Fussball 2. Liga

«Ich bin wohl nicht der Einzige unseres Teams, der die Tabelle ausdruckt und aufhängt.»

Der FC Lommiswil feiert nach dem 2:0 in Mümliswil den ersten Platz zur Saisonhälfte.

Der FC Lommiswil feiert nach dem 2:0 in Mümliswil den ersten Platz zur Saisonhälfte.

In seiner ersten Saison als Aktivtrainer führt der 25-jährige Lukas Ebel den FC Lommiswil gleich an die Tabellenspitze der Solothurner 2. Liga. Insgesamt neun Siege feierten die Lommiswiler in der Vorrunde, zuletzt sieben in Serie. Herausragend sind die Defensivleistung der Mannschaft und Captain und Anpeitscher Cyrill Sonderegger.

Lukas Ebel wusste schon vor der Saison genau, worauf er sich einliess, als er den Trainerposten beim FC Lommiswil antrat. «Die erste Mannschaft ist das Aushängeschild des Klubs, klar ist da Druck vorhanden. Mit diesem Team muss ich mir aber gar keine Sorgen machen», sagte der 25-Jährige in der Saisonvorschau. Dass seine Mannschaft die Liga so richtig aufmischen würde in dieser Vorrunde, daran hätte der jüngste Trainer in der Geschichte der 2. Liga wohl selbst nicht geglaubt.

Lukas Ebel, Sie gewannen mit dem FC Lommiswil neun von elf Spielen in der Vorrunde und überwintern auf dem Spitzenplatz. Wie stufen Sie diesen Erfolg ein?
Lukas Ebel: Es ist eine Leistung, auf die wir stolz sein dürfen. Für den FC Lommiswil ist so ein Erfolg nicht alltäglich. Ich glaube, es ist sogar der erste Herbstmeistertitel für den Klub. Auch für
den Trainerstab ist es eine schöne Bestätigung für unsere Arbeit.

Vom ersten Platz hätten Sie wohl nicht einmal zu träumen gewagt vor dem Saisonstart?
Wir haben Anfang der Saison viel über die Ziele diskutiert. Das Hauptziel war immer noch, den Platz in der obersten Spielklasse zu halten. Wenn es unter die besten fünf Klubs reicht, wäre es super. Schon im ersten Spiel gegen den Favoriten Iliria merkten wir, was möglich ist für uns. Wir haben in der Folge keines der Spiele über neunzig Minuten dominiert, die Gegner waren nie chancenlos, aber wir kamen in einen richtigen Lauf. Das letzte Spiel gegen Mümliswil ist ein gutes Beispiel. Sie haben mir fast etwas leidgetan mit ihren Pfosten- und Lattenschüssen. Doch wenn es läuft, dann läuft es halt. Und wir haben uns dieses Glück auch erarbeitet.

Werden Sie die Tabelle ausdrucken und aufhängen?
Ich denke schon. Sie sieht ja auch sehr schön aus. Und ich bin wohl nicht der Einzige unseres Teams, der die Tabelle ausdruckt und aufhängt. Schliesslich dürfen wir diesen Erfolg auch zeigen. Danach werde ich die Tabelle wahrscheinlich in einem Ordner ablegen.

Wie war die Stimmung vor dem letzten Spiel in Mümliswil mit der Aussicht des Herbstmeistertitels vor Augen?
Wir wussten, dass auch dieser Match kein Selbstläufer wird. Wir mieteten einen Car und sind gemeinsam nach Mümliswil gefahren. Es fehlten zwar einige Spieler, das Kader war auf 13, 14 zusammengeschrumpft, aber die, die spielten, wollten unbedingt gewinnen, das hat man gemerkt. Jeder Spieler war überzeugt, dass wir es schaffen und war voll auf das Spiel fokussiert. Wir spielten zu Null, standen also mehr oder weniger souverän. Die erste Halbzeit war gut, da haben wir uns den Sieg
verdient, in der zweiten brauchten wir dann auch etwas Glück.

Das Spiel endete mit einem 2:0-Sieg. Wie ausgiebig wurde danach der Herbstmeistertitel gefeiert?
Nach so einer Vorrunde darf man schon mal ein bisschen feiern. Wir haben das Klubhaus in Mümliswil wirtschaftlich sicher sehr gut unterstützt. Ich glaube, die hatten auch Freude an uns. Danach fuhren wir mit dem Car zurück und hatten es in Solothurn gemeinsam noch sehr gemütlich.

27 Punkte holte Lukas Ebel mit Lommiswil in der Vorrunde. Das sind bereits zwei mehr als in der ganzen Saison 2018/19.

27 Punkte holte Lukas Ebel mit Lommiswil in der Vorrunde. Das sind bereits zwei mehr als in der ganzen Saison 2018/19.

Wie war dieser Erfolg möglich? Der FC Lommiswil galt vor dem Start in seine vierte Saison in der 2. Liga maximal als Geheimfavorit?
Wir haben uns in den letzten Tagen oft selber gefragt, wie es überhaupt möglich war, den ersten Platz zu holen. Wir haben einen riesigen Zusammenhalt, das ist ein ganz wichtiger Faktor, auch wenn man das oft hört. Im taktischen Bereich haben wir zudem grosse Fortschritte gemacht, defensiv wie auch offensiv. Und die Spieler werden auch immer erfahrener und entwickeln langsam ein Siegergen. Mittlerweile wollen wir mit dem FC Lommiswil gewinnen, nicht mehr einfach nur «mittschutten».

