ETF Aarau

Silbermedaille der Schützlinge als Trost: Die Favoritin muss auf die Teilnahme am Turnfest verzichten

Die mehrfache Schweizer Meisterin im Paar- und Team-Aerobic, Ramona Probst, steht am Eidgenössischen Turnfest in Aarau für den DTV Laupersdorf für einmal «nur» als Leiterin im Einsatz: Eine schwere Verletzung verhindert das Antreten der 30-jährigen Laupersdörferin.

Für ihre Erfolge im Aerobic und ihren jahrelangen Einsatz für den Damenturnverein Laupersdorf erhielt Ramona Probst 2018 den Solothurner Sporpreis verliehen. Die 30-jährige Laupersdörferin ist mehrfache Schweizer Meisterin im Paar- und Team-Aerobic.

Dieses Jahr wollte sie ihre Aktivkarriere mit zwei Höhepunkten eigentlich ausklingen lassen. Einerseits war der Start am Eidgenössichen Turnfest in Aarau geplant; zusammen mit Michel Anken wollte sie den Titel im Paar-Aerobic verteidigen, den sie sich das Duo 2013 in Biel gesichert hatte. Ende Oktober stehen ausserdem die Aerobic-Schweizer-Meisterschaften an, welche der DTV Laupersdorf selber durchführt.

Doch die Wettkämpfe der Aktiven am Samstag in Aarau fanden ohne die Favoriten Probst/Anken statt. Der Grund ist eine gravierende Verletzung. «Mein Knie ist ein Trümmerhaufen», bedauert Ramona Probst. «Laut dem Arzt habe ich auch keine Chance, an der Heim-SM im Oktober an den Start zu gehen.»

Sie lässt trotzdem nichts unversucht und holt heute noch eine Zweitmeinung ein. Die Hoffnung ist allerdings gering. «Es tut weh, dass wir den Titel am Eidgenössischen nicht verteidigen konnten. Michel und ich waren mega bereit. Bis zu meiner Verletzung hat einfach alles gestimmt.»

Michael Anken und Ramona Probst an der SM Aerobic 2017

0,03 fehlte zur Goldmedaille

Seit 2008 ist Probst beim DTV Laupersdorf die Leiterin der Aerobic-Abteilung. Ihre jüngsten Schützlinge holten am ersten Wochenende des ETF 2019 die Silbermedaille im Team-Aerobic der Jugend. Der Erfolg sei ein schöner Trost dafür, dass sie selber passen musste bei den Aktiven.

«Ich freue mich riesig über diesen zweiten Platz. Die 9,77 ist eine super Note. Ich glaube, es war sogar die dritt- oder viertbeste, die am ersten Wochenende in den schätzbaren Disziplinen erzielt wurde.»

Die Vorbereitungen für den Auftritt am ETF 2019 begannen bereits im Februar 2018. Anderthalb Jahre hatten Probst und ihr Team Zeit, um die neue Choreografie einzustudieren. Mit der Umsetzung am Samstag ist Probst mehr als zufrieden: «Wir sind ganz vorne dabei. Das macht Lust auf mehr».

Details entscheiden

An den Schweizer Meisterschaften im Oktober möchte das Team nun «voll angreifen». Den Meistertitel zu holen wäre schön, Probst mahnt aber gleichzeitig zur Vorsicht mit den Jugendlichen: «Ehrgeiz ist gut. Aber sie sollen auch lernen, einen zweiten, einen dritten oder auch vierten Platz wertzuschätzen. Sonst verlieren sie vielleicht sogar die Freude am Sport, wenn nur das Resultat zählt».

Im Vergleich zum Sieger DTV Küssnacht am Rigi fehlten den Laupersdörferinnen nur 0.03 Punkte. Dies sei derart knapp, dass ein Laie wohl keinen Unterschied in den beiden Vorführungen erkennen könnte. Da eine Ferse nicht sauber gesetzt, dort mal ein Arm ein bisschen weniger gespannt oder im falschen Moment nicht zu den sechs Wertungsrichtern geschaut – Details entscheiden.

«Bei den schätzbaren Disziplinen ist immer auch etwas Glück dabei», sagt Probst. «Die Eindrücke sind verschieden, das muss man so akzeptieren. Ich glaube, für uns ist der Wettkampf sehr gut gelaufen. Wir sind auf jeden Fall sehr zufrieden mit dem zweiten Platz.»

Eine Konfrontationstherapie

Als Vollblutturnerin war Probst an jedem Wettkampftag vor Ort – von der Gymnastik am Donnerstag bis zur Schlussfeier am Sonntag, Und am Freitag natürlich bei den Entscheidungen im Paar-Aerobic. «Es war für mich eine Art Konfrontationstherapie», stellt Probst fest.

«Michel und ich feuerten alle Teams an. Ich war erstaunt, wie viel Freude ich beim Zuschauen hatte.» Auch der Kontakt zu den, vielleicht jetzt ehemaligen, Konkurrenten tat ihr gut: «Wir sind wie eine Familie. Auch die Sieger kamen noch zu uns, das fand ich sehr schön.»

Ein bisschen Wehmut schwingt mit: «Wir hätten so gerne versucht, den Titel zu verteidigen.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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