Handball NLB

Mit Zuversicht durch die Krise: Wie der TV Solothurn seine Negativserie beenden will

Der Solothurner Dylan Brandt (M.) leidet mit dem TV Solothurn mit: Seit fünf Spieltagen konnte seine Mannschaft keinen Sieg mehr einfahren.

Der Solothurner Dylan Brandt (M.) leidet mit dem TV Solothurn mit: Seit fünf Spieltagen konnte seine Mannschaft keinen Sieg mehr einfahren.

Der seit April eingesetzte Trainer Jürg Lüthi durchlebt in seiner ersten Saison mit dem TV Solothurn eine Negativserie in der NLB. Abgänge, die dünne Personaldecke und ein noch nicht ganz ausgereiftes System sorgen für Frust. Doch ein Hoffnungsschimmer ist in Sicht.

Neun Spiele, sechs Niederlagen und kein Ende der Negativserie in Sicht. Beim TV Solothurn herrscht kurz vor der Winterpause Krisenstimmung. Könnte man als Aussenstehender zumindest meinen. Im Gespräch mit Trainer Jürg Lüthi zeigt sich nämlich ein ganz anderes Bild.

Immer wieder lässt Lüthi folgenden Satz fallen: «Ich bin sehr zuversichtlich.» Der 49-Jährige verfällt trotz des elften Tabellenplatzes nicht in Aktionismus. «Wir wissen, was wir falsch gemacht haben. Wir wissen, was noch nicht funktioniert. Es ist nicht so, dass wir im Nebel stehen und vor lauter Niederlagen keine Ahnung haben, was wir machen müssen», sagt Lüthi.

Für die Negativserie hat er dann auch nicht nur eine, sondern gleich mehrere Erklärungen parat. Zum einen wären da die Abgänge, allen voran der des Rückraumspielers Sven Schafroth, der nun für den TV Endingen aufläuft.

«Ein so guter Spieler kann nicht eins zu eins ersetzt werden. Einen Abgang wie diesen muss man mit dem Team lösen, indem man probiert, mehr Kreativität oder Variablen in den Angriff einzubauen. Die Kehrseite ist dann aber, dass das Zusammenspiel erschwert wird, weil sich die Spieler erst daran gewöhnen müssen», sagt Lüthi.

Dünne Personaldecke, wenig Routine

Am meisten zu schaffen macht dem Trainer allerdings das zu schmale Kader. «Es ist abhängig von der Gesamtsituation, die wir haben. Der TV Solothurn ist ein Ausbildungsverein», sagt Lüthi. Denn auch wenn die Liste der Spieler eigentlich schier endlos ist, kann er längst nicht auf alle zurückgreifen.

Die im erweiterten Kader der vom Verletzungspech geplagten NLA-Vereine HSC Suhr Aarau, BSV Bern und Wacker Thun aufgeführten Spieler werden bei ihren Stammvereinen gebraucht und eingesetzt. Wenig bis nie sind sie vor Ort in Solothurn. Die Förderung des Zusammenspiels? Auf diese Art und Weise und mit fehlender Trainingspraxis eher schwierig.

Gleichwohl musste auch der TV Solothurn selbst die Verletzungen mehrerer Spieler kompensieren. «In den ersten paar Runden der Saison konnten wir in der optimalen Besetzung spielen, alles hat gepasst. Jetzt haben wir Pech gehabt», fasst Lüthi den Absturz nach dem eigentlich ansehnlichen Saisonstart zusammen.

Verkehrte Welt zwischen Abwehr und Angriff

In den ersten vier Spieltagen konnten die drei einzigen Siege der laufenden Saison gefeiert werden. Doch auch schon da zeigte sich, dass der Wurm drin ist: Die für ihren Abwehrwall bekannten Solothurner liessen defensiv auf einmal viel zu viel zu. Umgekehrt glänzte dafür die oft als zu wenig gefährlich verschriene Offensive.

Damals konnten sie noch gewinnen: Am Anfang der Saison sahen die Karten für den TV Solothurn nicht einmal schlecht aus.

Damals konnten sie noch gewinnen: Am Anfang der Saison sahen die Karten für den TV Solothurn nicht einmal schlecht aus.

Auch nach neun Spieltagen stellen die Solothurner noch immer die drittschwächste Abwehr. Die Gründe dafür? «Sicherlich gibt es den qualitativen Aspekt. Unser Abwehrchef Martin Beer ist verletzt. Gleiches gilt für Mathias Blaser, der über zwei Meter gross ist und alleine wegen seiner Grösse ein wichtiger Faktor für die defensive Deckung ist», sagt Lüthi.

Um die Ausfälle abzufedern, wurde ein offensiveres Abwehrsystem eingeführt. Mit Assistenztrainer und Verteidigungsspezialist Martin Prachar wurde das lange festgefahrene System so um eine zweite Option ergänzt. Doch diese griff nicht sofort wie erwartet: «Das System hat zum Teil noch ein wenig Kinderkrankheiten gehabt.»

Nach wie vor grosse Unterstützung vorhanden

Dass er durch die offensive Ausrichtung einen zu risikoreichen Handball spielen liess, lässt ­Lüthi hingegen nicht gelten. Gleichwohl ist er sich des Drucks bewusst: «Es ist klar, dass nach so einer Niederlagenserie der Trainer in Frage gestellt wird. Ich war 15 Jahre Präsident eines Handballvereins und weiss, wie das funktioniert. Das ist ganz normal.»

Dass die Situation bei den Solothurnern trotzdem angenehmer sein könnte, gibt er zu: «Ich hätte natürlich lieber gewonnen.» Von Vorstand und Sportchef spürt Jürg Lüthi nach wie vor grosse Unterstützung. Ein Aufwärtstrend ist seit dem letzten Spiel gegen Kreuzlingen in Sicht. Stellt sich nur die Frage, ob der angepeilte sechste Rang noch realistisch ist.

«Die NLB ist ausgeglichen. Ich finde nicht, dass wir schlechter waren als die anderen Teams», sagt Lüthi. Das sichere Mittelfeld ist letztlich nur ein paar Siege entfernt: Grund genug, um weiterhin zuversichtlich zu bleiben.

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