Leichtathletik

Dritter Sieg in Folge macht das Heimrennen noch schöner

Adrian Lehmann war als Kind nie bei den Schnellsten – heute ist er Elite-Sieger.

Adrian Lehmann war als Kind nie bei den Schnellsten – heute ist er Elite-Sieger.

Lokalheld Adrian Lehmann gewinnt den Langenthaler Stadtlauf zum dritten Mal in Folge – ein Novum. Es ist das Heimrennen des Oberaargauer EM-Teilnehmers, der in den letzten Monaten eine erfreuliche Entwicklung gemacht hat.

Womöglich ist es gestern am 16. Langenthaler Stadtlauf dem einen oder andern Schüler ergangen wie einst Adrian Lehmann: Er staunte. Staunte über das Tempo, welches die Topcracks anschlagen durch die Strassen von Langenthal. Staunte über ihr Durchhaltevermögen, über ihre Fähigkeit, nach einer Distanz von 7,5 Kilometern und einer Renndauer von gut 22 Minuten noch leichtfüssig um den Sieg zu spurten. «Ich erstarrte schier vor Ehrfurcht, als ich die Cracks hier laufen sah», erinnert sich Lehmann seiner Anfänge am Langenthaler Stadtlauf als Schüler.

Auf den Spuren Röthlins

Jetzt gewann Lehmann selber. Und damit hat sich die Wahrnehmung des Langenthaler Laufaushängeschildes massgeblich verändert. Er ist selber zum Topläufer gereift. In diesem Sommer lief er an den Leichtathletik Europameisterschaften in Zürich den Marathon. Als einer der Hoffnungsvollsten einer neuen Generation über die 42,195 km gilt er nicht erst seit diesem Ereignis. Der Langenthaler Stadtlauf aber ist sein Heimrennen geblieben, und an seinem Beispiel lässt sich Lehmanns Entwicklung ablesen und Erstaunliches feststellen.

Talent zeigte sich erst spät

Platz 10 belegte er als Zehnjähriger – nicht mehr als eine Rangierung im Mittelfeld war’s damals, 1999. Und ein überdurchschnittliches Talent zeigte sich auch in den Folgejahren nicht. Dem Turnverein gehörte er an. Erfolg feierte er aber als Teamsportler. Im Korbball gewannen die TVL-Jugendlichen SM-Silber. Als dieses Team auseinander brach, schloss sich Lehmann seinen besten Kollegen Raphael Salm und Lukas Geissbühler an, die zu den TVL-Leichtathleten wechselten. Ihnen, die beim Laufen immer schneller waren als er, nicht zuletzt am Langenthaler Stadtlauf.

Aus dem Schatten seiner Freunde trat er erst, als sich die unterschiedlichen Qualitäten des Trios zu akzentuieren begannen. Salm und Geissbühler etablierten sich als Mittelstreckenläufer, Lehmann wurde Langstreckler. Vor bald sieben Jahren war’s, als er seine Freunde an den Schweizer Crossmeisterschaften erstmals schlug. 2007 war auch das Jahr, als er am Stadtlauf erstmals auf dem Podest stand, als Zweiter bei den Junioren, ebenfalls vor Salm und Geissbühler. Und der Aufstieg setzte sich fort: 2010 kam Lehmann erneut aufs Podest, diesmal bei der Elite.

Taktik: «Sieg vor Zeit»

Seit vorletztem Jahr profiliert sich Lehmann gar als Elite-Sieger, als erster Einheimischer notabene. Mit dem dritten Sieg in Folge glückte ihm nun etwas, was bei den bisherigen 16 Austragungen sonst niemandem gelungen ist. Diese Perspektive hatte sich auf seine Taktik ausgewirkt. «Sieg vor Zeit», sagte er sich und nahm «das Tempo aus dem Rennen». Und seine Taktik ging auf. Der Endstärke des 25-Jährigen war keiner seiner Widersacher gewachsen. Er verwies dabei den Portugiesen Bruno Albuquerque und den Äthiopier Guta Fikru im Sprint auf die Ehrenplätze.Als nächstes Ziel hat Lehmann nun in drei Wochen die Cross-Europameisterschaften in Bulgarien im Visier. Doch zuerst genoss er den Triumph vor der eigenen Haustür und strahlte: «Es ist einmalig hier zu laufen und zu gewinnen, wenn dir von überall `hopp Ädu` zugerufen wird.»

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