Swiss League
«Diese Mannschaft hat viel Herz gezeigt»: Der EHC Olten gewinnt dank grossem Kampfgeist gegen Langenthal 3:2

Der EHC Olten schlägt den SC Langenthal knapp, aber äusserst verdient mit 3:2. Damit gewinnen die Powermäuse erstmals seit dem 23. Februar und vier Derbyniederlagen in Serie wieder einmal gegen den Erzrivalen.

Silvan Hartmann
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Der EHC Olten feiert mit einem grossen Fan, hinter Topskorer Nunn stehend, einen wichtigen Derbysieg.

Der EHC Olten feiert mit einem grossen Fan, hinter Topskorer Nunn stehend, einen wichtigen Derbysieg.

Urs Lindt/freshfocus

Captain Dion Knelsen trommelt nach Matchende seine Kollegen zusammen und fordert alle dazu auf, einer handvollen Gruppe von Zuschauern auf der Tribüne (Angehörige und Staff) eine Welle zu bereiten – mittendrin beim Team: Ein schwerkranker Teenager, der sich gewünscht hatte, während eines Spiels nahe bei seiner Lieblingsmannschaft zu sein. Aufgewühlt erscheint kurz danach Trainer Fredrik Söderström mit feuchten Augen zum Interview.

Was ist los nach einem überzeugenden 3:2-Sieg gegen Langenthal? «Wissen Sie», sagt er und atmet tief durch, «manchmal muss man das Eishockey relativieren. Diesen starken Jungen, der uns in der Garderobe besuchte, lächeln zu sehen, macht mich glücklich und dankbar.» Später, weit nach Mitternacht, verfasst Söderström, bekannt für sein feinfühliges Gespür für Mitmenschen, dazu auf Social Media einige aufwühlende Worte (siehe Schluss).

Der EHC Olten feiert den ersten Derby-Sieg der Saison.
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Im vierten Anlauf gewinnen die Powermäuse endlich eine Partie gegen den SC Langenthal.
NHL-Top-Prospect Brennan Othmann sorgt mit seinem Treffer zum 3:2 für die Entscheidung.
Langenthal macht dem EHC Olten im letzten Abschnitt das Leben schwer.
Olten muss kurz vor der zweiten Drittelspause den Anschlusstreffer hinnehmen.
Das Spiel wird hitzig im zweiten Abschnitt.
Olten kassiert im zweiten Abschnitt fünf(!) Strafen.
Die Gäste kommen im zweiten Abschnitt besser ins Spiel.
Olten nimmt die komfortable 2:0-Führung in die erste Pause mit.
Langenthal und Olten liefern sich einen Kampf auf Augenhöhe.
Die Powermäuse haben ihre Bissigkeit und den Drang zum Tor aus der letzten Partie mitgenommen.
Knelsen beschäftigt Langenthals Defensive.
Trotz Rückstand bleiben die Gäste aus Langenthal gefährlich.
Oltens Janis Elsener jubelt nach dem Tor zum 2:0
Garry Nunn bringt den Gastgeber in Führung.

Der EHC Olten feiert den ersten Derby-Sieg der Saison.

freshfocus

Vielleicht waren diese Emotionen genau das Puzzleteil, das es brauchte, um die in kämpferischer Hinsicht beste Saisonleistung abzuliefern. Der EHC Olten zeigte in diesem Derby von A bis Z sein wahres Gesicht und statuierte damit ein Exempel, wofür diese Mannschaft in dieser Saison stehen sollte: Aufopferungsvoll und mit viel Leidenschaft und Einsatzbereitschaft liessen die Powermäuse die negative Serie von vier Derbyniederlagen reissen. Denn seit dem 23. Februar, als der EHC Olten in den Playoffs 7:0 gewann, hatten die Powermäuse kein Spiel mehr gegen Langenthal gewinnen können.

Die Basis zum Sieg legte der EHC Olten ausgerechnet in den Special Teams, die bislang das grosse Sorgenkind der Mannschaft waren. Von den drei ­EHCO-Toren fielen zwei im Powerplay. Und hinten, in Unterzahl spielend, zeigten die Oltner ein freches, aktives und aggressives Penalty Killing, obwohl sie letztlich mit zwei Gegentoren aus acht Unterzahlsituationen in statistischer Hinsicht für ihren Einsatz nicht entsprechend belohnt wurden.

Nunns Traumtor, Othmanns Unbekümmertheit

Dieser 3:2-Sieg ist überaus verdient, auch wenn es kurzzeitig für zehn Minuten im Schlussdrittel fast danach aussah, als würden die Oltner trotz grossem Kampfgeist das Spiel noch aus der Hand geben. Denn nach einer Knelsen-Strafe nutzten die Langenthaler, die noch einmal alles in die Waagschale geworfen hatten, ihr Powerplay zum 2:2-Ausgleich resolut aus.

Doch der SCL hatte die Rechnung ohne Oltens 17-jährigen Brennan Othmann und dessen Unbekümmertheit gemacht. Der NHL-Prospect stürmte nicht nur wieder neben Knelsen und Nunn, sondern kam auch in Überzahl regelmässig zum Einsatz. Und in einer solchen wurde er von Fuhrer angespielt, verschaffte sich Platz und erwischte SCL-Torhüter Caminada zwischen den Beinen.

Es war letztlich das spielentscheidende Tor, obwohl es zum Schluss der Partie noch einmal hektisch wurde, als Langenthal einen sechsten Feldspieler auf das Eis schickte und gleichzeitig Oltens Philipp Rytz für ein hart gepfiffenes Rencontre für die letzten 36 Sekunden auf die Strafbank musste. Doch überwanden die Oberaargauer wie bereits in den 59 Minuten zuvor mal die äusserst präsente Oltner Defensive, so hiess es dennoch oftmals Endstation beim einmal mehr überragend aufspielenden Torhüter Simon Rytz.

Das Gaspedal hatten die Oltner bereits in den Startminuten gefunden und waren die spielbestimmendere Mannschaft. Als der EHCO mit einem unterhaltsamen Boxplay 50 Sekunden in doppelter Unterzahl die erste heisse Phase überstand, belohnte Garry Nunn seine Kollegen für die aufopfernde Arbeit – und wie: Mit einem Handgelenkschuss traf er via Pfosten, der mittels Klang seinen Teil zum Traumtor beigetragen hatte, sehenswert ins Lattenkreuz.

Auch an Janis Elseners erstem Saisontor zum 2:0 hatte Topskorer Nunn grossen Anteil, indem er vor dem Tor Präsenz markierte und so Torhüter ­Caminada die Sicht verdeckte. Fredrik Söderström bilanzierte nach dem Spiel erfreut: «Diese Mannschaft hat heute viel Herz gezeigt – auf und neben dem Eis.»

Die Powermäuse führen mit einer starken Woche eindrücklich ihren Weg aus der Minikrise fort. Morgen Dienstag empfängt Olten die EVZ Academy, worauf sich die Powermäuse einen Tag später auswärts mit Sierre messen. Zwei Spiele, die längstens keine Selbstläufer mehr sind. Insbesondere die Walliser gelten bisweilen als grosses Überraschungsteam mit 11 Siegen aus 18 Spielen. Zwei weitere Siege stünden dem EHC Olten vor Weihnachten gut zu Gesicht.

Die herzergreifenden Worte von Fredrik Söderström:

Ihn nach dem Match lächeln zu sehen, machte mich glücklich und dankbar!

Für uns in der Sportwelt ist es immer wieder schön zu gewinnen, es liegt in unserer Natur. Doch wir sind vernünftig genug, um zu wissen, dass manchmal das Gegenteil passiert, aber es ist gleichzeitig der Charme dessen, was wir tun. Das Gefühl von Stolz, wo Glück auf Erleichterung trifft. Wenn wir verlieren, können wir daraus lernen und weitermachen. Als Trainer gibt es etwas, das schwer zu erklären ist, wenn die Spieler herzlich und aufrichtig lächeln, da ist geteilte Freude unerklärlich fein.

