Es hätte vor dem Playoff-Auftakt vom kommenden Sonntag ein letztes Auftanken aller dringend benötigten positiven Kräfte – Selbstvertrauen, Moral, Harmonie, Energie – sein sollen. Stattdessen erwiesen sich die Spiele gegen die Farmteams Winterthur und Ticino Rockets erneut als grosse Knacknuss.

Auch die Pflichtaufgabe Ticino Rockets wurde zum Abschluss der Qualifikation zu einer Zittervorstellung, zu einer Geduldsprobe gegen ein fast nur defensiv existierendes Tessiner Farmteam, das gegen Olten das letzte Spiel der Saison bestritt.

Aufatmen kann schliesslich der EHC Olten doch noch: Mit einem 3:1-Heimsieg sichern sich die Dreitannenstädter das Playoff-Heimrecht quasi in allerletzter Minute. Es mag aufgrund der desaströsen zweiten Qualifikationshälfte schon schier einer Sensation gleichkommen, dass der EHCO unmittelbar hinter den Rapperswil-Jona Lakers und dem SC Langenthal als Drittplatzierter in die Playoffs starten wird.

«Wir wussten, dass die Plätze 1 und 2 nicht mehr in unserer Reichweite sind und haben daher nun das Optimum herausgeholt», sagt Chris Bartolone sichtlich erleichtert.

So ganz entspannt, wie sich der EHCO-Trainer nach dem Knorzsieg zeigte, war Bartolone während des Spiels nicht – im Gegenteil: Er war im Schlussdrittel wütend geworden, nachdem seine genügsam wirkende Mannschaft mit der 1:0-Miniführung im Rücken plötzlich passiver wurde und das Spiel vor sich hinplätschern liess.

Diese Passivität rächte sich: Rockets-Stürmer Mauro Juri glich mit einem kuriosen Ablenker aus dem Nichts die Partie aus. EHCO-Trainer Bartolone verpasste daraufhin derjenigen Linie, welche das Gegentor zuschulden kommen liess, einen Denkzettel und liess die Linie um Ihnacak, Ulmer und Horansky während einiger Minuten «bänkeln».

Die Mitteilung schien mit einem Ruck durch die Mannschaft angekommen zu sein, war doch genau jene bestrafte Linie für den Sieg zuständig: Der offensiv omnipräsente Brian Ihnacak hatte mit einem Doppelpack innert 18 Sekunden den letztlich bescheidenen Unterschied ausgemacht.

Direktduell gegen Thurgau: 2:2

Zuvor war der EHCO über fast 36 Minuten erfolglos angerannt. Die Ungeduld und Verzweiflung war von Minute zu Minute angestiegen, ehe Stefan Mäder mit einem schnellen Pass aus der Defensive einen Konter einleitete, aus welchem sich eine 3:1-Situation ergab.

Aus dieser hatte Stürmer Remo Hirt, neben Muller und Grieder stehend, die Scheibe über die Linie gestochert. Danach war von den Oltnern bis auf die zwei weiteren Treffer nicht mehr viel zu sehen.

Und genau das muss dem EHC Olten eine Woche vor Playoffstart zu denken geben. Er sei zufrieden, auch wenn es noch viel Steigerungspotenzial gebe, meint Bartolone. Es lasse ihn zumindest positiv in Richtung Playoffs blicken, dass man «endlich wieder als Team» aufgetreten sei.

Eine verschworene Einheit wird in der Playoffserie gegen Thurgau denn auch gefragt sein, ansonsten sieht man sich, wie bereits in der letzten Saison, mit einem frühzeitigen Saisonende konfrontiert.

Den Druck versuchen EHCO-Spieler und Staff zumindest bereits jetzt von sich zu nehmen: «Wir sind auf dem Papier Favorit. Aber Thurgau hat eine ausgeglichene, kompakte Mannschaft, die nach einer solch erfolgreichen Qualifikation nichts zu verlieren hat», meint Captain Cédric Schneuwly. Und auch Trainer Bartolone will sich nicht in der Favoritenrolle sehen.

Auch die Statistik verspricht mehr als bloss ein Duell eines Dritt- gegen Sechstplatzierten: Beide Teams konnten zwei Spiele gewinnen (2:3, 6:4, 2:0, 1:4).

Durchzogene Qualifikation hin oder her: Der EHC Olten will in diesen Tagen eine alte Hockey-Weisheit verfolgen: In den Playoffs beginnt alles bei Null.

Für den Erfolg scheut der EHCO zumindest keinen Aufwand: In einem kurzen, aber intensiven Trainingslager von Dienstag bis Donnerstag soll die Bartolone-Truppe in Schaffhausen den Feinschliff holen.

Zudem befindet sich der EHCO nach wie vor auf der Suche nach einem dritten Ausländer. Noch bis am Freitag hat der Klub Zeit, einen Importspieler zu verpflichten. 

Die Schlussrangliste der Swiss League nach der Qualifikation.

Die Schlussrangliste der Swiss League nach der Qualifikation.

Lesen Sie das Spiel hier im Liveticker nach: