Es war einer dieser wunderschönen, farbenprächtigen Herbsttage, die zum langen Verweilen an der frischen Luft und der strahlenden Sonne einladen. Auch das mag ein Grund dafür gewesen sein, dass die 4000er-Zuschauermarke im dritten Derby der laufenden Meisterschaft zwischen dem EHC Olten und dem SC Langenthal – für einen Sonntag erstaunlich – nicht geknackt wurde.

Nun: Diejenigen, die den Weg ins Kleinholz gefunden hatten, wurden für ihr Kommen lange Zeit nicht wirklich belohnt. Denn die Oltner und die Langenthaler lieferten sich ein zähes, wenig attraktives Duell. Oder anders ausgedrückt: Es war ein Spiel wie Nebelsuppe. Erst ganz am Schluss liessen sich aus Sicht des EHCO ein paar scheue Sonnenstrahlen blicken. Nämlich dann, als Stefan Mäder 65 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit der Ausgleich zum 1:1 gelang. Und vor allem dann, als Marco Truttmann im abschliessenden Penaltyschiessen zweimal hintereinander traf und so für die Entscheidung und Jubel unter den Oltner Fans sorgte.

Die wichtigen Oktoberpunkte

Der EHC Olten hat also zwei weitere Punkte ins Trockene gebracht. Diese «wichtigen Oktoberpunkte», wie sie Headcoach Chris Bartolone zu nennen pflegt, fallen den Powermäusen derzeit nicht wirklich in den Schoss. Auch gegen Langenthal tat sich die Mannschaft – wie schon in den beiden vorhergegangenen Partien gegen Thurgau (4:3 nach Verlängerung) und Visp (3:4 nach Verlängerung), schwer, Ordnung ins eigene Spiel zu bringen. Die Langenthaler, die ohne ihren Stammgoalie (Marco Mathis) und ohne ihren besten Verteidiger (Philippe Rytz) antreten mussten, machten die Räume gewohnt eng.

Und die Oltner fanden kaum spielerische Mittel, um gefährlich vor das gegnerische Tor zu kommen. Was unter dem Strich einen wenig attraktiven Mix ergab. Erst, als die Langenthaler durch Randegger spät in Führung gegangen waren, wurde der EHCO mutiger und suchte vehement den Ausgleich, der schliesslich durch Mäder im Powerplay und mit einem sechsten Feldspieler gelang.

Bartolone muss alle bei Laune halten

Weshalb die Mannschaft sonst aber kaum in der Lage war, wirklich Druck zu entwickeln, hinterliess auch die Direktbeteiligten etwas ratlos. Zum Beispiel Marco Truttmann, der bei seiner Manöverkritik aber auch durchblicken liess, dass er sich einerseits eine etwas kreativere Spielanlage wünschen würde, andererseits gerne mehr Verantwortung übernehmen möchte, die Eiszeit derzeit aber sehr demokratisch verteilt werde: «Es ist kein Geheimnis: Ich möchte so oft wie möglich auf dem Eis stehen. Aber es ist schwierig, so ins Spiel zu kommen.»
Es ist also die grosse Kunst von Chris Bartolone, in den kommenden Wochen alle Mitglieder des gut bestückten Kaders bei Laune zu halten.

Er muss die guten Leistungen honorieren, gleichzeitig aber auch schauen, dass Form suchende Spieler wie zum Beispiel Bryce Gervais Gelegenheit erhalten, Selbstvertrauen zu tanken. Der Kanadier war der grosse Pechvogel des gestrigen Derbys: Erst vergab er mindestens drei hochkarätige Torchancen, dann erwischte es ihn kurz vor Schluss an seiner sowieso schon lädierten Hand. Ein MRI soll am Montag Aufschluss darüber geben, wie schlimm die Verletzung von Gervais ist. Eine Zwangspause wäre vielleicht nicht mal das Schlechteste für den verunsicherten EHCO-Söldner.

Die Bilanz spricht für den EHCO

Eiszeit-Ansprüche hin, Formschwankungen her: Die Bilanz auf dem Papier spricht für den EHC Olten. Man hat sich an der Tabellenspitze festgekrallt. Man holt Punkte, auch wenn es nicht immer wie gewünscht läuft. Man hat am meisten Tore geschossen und am zweitwenigsten kassiert. Man hat das beste Unterzahl-Spiel der Liga und das zweitbeste Powerplay.

«Man kann nicht erwarten, dass wir in jeder Partie eine Gala abliefern», betont Bartolone. Zumal ein Blick zu strauchelnden Konkurrenten wie Kloten (das zu Hause gegen Schlusslicht Winterthur verlor) zeigt, wie schnell man als Favorit in der Swiss League in Teufels Küche geraten kann. Dann doch lieber zähe Nebelsuppe mit sonnigem Happyend.

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