert er die Situation. «Damit der Bobsport wieder mehr im Fernsehen übertragen wird, braucht es Erfolge wie früher.» Simon Friedli will seinen Teil dazu beitragen.