In einer Zeit, in der wir einen Mundschutz tragen müssen, strahlen die Augen viel aus. Heute hatten wir eine besondere Erfahrung gemacht. Wir haben einen ungewöhnlich starken und mutigen Jungen getroffen. Sehr krank, auf unbegreiflich traurige Weise. Er hatte einen grossen Wunsch, während eines Spiels dem EHC Olten nahe zu stehen. Das haben wir vor ein paar Tagen erfahren, viele von uns hatten Schwierigkeiten, sich mit dem zu beschäftigen, was wir erwarten würden. Ich bin dankbar für die Art und Weise des Vereins, der dies ermöglicht hat und nicht zuletzt auch, wie wir als Team damit umgegangen sind. Ich bin beeindruckend von der Reaktion in dieser Situation.

Wir hatten ein hartes Derby zu gewinnen, das in diesen Tagen komplett ohne Zuschauer ausgetragen wird. Diese seltsame Stille. Was ich aber sehen durfte, von unseren Spielern und nicht zuletzt von diesem Jungen, der mit seiner Familie das Spiel sehen durfte und zusammen mit seinem Bruder nach dem Spiel lange in der Garderobe war, macht mich wahnsinnig dankbar und stolz. Was für ein Typ, was für Spieler, was für eine tolle Erfahrung, mitten in diesem Elend. Wir alle leben in einer seltsamen Zeit, aber es gibt vieles in Relation zu setzen.

Ich weiss, dass viele Menschen jetzt leiden, es ist eine schwierige Zeit. Für manche mehr als für andere. Viele von uns können sich tatsächlich zusammenreissen. Wir, die wir über kleine Dinge jammern. Viele, auch ich gehöre dazu, vermissen Freunde, Familie und ein normales Leben. Andere jedoch sind krank und haben viel die grösseren Herausforderungen zu meistern. Es ist hart, das Leben legt sich mit uns auf eine Art und Weise an, die wir uns oft nicht vorstellen können. Wir alle haben einen Grund zu kämpfen und viele von uns haben gute Gründe zum Lächeln, aller Schwierigkeiten zum Trotz!

Es war eine grossartige Erfahrung, heute Abend gemeinsam mit einem jungen Mann zu gewinnen, der unsere Garderobe besucht hat. In diesen Zeiten kämpfen viele hart. Wir machen das gemeinsam. Ihn nach dem Match lächeln zu sehen, machte mich glücklich und dankbar!

Olten – Langenthal 3:2 (2:0, 0:1, 1:1)

Kleinholz. - SR Hungerbühler/Staudenmann, Bachelut/Ambrosetti. - Tore: 11. Nunn (Knelsen, Simon Rytz) 1:0. 13. Elsener (Philipp Rytz, Fuhrer/Ausschluss Higgins) 2:0. 39. Kummer (Küng, Tschannen/Ausschluss Othmann) 2:1. 50. Walker (Christen, Maret/Ausschluss Knelsen) 2:2. 53. Othmann (Fuhrer, Knelsen/Ausschluss Müller) 3:2. - Strafen: 10mal 2 Minuten gegen Olten, 7mal 2 plus 10 Minuten (Weber) gegen Langenthal.

Olten: Simon Rytz (Matthys); Philipp Rytz, Weisskopf; Elsener, Maurer; Heughebaert, Lüthi; Nater; Othmann, Knelsen, Nunn; Wyss, Schirjajew, Hüsler; Portmann, Fuhrer, Carbis; Oehen, Weder, Daneel.

Langenthal: Caminada (Haller); Müller, Christen; Weber, Maret; Higgins, Pienitz; Törmänen; Tschannen, Kummer, Küng; Kämpf, Kläy, Elo; Gerber, Nyffeler, Walker; Wyss, Alihodzic, Derungs; Wigger.

Bemerkungen: Olten ohne Fogstad Vold, Rexha, Fuss, Gurtner (alle verletzt) sowie Schwarzenbach (krank). Langenthal ohne Chanton, Rüegsegger, Schläpfer, Henauer, Bircher, Dobryskin, Guggenheim, Dähler.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker: