Einen schöneren Abend als denjenigen am vergangenen Samstag hätte man sich nicht zum Fussballspielen aussuchen können. Und trotzdem schauten Urs Bühler und Oliver Schläfli vor dem Anpfiff des letzten Meisterschaftsspiels der laufenden Saison plötzlich ungläubig in die strahlende Abendsonne, als wollten sie sagen:

«Was soll denn das?» Die Frauen des SC Derendingen waren mit einem Schriftband auf dem Sportplatz Heidenegg eingelaufen, auf welchem stand: «Danke Urs und Oli für zwei tolle Jahre». Beide Trainer wollen in Zukunft mehr Zeit in Familie und Beruf investieren und sind deshalb zurückgetreten und wurden durch die Geste ihrer Spielerinnen überrascht.

Fehlstart der Gastgeberinnen

Der emotionale Moment war allerdings nicht gut für die Konzentration und das NLB-Spiel begann für die Frauen des SC Derendingen wenig verheissungsvoll. Rapperswil-Jona dominierte die Startphase mit schnellen Kurzpässen nach Belieben und die Derendingerinnen kamen immer einen Schritt zu spät. In der siebten Minute konnte Goalie Martina Rytz einen Schuss von Saskia Holwerda gerade noch an den Pfosten abwehren, aber dann überlief die pfeilschnelle Stürmerin in der zehnten Minute erneut die ganze SCD-Abwehr und schoss die Gäste in Führung. Nach einer Viertelstunde hätte sogar schon 0:3 heissen können.

Dann verletzte sich auch noch Selin Wegmüller in den Reihen des Heimteams. So kam Bahtie Abdyli nach einer langen Knieverletzung etwas früher als geplant zu ihrem Comeback. Und dieses gelang ihr fantastisch: Bei der ersten Ballberührung schickte sie Carla Hager mit einem perfekten Steilpass auf die Reise zum Ausgleich. Der Penalty, den ebenfalls Abdyli zum 2:1 verwertete, war zwar nicht zwingend, aber ein Zeichen, dass sich der Wind in dieser Partie gedreht hatte.

Kurz vor der Pause legte Lina Schläfli ein unwiderstehliches Solo auf den Heidenegg-Rasen und es hiess 3:1 für das Heimteam. Mit einem kuriosen Fehlpass offerierte Rapperswil Derendingen das 4:1 und der SCD gab das Geschenk wenig später auf ähnlich unnötige Weise beim 4:2 wieder zurück. Danach riskierten die Gäste nochmals alles, bis Noemi Bühler mit dem 5:2 den Sack definitiv zumachte.

Ein Fachmann übernimmt

Der scheidende Cheftrainer brauchte nach dem Sieg, der Derendingen in der Nationalliga B den fünften Schlussrang bescherte, ein paar Minuten, bis er seine Gefühle wieder im Griff hatte. «Das ist ein sehr schöner Abschluss», sagte Urs Bühler. «Die positive Entwicklung, die meine Spielerinnen in den zwei vergangenen Jahren gemacht haben, freut mich ganz besonders.»
Nun wird mit Patrick Anderegg ein Trainer die SCD-Frauen übernehmen, der sich im Frauenfussball bestens auskennt.

Anderegg spielte früher selber für Derendingen und trainierte sowohl die SCD-Juniorinnen als auch die Talente beim Solothurner Verband SOFV. «Patrick Anderegg ist ein bestens ausgebildeter Trainer und er kann die SCD-Frauen ganz sicher im taktischen und auch im technischen Bereich noch einmal einen Schritt weiter bringen», lobt Urs Bühler seinen Nachfolger. «Das Team funktioniert und will zusammenbleiben. Ich trete deshalb mit einem guten Gefühl zurück.»