Fussball

Italgrenchen will wegen «Migrationshintergrund» nicht fusionieren

Silvano Lombardo sagt der Stadt ab.

Silvano Lombardo sagt der Stadt ab.

Wegen des Trudelns des FC Grenchen wünscht sich die Stadt eine Fusion aller vier Fussballvereine. Doch der Vorstand von GS Italgrenchen hält davon nichts und hat den Verantwortlichen einen abschlägigen Bescheid erteilt.

«Nach Abwägen der Vor- und Nachteile» hat der Vorstand des GS Italgrenchen der Stadt Grenchen mitgeteilt, dass der Verein «aufgrund seines Migrationshintergrundes» seine Eigenständigkeit bewahren will.

Ital ist also nicht an einer Fusion mit den anderen Vereinen FC Grenchen, Wacker und Fulgor interessiert. «Uns ist es wohl, wenn wir selber bestimmen können», meint dazu Präsident Silvano Lombardo. Was «Abwägen» konkret heisst, kann oder will er nicht sagen. Er betont aber, dass sich Italgrenchen für eine konstruktive Nachbarschaft einsetzen wird: «Bei der gemeinsamen Juniorenförderung werden wir unseren Beitrag leisten.»

Nachdem der FC Grenchen 1995 bankrott gegangen war und den Zwangsabstieg in die 1. Liga hinnehmen musste, leistete Silvano Lombardo als Spielmacher einer – im Rückblick betrachtet – heldenhaften Mannschaft unter der Führung der FCG-Legende Res Fankhauser seinen Teil, um den einst glorreichen Verein zu retten.

20 Jahre später sieht das ganz anders aus. Einzig das magische Wunderwort «Fusion» scheint der letzte Strohhalm zu sein, der den Fall in die Bedeutungslosigkeit verhindern könnte. Bei Italgrenchen will aber keiner daran so recht daran glauben.

Trainer Mirko Recchiuti wurde vom FC Grenchen vor einem halben Jahr angefragt, ob er die 1. Liga-Mannschaft übernehmen möchte. Er lehnte ab, weil er bessere Perspektiven bei Italgrenchen in der Solothurner 2. Liga sah. Und im Sommer wird Recchiuti die Junioren A beim FC Solothurn übernehmen.

Unbeeindruckt von den Drohungen

Auch die Drohungen der Stadt, dass Vereine, die nicht fusionieren, keine Priorität mehr geniessen werden, beeindrucken nicht. Seit über 50 Jahren ist der Gruppo Sportivo Italgrenchen ein respektierter Verein, der viel geleistet hat und sich nie etwas zu Schulden kommen liess. Dass es rechtlich absolut unhaltbar wäre, einen solchen Verein zu benachteiligen, ist auch dem Stadtpräsidenten, einem früheren Amtsrichter, sicher bewusst.

Grenchen hat eine italienische Geschichte, und Italiens Geschichte ein Grenchner Kapitel. Vor fast 200 Jahren lebte hier der Revolutionär Giuseppe Mazzini und verbreitete seine radikal-liberalen Ansichten. Vor etwas mehr als 100 Jahren kamen viele italienische Arbeiter, um den Grenchenbergtunnel zu bauen.

Viele wurden sesshaft und das Selbstbewusstsein hat hier seine Wurzeln. So ist Italgrenchen der letzte blühende italienische Fussballverein in der Region Solothurn. 2004 wurde Ital sogar Solothurner Meister. Einen solchen Verein durch eine Fusion mit dem total maroden FCG aufzugeben, das wäre von den Mitgliedern zu viel verlangt.

Biel und Thun als Vorbild nehmen

Den Weg in die absolute Bedeutungslosigkeit, den der FC Grenchen mit oder ohne Fusion in den kommenden Jahren gehen wird, den mussten auch schon der FC Biel und der FC Thun einmal durchschreiten. Jahrzehntelang waren die Quartiervereine Lerchenfeld und Dürrenast besser als der FC Thun. Doch der lebte wieder auf und stieg aus der Berner 2. Liga bis in die Champions League auf. Im Fussball ist alles möglich.

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