Solothurner 2. Liga

Seine Einwürfe sind gefährlich wie Eckbälle

Die zweite Saison nach dem Aufstieg sei die schwierigere; die erste des FCKB war indes nur eine halbe.

Die zweite Saison nach dem Aufstieg sei die schwierigere; die erste des FCKB war indes nur eine halbe.

Am Sonntag beginnt die neue Saison in der Solothurner 2. Liga. Der FC Klus/Balsthal empfängt zum Auftakt den FC Mümliswil. Angreifer Denis Kostadinovic war in der abgebrochenen letzten Meisterschaft nicht nur Klus/Balsthals Topskorer, er verfügt auch über den wohl weitesten Einwurf in der Schweiz.

Die Gegner fürchten sich vor seinen gewaltigen Einwürfen. Anlässlich einer Herausforderung von 20 Minuten warf Denis Kostadinovic den Ball 41,5 Meter weit und steckte seine Mitstreiter damit deutlich in die Tasche. Dies war vor etwas mehr als drei Jahren, heute traut er sich eine Weite von 45 Metern zu. Der Überraschungseffekt seiner Einwürfe verpuffte zwar spätestens mit diesem öffentlichen Auftritt. Das mindert aber ihre Gefährlichkeit nicht. «Sie sind wie Eckbälle und deshalb auf jeden Fall eine Waffe», sagt der 24-jährige Offensivspieler und fügt lachend an: «Ich denke, die meisten Gegner sprechen das vor dem Spiel in der Garderobe speziell an.»

Seine 195 Zentimeter Körpergrösse helfen ihm bei den Einwürfen. Und sie waren auch bei seinem Einstieg bei den Aktiven förderlich. «Ich hörte schon oft, dass ich eine gute Präsenz habe auf dem Spielfeld und zweikampfstark bin», sagt Kostadinovic, der beim FCKB in der Saison 2012/13 von den B-Junioren in die erste Mannschaft befördert wurde. In der Rückrunde kam er zu ersten Teileinsätzen, in der Folgesaison hatte er sich bereits einen Stammplatz erkämpft. Lange Zeit spielte er «dort, wo es mich brauchte». Unter Xhevxhet Dullaj darf er als Strafraumstürmer agieren, wie er es bevorzugt. «Ich mache neunzig Prozent meiner Tore im Strafraum, meistens mit wenigen Ballkontakten und auch mal mit dem Kopf», legt er dar.

In der Vorrunde 2019/20 traf Kostadinovic achtmal in acht Spielen. Davon könne man sich allerdings nichts kaufen. Mit «gut gestartet, stark nachgelassen» umschreibt er diese Halbsaison. Zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs lag Klus/Balsthal mit acht Punkten auf Platz zehn. Das Team erzielte am viertmeisten Tore, stellte statistisch aber die schlechteste Abwehr. «Was das Verhindern der Tore angeht, müssen wir definitiv über die Bücher», weiss Kostadinovic. «Wir müssen es schaffen, auch mal mit 1:0 zu gewinnen.» Auch in der zweiten Saison nach dem Aufstieg geht es für die Thaler in erster Linie darum, die Klasse zu halten. «Wir müssen uns sicher nach hinten orientieren, aber der Ligaerhalt oder vielleicht auch ein Platz im stabilen Mittelfeld sollte eigentlich drinliegen.»

Denis Kostadinovic im Spiel gegen den FC Lommiswil in der Vorrunde 2019/20.

Denis Kostadinovic im Spiel gegen den FC Lommiswil in der Vorrunde 2019/20.

Dass der FC Klus/Balsthal in die höchste Regionalliga gehört, davon war er in seinen fünf Saisons im Fanionteam immer überzeugt. Trotz dreier verpasster Aufstiege. Beim ersten Anlauf 2014 fehlte nur ein einziger Punkt, das letzte Spiel der Promotionsrunde verloren die Thaler auswärts beim FC Iliria im Stadion in Solothurn. «Wenn du vor 1600 Zuschauern spielst, schlottern dir schon die Knie», erinnert sich Kostadinovic. «Für uns als noch sehr junge Mannschaft waren die Aufstiegsspiele damals wie ein Dessert. Dass es nicht gereicht hat, war nicht schlimm. Zwei Jahre später war es dann am bittersten.» Ein Gegentor zum 1:1 tief in der Nachspielzeit im Startspiel gegen den FC Zuchwil, eine diskussionslose Niederlage gegen den FC Niederbipp und ein 2:0-Sieg gegen Subingens «Zwöi», welcher nutzlos blieb, weil Zuchwil in Niederbipp spät einen 0:2-Rückstand wettmachte, dies der Verlauf der Promotionsrunde. «Nach dem Spiel gegen Subingen war die Enttäuschung riesig, sicher eine halbe Stunde lang hat niemand etwas gesagt.»

2017 scheiterte auch der dritte Anlauf. Wäre dies nicht genug, wurde Kostadinovic zudem von einer langwierigen Verletzung geplagt. Angefangen hat alles mit Schmerzen nach einem langen Cup-Match gegen HNK Croatia. Am Ende landete er in der Rennbahnklinik in Muttenz, wo eine «Sportlerleiste» diagnostiziert wurde. Eine Operation war bald unumgänglich. «Mir wurden auf beiden Seiten die Adduktorenmuskeln entspannt und zwei Netze in der Leiste eingesetzt – wie es eigentlich bei einem Leistenbruch üblich ist», erzählt er.

Kostadinovic verpasste die ganze Meisterschaft 2017/18, kehrte dafür umso stärker zurück. Mit 17 Toren schoss er den FC Klus/Balsthal in der Spielzeit 2018/19 auf den zweiten Platz der Gruppe 2. Und diesmal stimmte die Form des FC Klus/Balsthal in den Aufstiegsspielen – zwei Siege gegen Deitingen und Rüttenen sowie ein Unentschieden gegen Oensingen. Endlich konnte der angehende Sekundarlehrer mit seinen Teamkollegen den Aufstieg in die 2. Liga feiern.

Dort konnte der FC Klus/Balsthal in der abgebrochenen Kampagne etwas Luft schnuppern und erkennen, dass eine Steigerung nötig ist. Will sich der Klub in der 2. Liga etablieren, braucht es dieses Jahr definitiv eine sattelfestere Abwehr, aber auch wiederum die Tore von Denis Kostadinovic – oder auch mal einen seiner langen Einwürfe, der als Torvorlage dient.

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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