Geschätzte 400 Zuschauer sorgten im Cup-Halbfinal für Stimmung. Die Affiche war emotional besetzt. Denn obwohl das Berner Bauerndorf Leuzigen und die Solothurner Kleinstadt Grenchen auf den ersten Blick so unterschiedlich zu sein scheinen, existieren viele Verbindungen.

So trug zum Beispiel 1960 der gerade neu gegründete FC Leuzigen sein erstes offizielles Spiel gegen den FC Grenchen aus. Und als Leuzigen 1995 in die 2. Liga aufstieg, hiess der Trainer Res Fankhauser. Der heute 83-jährige gehörte zur legendären Grenchner Cupsieger-Mannschaft von 1959.

Auf die Frage, wem er heute die Damen drückt, meinte Fankhauser diplomatisch: «Heute bin ich nur für Borussia. Dann wird wenigstens niemand böse auf mich.» Auch heute sind die Verbindungen der beiden so unterschiedlichen Vereine noch zu erkennen: Leuzigens Trainer Ray Ruch sowie die Routiniers Marc Scheller und Silas Zurschmiede spielten einst für Wacker Grenchen, das unterdessen mit dem FCG fusioniert hat.

Der Drittligist, der den Aufstieg anstrebt, konnte die Startphase optisch ausgeglichen gestalten. Der Aussenseiter hatte sogar die erste richtig grosse Chance: Philipp Herrmann flankte von Links und in der Mitte verpasste Jonas Stuber den Ball nur um Haaresbreite. Hätte Leuzigen in dieser Szene das 1:0 geschossen, wer weiss, wie der Cup-Schlager ausgegangen wäre.

Doch dann bekam Grenchen, das am Wochenende in der Solothurner 2. Liga den vermutlich entscheidenden Spitzenkampf gegen Iliria austragen wird, den Match in den Griff. In der 25. Minute spielte Fabrizio Laus seine Sprintstärke aus. Mit dem Ball am Fuss tauchte er alleine vor Leuzigens Goalie Andrej Röthlisberger auf und schob kaltblütig zum 0:1 ein.

Ausgang war lange offen

Weitere Chancen des Favoriten folgten. Kliment Nastoski traf den Pfosten, Samuel Zayas die Latte und bei seinem zweiten Versuch scheiterte Laus im Duell mit Goalie Röthlisberger. Das 0:1 zur Pause war also zu knapp. Doch es hätte noch ganz anders aussehen können. In der 44. Minute flankte Luca Dasen von der linken Seite und Raphael Aeschbacher kam frei zum Kopfball.

Der Ball kullerte nur um Zentimeter auf der für die Gastgeber falschen Seite am Pfosten vorbei. Gleich nach der Pause hatten die Leuziger gleich nochmals den Ausgleich auf dem Fuss, doch sie waren zu wenig kaltblütig im Abschluss. Der Unterklassige begann allmählich mit dem Schicksal zu hadern. Der FCG warf nun seine technische und athletische Überlegenheit in die Waagschale. Als Samuel Zayas mit einem Kopfball das zweite Grenchner Tor erzielen konnte, schien der Mist gekarrt.

Doch die Leuziger Fankurve feuerte ihre Mannschaft weiterhin lautstark an. Der Kampfgeist der Berner war bewundernswert – und wurde rund eine Viertelstunde vor Schluss mit dem Anschlusstreffer zum 1:2 durch Yannik Aebischer belohnt. Die Grenchner monierten ein Foulspiel, reklamierten und blieben stehen.

«Jetzt stellen wir um, so wie wir es besprochen haben», rief Leuzigens Trainer Ray Ruch seinen Spielern zu, die nun alles riskierten. Sogar Goalie Röthlisberger wagte sich in den Angriff. So hatte der FC Grenchen 15 in der Schlussphase noch ein paar bange Momente zu überstehen; auch weil das Auswärtsteam seine Konterchancen eine nach der anderen versiebte. Fünf Minuten dauerte die spannende Nachspielzeit, doch dann jubelte der Favorit, der den Minimalsieg einfuhr.