Curling

Nach Sotschi: Carmen Küng taucht in die Bündner Berge ab

Carmen Küng taucht nach Olympia zuerst einmal ab.

Carmen Küng taucht nach Olympia zuerst einmal ab.

Die Olympischen Spiele gehen heute in Sotschi mit der Schlussfeier, aber ohne Carmen Küng zu Ende. Die Curlerin ist nach der verpassten Medaille vorzeitig in die Schweiz zurückgekehrt.

Ein Dutzend Leute verlieren sich in der Ankunftshalle des Terminals A am Flughafen Zürich. In den Händen halten sie entweder Blumen oder Schweizer Fähnchen bereit. Der Swiss-Flug aus München ist vor wenigen Minuten gelandet. Es sind die treuesten Anhänger des Schweizer Frauen-Curlingteams, das an den Olympischen Winterspielen denkbar knapp einen Medaillengewinn verpasst hat. Die Schiebetüre öffnet sich.

Als Erste betritt Carmen Küng heimischen Boden. Ihr Freund nimmt sie in den Arm, dahinter folgen ihre Kolleginnen Mirjam Ott, Carmen Schäfer, Alina Pätz und Janine Greiner. «Schön, wieder zu Hause zu sein», sagt die Feldbrunnerin Küng. Drei Wochen war sie unterwegs. «Es war eine intensive und ereignisreiche Zeit», sagt die 36-Jährige. Auf und neben dem Eis. Die vielen Negativmeldungen, die im Vorfeld der Spiele über Sotschi verbreitet worden waren, lösten Bedenken aus, sie deckten sich aber nicht mit Küngs Eindrücken vor Ort. «Es war eine perfekte Organisation, die Leute sehr gastfreundlich und die Anlagen gigantisch.»

Knapp bemessene Freizeit

Im Athletendorf mangelte es an nichts. Die knapp bemessene Freizeit nutzten Küng und ihre Mannschaftskolleginnen für einen Matchbesuch der Schweizer Eishockey-Nati gegen Schweden, und sie verfolgten live den Goldlauf von Dominique Gisin in der Abfahrt. Mit dem Appetit kommt normalerweise der Hunger. Auch bei Carmen Küng.

Nur, die weiteren Gänge deckten sich nicht mit dem Ablauf ihrer eigenen Menüwunschkarte. Obwohl alles für die lang ersehnte Medaille angerichtet schien. Nach einem zwischenzeitlichen Tief schafften die Schweizerinnen den Sprung in den Halbfinal. Wie vor vier Jahren in Vancouver. Gegen die Schwedinnen zeigten Küng und ihre Team-Kolleginnen ihr bestes Curling. Sie diktierten die Begegnung und hätten sich mit dem letzten Stein den Einzug ins Endspiel sichern können.

Vorbei der Traum von Gold

Es kam anders: Mirjam Otts Stein geriet zu lange. Vorbei der Traum von Gold, aber nicht der von der Medaille. «Es war in diesem Moment extrem hart, aber wir hatten den Glauben an Bronze nicht verloren», erklärt Carmen Küng. Mit Sportpsychologe Jörg Wetzel analysierten sie die Situation und tankten nochmals Moral. Ohne zählbaren Erfolg. Die Geschichte von 2010 wiederholte sich. Den Schweizerinnen blieb erneut der undankbare vierte Platz. Auch den Britinnen mussten sie sich hauchdünn geschlagen geben. «Die Frage nach der Gerechtigkeit darf man sich stellen. Nur, es bringt nichts. So ist das Leben, so ist der Sport.»

Distanz aufbauen

Küng holt ihre Autogrammkarten aus dem Koffer und verteilt sie an die jungen Fans. Vorgesehen waren sie für einen grösseren Rahmen. So wie vor zwei Jahren, als sie aus Kanada mit dem WM-Titel im Gepäck heimkehrten. Wie es sportlich weitergeht, weiss Carmen Küng nicht.

«Nach so einer Enttäuschung neigt man dazu, einen Entscheid zu überstürzen. Wir treffen uns im März und besprechen unsere Zukunft. Zunächst benötigt sie ein wenig Distanz. Zu Sotschi, zu Olympia. Anders als nach der EM im vergangenen Jahr, als die Krankenschwester am Montag bereits wieder ihren Dienst antrat, gönnt sich Carmen Küng noch eine Woche Urlaub. Mit ihrem Freund taucht sie einige Tage ab. Wohin? «In die Bündner Berge.»

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