Fussball

Gunzger wird bei St. Pauli zum Terminator

Joël Keller erhält Instruktionen von seinem Trainer Ewald Lienen.

Joël Keller erhält Instruktionen von seinem Trainer Ewald Lienen.

Der 21-jährige Verteidiger Joël Keller kam beim Kiezklub St. Pauli zu seiner Feuertaufe in der 2. Bundesliga. Mit zwei Zu-Null-Siegen feierte Keller einen mehr als gelungenen Einstand.

Den 28. Februar 2016 wird Joël Keller so schnell sicher nicht vergessen. Mit seinem ersten Einsatz für den FC St. Pauli in der 2. Bundesliga erklomm der 21-jährige Gunzger die nächste Stufe der Karriereleiter. «Zuerst war ich etwas überrascht, aber sehr glücklich», so Kellers Reaktion auf die Nomination. Bereits am Vortag hatte ihm Trainer Ewald Lienen mitgeteilt, dass er gegen Duisburg in der Startelf stehen würde. Er habe sofort seiner Familie und seinen Freunden mitgeteilt, dass sie sich unbedingt das Spiel ansehen müssen, erzählt Keller lachend. «Ein bisschen nervös wurde ich eigentlich erst, als wir im Car vom Hotel Richtung Stadion fuhren und ich die ersten Fans sah.»

Emotionaler verlief das Heimdebüt nur vier Tage später. Keller durfte zum zweiten Mal von Beginn weg ran, diesmal im Millerntor-Stadion vor knapp 30 000 Zuschauern. «Diese Stimmung sollte jeder Fussballfan einmal erlebt haben», schwärmt Keller. «Vor dem eigenen Publikum auflaufen zu dürfen, war ein enorm schönes Gefühl.» Nach dem Aufwärmen habe er sein Gesicht mit eiskaltem Wasser abgespritzt. Um sicherzugehen, dass er nicht träume. «Ganz ehrlich, ich war viel aufgeregter als im ersten Match», blickt der Verteidiger zurück. Trotz Nervosität präsentierte sich Keller auf dem Feld bereits wie ein gestandener Profi. Mit ihm in der Innenverteidigung landete St. Pauli zwei Siege. Dementsprechend fällt auch Kellers Fazit aus: «Zweimal zu Null zu spielen, ist für einen Verteidiger sicher positiv. Ich spürte die Unterstützung und das Vertrauen vom Trainer und von meinen Mitspielern. Das hat mir den Einstand erleichtert.» Die grösste Herausforderung sei gewesen, auf der eher ungewohnten zentralen Position in der Abwehr zu spielen. Keller ist eigentlich gelernter Aussenverteidiger. «Coach Lienen testete mich natürlich schon im Training auf dieser Position. Grundsätzlich spiele ich dort, wo es mich braucht.»

Jung und geduldig

St. Paulis Trainer Ewald Lienen ist nicht für seine Gefühlsausbrüche bekannt. «Gut gemacht» und ein Schulterklopfer waren Kellers Lob für die beiden Einsätze über neunzig Minuten. Keller hat gezeigt, dass er bereit ist für die 2. Bundesliga. Doch nach der Rückkehr mehrerer verletzter und kranker Stammspieler muss sich der Gunzger vorerst wieder mit der Reservistenrolle begnügen. Am vergangenen Sonntag, seinem 21. Geburtstag, kam er gegen Heidenheim in den letzten zehn Minuten zu einem Teileinsatz. «Für meine persönliche Entwicklung war es wichtig, dass ich zweimal neunzig Minuten bekommen habe. Ich habe bewiesen, dass ich auf diesem Level mithalten kann.» Jetzt hange es von seinen Leistungen ab, ob und wie viel er spiele. Ungeduldig wird Keller nicht: «Ganz ruhig. Ich bin noch jung und habe noch Zeit.»


Einen bleibenden Eindruck hat Keller im Team auf jeden Fall schon hinterlassen.
Wegen seiner kräftigen Postur wird er von den Mitspielern nur noch «Arnie» genannt, als Anlehnung an den Terminator Arnold Schwarzenegger. Keller nimmts gelassen: «Ich hätte zwar lieber einen anderen Spitznamen, aber dieser wird jetzt sicher eine Weile bleiben.» An einer Pressekonferenz wurde Coach Lienen nämlich sogar schon von einem Journalisten gefragt, wie es Arnold gehe, und ob Arnold spielen werde im nächsten Match. «Lienen antwortete, dass er keinen Arnold Keller kenne, doch seither geistert der Spitzname sogar durch die deutschen Medien», lacht Keller.

Zukunft noch ungewiss

Der FC St. Pauli liegt in der 2. Bundesliga nach 25 von 34 Meisterschaftsspielen aktuell auf dem vierten Platz. Der Kiezklub träumt von der Rückkehr ins Oberhaus. Ob mit oder ohne Joël Keller, das steht noch in den Sternen. Kellers Vertrag bei den Hamburgern läuft im Sommer aus. Gespräche mit der Klubleitung haben noch keine stattgefunden, die Verhandlungen werden in den nächsten Wochen aufgenommen. Keller jedenfalls fühlt sich wohl beim FC St. Pauli: «Der Verein, das Umfeld und die Fans stimmen für mich. Ich habe hier alles, was sich ein Fussballer wünscht und würde gerne noch länger bleiben.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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