Das neue Jahr hatte es bisher mit den Handballern des TV Solothurn noch nicht wirklich gut gemeint. Das Unentschieden gegen Stans und die Niederlage gegen Wädenswil/Horgen, beide vor heimischem Publikum, waren enttäuschende Resultate. Es war also Pflicht, gegen den Tabellenletzten der Nationalliga B den ersten Sieg des Jahres einzufahren.

Altdorf verfügt zwar über kein brillantes Kader, hielt aber mit Kampfgeist, Einsatz und guter Organisation dagegen. Das behagte den Solothurnern nicht. Rasch lagen sie im Hintertreffen und es dauerte sage und schreibe sechs Minuten, bis Maximilian Freiberg endlich das erste Solothurner Tor erzielen konnte. In der 21. Minute war es dann so weit: Es war wiederum Freiberg, der den TV Solothurn erstmals mit 8:7 in Führung schiessen konnte. Zur Pause stand es 11:9 für die Gastgeber und die Wende zum Guten schien geschafft.

Doch was in der zweiten Hälfte folgte, war ein unglaubliches Festival von Fehlschüssen. Darüber, daneben oder mitten auf den ausgezeichneten Altdorfer Goalie Fabian Arnold flogen die Bälle. Elf Minuten lang hielt der seinen Kasten rein und TVS-Trainer Marco Kurth versuchte total entnervt, in einem Timeout seine Mannschaft wachzurütteln. Einen Satz schrie er so laut, dass ihn die ganze CIS-Halle mitbekam: «Haut endlich die Bälle ins Netz, das darf doch nicht wahr sein.»

Aus dem Trott herausreissen

«Mein Geschrei war vielleicht etwas übertrieben, aber ich musste die Mannschaft irgendwie aus diesem Trott herausreissen, und das war der einzige Weg, der mir in den Sinn kam», entschuldigte sich der frühere Schweizer Nationalspieler für seinen Gefühlsausbruch, der wohl auch etwas berechnendes Theater beinhaltet hatte. Und der vor allem auch wirkte.

In der 53. Minute stand es nämlich 13:15. Solothurn hatte also bis dahin in der zweiten Halbzeit während in 23 Minuten «spektakuläre» zwei Treffer zustande gebracht. Und da begann des Trainers Geschrei zu wirken. Mit einem Kraftakt kämpfte sich Mathias Blaser aus der zweiten Reihe durch die Altdorfer Abwehrkette, brachte sich in Schussposition und haute den Ball zum 17:16 ins Netz, so wie es Kurth im Timeout verlangt hatte. In dieser entscheidenden Phase zeigte nun auch noch der Solothurner Goalie Rados Dukanovic zwei tolle Fussparaden. Das Spiel kippte, Altdorf resignierte und der TV Solothurn gewann am Ende 20:17.

Die Defensive war «ausgezeichnet»

«Ich hatte Herzrhythmusstörungen», sagte Marco Kurth nach der Schlusssirene, als er, mit der Hand auf der linken Brustseite, sichtlich erleichtert durchatmete. «In der Defensive hat meine Mannschaft genauso gespielt, wie wir es uns vorgenommen hatten, das war ausgezeichnet. Mit nur gerade 17 Gegentoren muss man eigentlich jedes Spiel gewinnen. Auch im Angriff haben wir uns viele Chancen herausgespielt, aber einfach unglaublich schlecht geworfen.»

Kurth weiss nun, woran er im Training arbeiten muss, wenn es in einer Woche gegen die Espoirs Yellow/Pfadi in Winterthur weitergehen wird: Die Präzision der Würfe muss besser werden und Angriffe über die Flügel sollten geübt werden, denn davon gab es gegen Altdorf praktisch keine. Dann sollte es den Solothurnern gelingen, ihren guten Mittelfeldplatz in den Nationalliga B weiter zu festigen. Der TVS liegt mit 16 Punkten aus 16 Spielen auf Platz sieben.