Auf dem roten Platz des Schulhauses in Kappel spielten sie als Buben Fussball. Heute gehören der 22-jährige Alban Selmanaj und der zwanzig Monate ältere Hannes Hunziker gemeinsam dem 1.-Liga-Team des FC Solothurn an. Der Dritte im Bunde war Lukas Schmidt, der ebenso via Solothurn und Basels Nachwuchs zu Allschwil in der 2. Liga inter wechselte.

Für Selmanaj ist es bereits das dritte Engagement bei den Hauptstädtern. «Ich begann bei Kappel bei den D-Junioren und wir hatten Respekt vor Solothurn, weil dieses immer zweistellig gewann, bis auf das Spiel bei uns. Wir gewannen in der Saison 2008/09 3:1 und ich erzielte alle drei Tore. Dabei entdeckten mich Rony Vetter und Francisco Fernandez. Es ging alles schnell, sie holten mich zur U14», erzählt Selmanaj seinen ersten Einstieg. Nach dem ersten Jahr spielte er eine halbe Saison bei der U15, ehe er für ein Jahr in die U16 mit den ein Jahr älteren Spielern nachgezogen wurde. Gleichzeitig trat er in die Football-Academy der Sportschule Emmenbrücke ein, wo er bei Gasteltern wohnte.

Selmanaj weckte sofort das Interesse auf nationaler und internationaler Ebene. Im Frühjahr 2012 erhielt der Schweizer mit albanischen Wurzeln ein erstes Aufgebot für die nationale U15-Auswahl. Bei diesen Selektionen wurde er ein weiteres Mal entdeckt – diesmal von ausländischen Scouts. «Ich erhielt ein Angebot aus England von Newcastle und sollte zwei Tage später fliegen, erhielt aber von Nachwuchschef Vetter ein Telefon, dass daraus nichts werde, da inzwischen die Fifa Transfers unter 17-Jähriger ins Ausland verbot», bedauert Selmanaj diese Entwicklung.

Die U17-EM-Teilnahme als Karrierehöhepunkt

Hingegen konnte er auf die Saison 2012/13 zu Basels U16 übertreten. Am Rheinknie übersprang er die U17 und kam direkt in die U18. In diese Zeit fiel sein internationaler Höhepunkt mit der Teilnahme an der U17-EM in Malta im Mai 2014. Dem Team von Yves Débonnaire gehörten damals wie heute bekannte Spieler wie Gregor Kobel, Kevin Rüegg, Djibril Sow, Dimitri Oberlin, Albian Ajeti sowie ein gewisser Arxhend Cani an, der auf diese Spielperiode von Langenthal ebenfalls zu Solothurn stiess.

Anschliessend setzte bei Selmanaj, der in Basel eine Verkäuferlehre absolvierte, eine von Verletzungen geprägte, wechselvolle Phase ein. Wegen einer Meniskus-Operation während der U18-Zeit kam er für eine Aufbausaison 2015/16 unter Hans-Peter «Bidu» Zaugg ein zweites Mal zu den Ambassadoren. Den Sprung in die U21 der Rotblauen schaffte er nicht mehr. «Es war recht schwer, zurückzukommen, und ich war schnell weg vom Fenster», so Selmanaj. Danach folgten fünf Übergangsmonate bei YF Juventus, ehe er für zweieinhalb Jahre für Chiasso als Profi in der Challenge League auflief. Im Tessin warf ihn ein Muskelfaserriss zurück.

Nach der vorzeitigen Vertragsauflösung spielte der in Oftringen Wohnende für Schötz (2017/18) und Zofingen (2018/19), wo er weiter gegen muskuläre Probleme ankämpfen musste. Einen Arbeitgeber fand er in seinem Bruder Agron, der in Olten eine Versicherungs- und Immobilien-GmbH betreibt.

«Der Switch vom Profi zum Amateur war schwer zu schaffen. Wobei mir nach diesem Abstieg klar wurde: Ich kann und will mehr, ich habe noch Luft nach oben», gibt Selmanaj nicht auf. So kam ihm die Kontaktaufnahme von Solothurns Sportchef Zaugg sehr gelegen. «Ich bin sehr froh, wieder da zu sein, und komme mit breiter Brust», freut sich der vom Stürmer zum Innenverteidiger Umgepolte, diesen Umbruch beim FC Solothurn mit dem neuen Trainer Jürg «Gügs» Widmer – dank seiner Erfahrung – mitzugestalten.