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Hollywood beim FC Grenchen: Trainer und Sportchef nicht mehr im Amt

Nach einem Eklat an der Vorstandssitzung beendet FCG-Präsident Rolf Bieri die Zusammenarbeit mit Trainer Max Rüetschli. Sportchef Peter Baumann tritt aus Protest zurück. Dies vier Tage vor dem Saisonstart mit dem Heimspiel gegen den FC Solothurn.

Nach einer sportlich hervorragenden Saison kehrt beim FC Grenchen wieder der ganz normale Wahnsinn ein. Vier Tage vor dem 1.-Liga-Auftakt gegen Kantonsrivale Solothurn tritt Trainer Max Rüetschli zurück oder wird entlassen – je nach Lesensart. Als Konsequenz schmeisst auch Sportchef Peter Baumann den Bettel per sofort hin.

Im abendlichen Testspiel gegen den FC Biel (1:4) coacht Präsident Rolf Bieri gemeinsam mit Juniorenobmann Darko Selkic die Mannschaft. Zuvor dürfen sich Rüetschli und Baumann in der Garderobe von den sichtlich geschockten Spielern verabschieden und ihre Version der vorausgegangenen Ereignisse erzählen. Präsident Bieri hört kommentarlos zu. Auch gegen aussen will der Präsident vorerst keine Stellung zu den Vorkommnissen nehmen. Er sei in der Sache befangen.

Am Abend zuvor gab sich Bieri, der erst vor einem guten Jahr vom Juniorentrainer zum Vereinspräsidenten aufgestiegen war und Hoffnungen auf einen seriösen Neuanfang nach turbulenten Monaten nährte, noch deutlich stimmgewaltiger. An der ausserordentlichen Vorstandssitzung am Montag kam es zum verbalen Schlagabtausch zwischen dem 55-jährigen Unternehmer und Sportchef Baumann. «Vonseiten Bieris teilweise unter der Gürtellinie geführt», wie Nicht-mehr-Trainer Rüetschli betont.

Er war es, der die Sitzung verlangt hatte. Als Grund nennt er nicht eingehaltene Versprechungen und ausstehende finanzielle Verpflichtungen gegenüber Spielern, welche seit Wochen für eine zunehmende Missstimmung in der Mannschaft sorgt. Vor den Aufstiegsspielen im Mai kam es sogar zum kurzfristigen Trainingsboykott einiger Akteure.

Baumann läuft aus Sitzung davon

Teamcaptain Sascha Stauffer bestätigt die schlechte Stimmung. «Wir haben Spieler im Kader, die auf dieses Geld angewiesen sind. Meistens war ich für diese Spieler die erste Anlaufstelle. Aber was will ich machen, ich zahle die Spesen ja nicht aus.» Auch Rüetschli wurde es zunehmend unwohl als Puffer zwischen Team und Vereinsführung. «Ich habe jeweils nachgefragt, wann mit den Spesen zu rechnen sei und die Antwort des Präsidenten an die Spieler weitergeleitet. Wenn dann doch nichts passiert, werde letztlich auch ich unglaubwürdig.»

Nachdem Baumann die montägliche Sitzung nach gegenseitigen Anschuldigungen und fehlenden Lösungsansätzen wutentbrannt verlassen hatte, stellte Max Rüetschli sein Traineramt zur Verfügung. Der Vorstand solle ihm bis Dienstagabend mitteilen, ob man weiter mit ihm arbeiten wolle oder nicht. Er verzichte bei einer Trennung auch auf finanzielle Forderungen. «Ich wollte Rolf Bieri alle Optionen offen lassen», sagt Rüetschli.

Der Vorstand entschied, dass sich Präsident und Trainer am nächsten Tag bei einem Kaffee nochmals aussprechen sollten, um eine Lösung zu finden. Stattdessen erhielt Rüetschli am frühen Morgen ein Telefon des Präsidenten mit der Frage, ob er bei einer Vertragsauflösung weiterhin auf Geldforderungen verzichte. «Nach meiner Bestätigung sagte mir Rolf Bieri, ich solle am Abend die Schlüssel abgeben», sagt Rüetschli.

Entlassen oder zurückgetreten?

Sportchef Baumann spricht von einer «Entlassung hinter meinem Rücken». Er zog mit seinem Rücktritt die Konsequenzen. Auch Vorstandsmitglied Lilo Dellsperger sagt klar: «Ich distanziere mich von diesem Entscheid. Das was jetzt passiert, hat der Vorstand nicht beschlossen.»

Kommunikationschef Gerd Frera – der als Ersatz für Präsident Bieri Auskunft gab – hingegen sagt: «Der Trainer ist zurückgetreten.» Er habe zusammen mit Präsident Bieri bereits am Dienstag Gespräche mit potenziellen Nachfolgern geführt, «denn wichtig ist derzeit einzig, dass wir am Samstag gegen Solothurn spielen können. Der FC Grenchen hat schon viel überlebt. Er wird auch dies überleben.»

Auf ihn mache die Eskalation den Eindruck einer «von Trainer und Sportchef geplanten Inszenierung». Den gleichen Vorwurf formulierte auch Peter Baumann . . . an die Adresse von Präsident Bieri.

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