Fussball
«Wir haben keinen Anhaltspunkt und kein Ziel vor Augen»: Der FC Solothurn darf immer noch nicht richtig trainieren

Solothurns Trainer Jürg Widmer kann nicht nachvollziehen, wieso der Erstligist immer noch eingeschränkt trainieren muss: «Wir werden falsch eingestuft. Der FC Solothurn ist ein halbprofessioneller Verein.»

Raphael Wermelinger
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Solothurns Trainer Jürg Widmer zu Zeiten, als Körperkontakt in den Trainings noch erlaubt war.

Solothurns Trainer Jürg Widmer zu Zeiten, als Körperkontakt in den Trainings noch erlaubt war.

Hanspeter Bärtschi

Gäbe es Corona nicht, hätte der FC Solothurn am Samstag sein erstes Rückrundenspiel bestritten. Stattdessen darf der Erstligist immer noch nicht richtig trainieren. Sondern gemäss Vorgaben nur in Gruppen mit maximal 15 Spielern.

«Ballarbeit, Angriffsauslösung oder auch Torschüsse kann man gut machen, auch mit den Distanzen. Aber es ist mühsam», sagt Trainer Jürg Widmer. Einige Spieler sind jünger als 20-jährig und dürfen bereits wieder mit Körperkontakt trainieren. «Wir teilen die Gruppen dementsprechend ein», sagt Widmer. Das ganze Team kann er noch nicht trainieren, das Kader umfasst 23 Spieler.

«Langsam hängt es an. Wir haben keinen Anhaltspunkt und kein Ziel vor Augen», sagt er zur Gemütslage der Spieler. «Schon im Januar begannen wir, in kleinen Gruppen an der Athletik zu arbeiten. Die Garderoben konnten wir bei Schnee und Regen nicht benutzen.» Dass Teams wie die A-Junioren oder die U18 wieder normal trainieren können, sei gut. Warum dies nicht auch für die 1.-Liga-Equipe gilt, kann er nicht nachvollziehen.

Enttäuscht auch vom Verband

«Wir werden falsch eingestuft», stellt Widmer fest. «Der FC Solothurn ist ein halbprofessioneller Verein mit Juniorenspitzenfussball und Tagesstruktur.» Er ist enttäuscht, dass die 1. Liga im Gegensatz zu den höchsten drei Spielklassen nicht als semiprofessionell gilt, und merkt an, dass es der FCS diese Saison im Schweizer Cup in die Runde der letzten 16 Teams geschafft hat. «Ich verstehe nicht, warum wir nicht drei Wochen zum Trainieren bekommen, damit der Cup-Match stattfinden kann.» Er ist enttäuscht auch vom Verband, der sich in diesem Zusammenhang zu wenig einsetze für die Klubs.

«Für uns ist wichtig, einen Termin zu bekommen. Es geht am 10. April los zum Beispiel – nur mal so gesagt. Dann hätten wir zumindest ein Ziel und könnten auf diesen Termin hin die Vorbereitung intensivieren. Stattdessen gibt es x verschiedene Szenarien.» Um bereit zu sein für den Restart, benötige das Team mindestens eine dreiwöchige Vorbereitungszeit mit Freundschaftsspielen. «Falls wir Mitte oder Ende April, oder wann denn dieser Termin auch immer ist, immer noch nicht spielen können, dann geht es halt nicht. Aber wir müssen eine Motivation und ein Ziel haben.»

Ein Rückkehrer mit Super- und Challenge-League-Erfahrung

Freuen kann sich Widmer immerhin darüber, wie sich das Kader des FC Solothurn entwickelt. Der Recherswiler Robin Huser kehrt zurück. Der Mittelfeldspieler, der seine Karriere beim FC Subingen lanciert hatte, schaffte es über den FC Solothurn in die Juniorenabteilung des FC Basel.

Am 20. Mai debütierte er für Basel in der Super League. Bei der 1:2-Auswärtsniederlage gegen den FC Aarau stand er neunzig Minuten auf dem Platz – im defensiven Mittelfeld neben Mohamed Elneny. Der lancierte das Spiel übrigens mit einem Eigentor in der 5. Minute. Kurz nach der Pause erhöhte der Absteiger Aarau. Breel Embolo sorgte kurz vor Schluss für das 1:2.

Robin Huser, hier im Dienste des FC Chiasso gegen Aaraus Elsad Zverotic, verliess den FC Solothurn vor gut zehn Jahren Richtung FCB-Nachwuchsabteilung und kehrt nun zurück.

Robin Huser, hier im Dienste des FC Chiasso gegen Aaraus Elsad Zverotic, verliess den FC Solothurn vor gut zehn Jahren Richtung FCB-Nachwuchsabteilung und kehrt nun zurück.

Andy Mueller/freshfocus

Fünf Tage später beorderte Trainer Paulo Sousa den damals 17-jährigen Huser erneut in die Startelf. Seine zweiten neunzig Minuten in der Super League endeten mit einem 2:2-Unentschieden gegen Thun. Es waren dies der dritt- und der zweitletzte Spieltag der Saison 2014/15. Der FC Basel stand bereits als Meister fest und hatte am Ende zwölf Punkte Vorsprung auf YB. Davor war Robin Huser für die U21 aufgelaufen, am Schluss der Saison durfte er bei der ersten Mannschaft Luft schnuppern.

Fast exakt ein Jahr nach seinem Debüt in der höchsten Liga wurde er im Mai 2016 durch einen Kreuzbandriss zurückgeworfen. Nach seiner Regeneration schickte ihn Basel für acht Monate in die Challenge League nach Winterthur, wo er Stammspieler wurde und in 22 Einsätzen 2 Tore erzielte und 2 Vorlagen gab. Im März 2018 sicherte sich der FC Thun, damals in der Super League auf Platz sieben, seine Dienste bis zum Saisonende. Er kam auf fünf Teileinsätze und kehrte dann zum FC Basel zurück.

2018/19 spielte er vor allem für die U21 in der Promotion League auf und sass ein paar Mal in der Super League auf der Bank. Im Sommer 2019 lief der Vertrag beim FCB aus und Huser wechselte in die Challenge League zum FC Chiasso. Für die Tessiner kam er 2019/20 in 31 von 36 Spielen zum Einsatz. Seit Oktober war er ohne Klub. «Er kann bei uns einiges bewirken», freut sich sein neuer Trainer.

«Obwohl er erst 23-jährig ist, hat er viel Erfahrung und wird uns helfen, die jüngeren Spieler zu motivieren und zu führen»

, sagt Jürg Widmer, der mit keinen weiteren Zuzügen oder Abgängen rechnet. «Wir sind jetzt 23 Mann, haben keine gröberen Verletzungen, alle sind im Training – eigentlich läuft alles rund. Wir sind alle gespannt, wann es endlich losgeht.»