Springreiten
Kay Melliger: In den «Hufstapfen» des berühmten Vaters

Der Name ist Programm. Willi Melliger war einer der erfolgreichsten Schweizer Springreiter. Sein jüngster Sohn Kay ist ihm nicht nur äusserlich ähnlich.

Daniel Weissenbrunner
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Das Talent und «die alte Dame»: Kay Melliger mit seiner Stute Kassablanca auf dem Gestüt in Neuendorf.

Das Talent und «die alte Dame»: Kay Melliger mit seiner Stute Kassablanca auf dem Gestüt in Neuendorf.

Kay Melligers Gedanken scheinen sich um wichtigere Sachen zu drehen. Er beklagt sich über ein falsch parkiertes Auto vor den Stallungen seines Vaters in Neuendorf. Seiner Mutter Nadja zeigt er auf dem Mobiltelefon den eineinhalb Meter langen Hecht, den er vor kurzem gefangen hat. Der Medientermin hebt das Leben des 14-Jährigen nicht aus den Angeln. Er freut sich vielmehr auf das bevorstehende Wochenende in Frankreich, weil er dort seiner zweitliebsten Beschäftigung nachgehen kann: dem Fischen.

Zu einem dicken, sportlichen Fisch könnte dereinst auch Kay werden. Die Voraussetzungen bringt er jedenfalls mit. Der jüngste Spross von Willi Melliger nimmt erst seit einem Jahr an Springprüfungen teil und meistert die ihm gestellten Aufgaben in einer beeindruckenden Leichtigkeit. Kay Melliger reihte in der Children-Kategorie, der Vorstufe zu den Junioren, Sieg an Sieg. Gegen zwanzig waren es. Und in der laufenden Saison springt Kay Melliger dort weiter, wo er 2012 aufgehört hat. Er gewann Prüfungen in Linz, in Lamprechtshausen und zuletzt in Lyss. «Kay erinnert in seiner ganzen Art stark an seinen Vater», sagt Mama Nadja. Optisch und im natürlichen Umgang mit den Pferden.

Kay Melliger reitet die 22-jährige Kassablanca. Die Stute ist das einzige Pferd, das Vater Willi nie verkauft hat. Auf ihm ritten seine Ex-Frau und sein älterer Sohn Kevin bereits mit beachtlichem Erfolg. Wie lange Kassablanca den Belastungen von Turnieren noch standhält, ist schwer abzuschätzen. Kay Melliger hofft aber, dass er mit ihr an den Europameisterschaften in Jerez de la Frontera an den Start gehen kann. Seine Vorstellungen vom Anlass in Andalusien sind nicht so verträumt, wie es den Anschein machen könnte. «Ich will eine Medaille.» Und: «Natürlich möchte ich gleich gut oder sogar besser werden als mein Vater.» Zur Erinnerung: Willi Melliger war die Weltnummer 1 und gewann an den Olympischen Spielen in Atlanta die Silbermedaille auf seinem Ausnahmepferd Calvaro. Mutter Nadja lacht. «So weit sind wir noch lange nicht.» Als nächstes wartet erst einmal der Einsatz im französischen Deauville – natürlich auf seiner alten Dame.

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