Tiago Vieira schien auf dem besten Weg, den vor einem Jahr auf dem Engelberg ob Dulliken erkämpften Titel nun auf dem Nachfolgefest auf der Munimatte in Obergösgen erfolgreich zu verteidigen. Doch dann machte der Mümliswiler Marcel Kropf nach nur zwanzig Sekunden mit Gammen alles klar. Tiago Vieira blieb nur der zweite Schlussrang. Dahinter folgen Oliver Hermann und der Eidgenosse Remo Stalder aus Mümliswil.

Nach dem ersten Gang sah die Geschichte auf der Munimatte noch ganz anders aus. «Da ging ich gleich drauflos und Vieira konnte mir mit einem Wyberhaken das Bein nehmen», fasste Marcel Kropf seine Startniederlage zusammen.

Danach holte sich der Mümliswiler viermal eine Zehn in Serie, sodass er im Schlussgang nochmals gegen den Aargauer Koloss antreten durfte. «Ich wollte es etwas ruhiger angehen lassen», erklärte Kropf seine geänderte Taktik für den Schlussgang. «Ich habe es gerne, wenn es heiss ist, und wollte meine gute Kondition ausspielen.»

Der Titelverteidiger ging im Schlussgang aufs Ganze

Der Buchser Tiago Vieira, stolze 155 Kilogramm Kampfgewicht, wollte es aber nicht auf einen Abnützungskampf ankommen lassen, obwohl ihm ein gestellter Schlussgang zum Festsieg verholfen hätte. «Dass er gewinnen wollte, kam mir entgegen. Es hat gerade gepasst und ich hatte auch etwas Glück, dass sich die Situation so ergeben hat, dass ich mit Gammen gewinnen konnte», sagte Festsieger Marcel Kropf in seiner sympathisch bescheidenen Art.

Fast hätte die Familie Kropf noch einen zweiten Sieg feiern dürfen: Sohn Simon, Jahrgang 2011, schaffte es bei den jüngsten Nachwuchsschwingern ebenfalls bis in den Schlussgang. Dort schwang dann aber Gabriel Kurth aus Hubersdorf obenaus. Ein Jahr älter, drei Zentimeter grösser und 18 Kilogramm schwerer – alle diese Vorteile konnte Gabriel Kurth souverän ausspielen.

Beim ältesten Nachwuchs lieferten sich die beiden wirbligen Schwinger Stepan Maltsev aus Aristau und Marius Frank aus Luterbach einen technisch tollen Schlussgang. Am Ende gab es keinen Sieger und das Alphabet entschied aufgrund des ungeraden Jahres, dass Stepan Maltsev als Festsieger (1a) vor dem punktgleichen Marius Frank (1b) gefeiert wurde. In einem geraden Jahr wäre es umgekehrt gewesen.

Zwischen einem Maisfeld und dem Wald gelegen

«Es waren neun schöne Jahre auf dem Engelberg, jetzt geht es hier auf der Munimatte weiter und wir sind nicht traurig. Auch hier ist es sehr schön», fasste Rolf Wuethrich die Gefühle des Organisationskomitees vom Schwingklub Olten-Gösgen zusammen.

Ganz so idyllisch wie auf dem Jura oberhalb Dulliken ist es zwar mitten im Dorf Obergösgen nicht, aber auch hier liegt der Schwingplatz zwischen einem Maisfeld und dem Wald. Weil aber auch das Schulhaus gleich dort ist, erleichter die vorhandene Infrastruktur die Durchführung eines Schwingfestes.

Die Zahl der angemeldeten Schwinger hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich abgenommen. Aber mit 1150 Zuschauern war der Munimatt-Schwinget ein Publikumserfolg. Und dass es ein schönes Fest war, wird sich herumsprechen und die Schwinger werden sich nächstes Jahr wieder in grösserer Zahl anmelden, sodass die schöne Tradition des Engelberg-Schwingets als Munimatt-Schwinget weiterlebt.