Ist der FC Lommiswil aktuell der beste Klub in der höchsten Solothurner Regionalliga?
Die Tabelle sagt das eigentlich aus, ja. Was den Zusammenhalt angeht, wie wir füreinander gehen auf dem Fussballplatz, da sind wir auf jeden Fall zuvorderst. Spielerisch gibt es wohl bessere Mannschaften, teilweise mit ehemaligen Erstliga-Spielern drin, aber wir kompensieren viel mit Kampf, Willen und Taktik. Wir spielten nicht immer den besten Fussball, aber das Kollektiv und das Gesamtpaket stimmten.

Beeindruckend ist insbesondere die Abwehrleistung mit nur zwölf Gegentoren in elf Spielen.
Wir konnten uns im Spiel gegen den Ball und im Umschaltspiel deutlich verbessern. Letzte Saison blieben wir noch zu oft stehen, statt nachzusetzen. In der Vorrunde haben wir als Kollektiv sehr gut verteidigt. Die Gegner kamen nicht durch die Kette durch, ohne dass einer nachsetzte. Wir sind hinten drin auch einfach sehr gut besetzt. Unsere Verteidiger haben ein gutes Stellungsspiel und sind ruhig am Ball. Verteidigung und Goalie haben eine sehr gute Arbeit abgeliefert, das wissen sie auch.

Die 23 geschossenen Tore sind dagegen durchschnittlich. In dieser Statistik hat Ihr erster Verfolger, der FC Wangen bei Olten, mit 35 erzielten Treffern klar die Nase vorne. Die Lebensversicherung des FC Lommiswil war Niklas Urosevic mit seinen 9 Treffern.
Er gibt vor, während und nach den Spielen immer einhundert Prozent. Er war in der letzten Zeit extrem fokussiert, manchmal fast ein bisschen überdreht. Vor dem Tor war er eiskalt. Bei ihm ist es eine Willenssache. Er reisst die anderen Spieler mit. Ein Spieler alleine reicht aber natürlich nicht. Es war das ganze Team, das sich viele Chancen herausspielte. Er machte sie halt. Wenn wir insgesamt die Chancenauswertung noch etwas verbessern, könnten wir die Spiele auch mal klarer gewinnen.

Der herausragende Spieler Ihres Kaders ist Cyrill Sonderegger, der jede Minute auf dem Platz stand, drei Tore erzielte und die Mannschaft im Mittelfeld orchestrierte. Ist er der beste Spieler der Solothurner 2. Liga?
Ja, das ist er definitiv. Das hat er in dieser Vorrunde klar bewiesen. Er ist nicht wegzudenken beim FC Lommiswil. Als Spieler, als Captain, als Juniorentrainer und auch als Freund. Wir sind sehr froh, dass er bei uns ist. Wir haben aber im Allgemeinen keine Spieler, die man unterschätzen sollte. Und die Gegner machen das mittlerweile auch nicht mehr, obwohl viele wohl immer noch überrascht sind, wenn wir gewinnen.

Welches war das beste Spiel Ihrer Mannschaft in der Vorrunde?
Gleich das erste gegen den FC Iliria, das wir unglücklich 1:2 verloren haben. Wir machten dem Favoriten der Liga neunzig Minuten das Leben schwer. Mit etwas Glück hätten wir das Spiel gewonnen. Da hatten wir es noch nicht. Aber die Leistung stimmte über die volle Distanz. Das ist ein wenig die Krankheit von uns. Wir hatten in jedem Spiel eine super Halbzeit und müssen lernen, vom Anfang bis zum Ende durchzuziehen, damit wir nicht unnötig zittern müssen.

Der schlechteste Auftritt?
Ich würde auch da nur von schlechten Halbzeiten sprechen. Gegen Fulenbach und Oensingen hatten wir die zum Beispiel. Oder auch die zweite Halbzeit gegen Mümliswil – da könnten wir das Spiel auch aus der Hand geben, weil wir wirklich schwach spielten.

Wie gross ist der Beitrag des Trainers am Erfolg?
Das müsste man die Spieler fragen. Ich denke, zusammen mit meinen Co-Trainern Thomas Schneitter und Luca Meier konnten wir die Mannschaft auf jeden Fall einen Schritt weiterbringen. Zu dritt können wir viel besser indi­viduell auf die Spieler eingehen. Vor der Saison wollte ich von jedem Spieler wissen, welches ihre Ziele sind oder auch ihre Lieblingstrainings. Solche Übungen kann ich dann einbauen, um den Spass zu steigern. Die Spieler sollen den Sinn hinter den Übungen im Training sehen und diese gerne machen. Das klappt immer besser.

Gab es schon Angebote für den 25-jährigen Erfolgstrainer von anderen Klubs?
Es gab vielleicht mal ein Angebot, ja. Aber das ist gar kein Thema. Lommiswil ist mein Verein, hier habe ich einen lebenslangen Vertrag unterschrieben. Klar, irgendwann könnte eine höhere Liga dann schon einmal zum Thema werden, wenn es passt. Dann muss ich mich halt aus dem Vertrag bei Lommiswil rauskaufen. Daran denke ich aber noch lange nicht. Ich habe noch viel vor mit dieser Mannschaft.

Nehmen Sie jetzt die 2. Liga inter ins Visier?
Davon wollen wir gar nicht reden. Nur schon wegen unserer Infrastruktur und auch finanziell wäre das gar nicht möglich. Zudem glaube ich nicht, dass die Spieler den grösseren Aufwand überhaupt wollen. Wir sind keine Mannschaft für die 2. Liga inter, wir wollen uns in der 2. Liga beweisen, den Fans spektakulären Fussball bieten.

Wie werden Sie die Winterpause nutzen?
Wir wollen uns optimal auf die Rückrunde vorbereiten, die dann hoffentlich auch regulär stattfinden kann im Frühling. Ob sich am Kader etwas ändern wird, kann ich noch nicht sagen. Am Ende waren wir sehr knapp. Einen oder zwei passende Spieler zum FC Lommiswil holen zu können, wäre schon cool.

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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