Fussball 2. Liga inter

Der FC Grenchen diente ihm nach schlimmer Verletzung als Neustart

Nur vier Gegentore kassierten Cesar Ledesma (rechts) und seine Kollegen in den bisherigen sieben Saisonspielen.

Nur vier Gegentore kassierten Cesar Ledesma (rechts) und seine Kollegen in den bisherigen sieben Saisonspielen.

Der 30-jährige Aussenverteidiger Cesar Ledesma spielt seit 2018 für den FC Grenchen. Vorher war er Profi beim FC Biel und bestritt Länderspiele in Suriname und Guadeloupe.

Als loyal, ehrlich und hilfsbereit beschreibt Grenchens Trainer Mirko Recchiuti seinen Linksverteidiger. «Er stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft und ist für die jungen Spieler eine Referenz.» Als speziell bezeichnet Recchiuti die Pünktlichkeit der Nummer 16. «Er kommt immer auf die Minute genau.» Cesar Ledesma sagt, Pünktlichkeit kenne er von früher und sei wichtig. «Das gehört sich einfach, wenn man ein Leader und ein Vorbild sein will.»

Technisch sehr begabt, viel Erfahrung und zweikampfstark, sagt Recchiuti über Ledesmas fussballerische Fähigkeiten. Der freut sich über die Komplimente. «Das höre ich gerne, besonders von ihm. Nach zweieinhalb Jahren kennt mich Mirko mittlerweile gut.» Wie er sich selbst eingeschätzt hätte? «Ich gewinne viele Kopfballduelle in der Defensive, auch gegen deutlich grössere Gegner. Und ich bin zwar nicht mehr so schnell wie früher, aber immer noch nicht langsam», sagt Ledesma.

Er ist einer von drei Grenchnern, die jede Minute der sieben bisherigen Saisonspiele auf dem Platz standen. Torhüter Jeffrey Grosjean und Innenverteidiger Ian Schläppi sind die anderen beiden. Die Abwehr war bislang das Prunkstück des Teams. Mit vier Gegentoren in sieben Spielen stellt der FC Grenchen die beste Defensive der Liga. «Das Lob gebührt der ganzen Mannschaft, nicht nur den Verteidigern. Jeder arbeitete bis jetzt defensiv sehr gut mit», sagt Ledesma. «Wir sind sehr sattelfest und lassen wenige Chancen zu. Da haben wir grosse Fortschritte gemacht im Vergleich zur vergangenen Saison.»

Vom Schweizer Cup an den Caribbean Cup

Bevor Cesar Ledesma 2018 zum FC Grenchen stiess, spielte er zwei Saisons mit dem FC Biel in der Challenge League (2011 bis 2013), danach zwei Jahre für den FC Münsingen in der 1. Liga und deren drei Saisons für Köniz in der Promotion League. Einen Grossteil seiner Ausbildung hat er bei den Berner Young Boys genossen. «Die Zeit in der Challenge League war als Ganzes ein Highlight», sagt er. In der ersten Saison stiess er mit dem FC Biel im Cup dank Siegen gegen Lugano und Servette in die Viertelfinals vor. Der FC Sion bedeutete dort Endstation – 1:3.

Im Anschluss an die Saison 2011/12 absolvierte er sein erstes von zehn offiziellen Länderspielen für die Dominikanische Republik. Darunter vier WM-Qualispiele, zwei in San Cristobal, wo er 1990 zur Welt gekommen war, eines in El Salvador und eines in Suriname. Im Zuge der Qualifikation für den Caribbean Cup spielte er 2012 in ­Guadeloupe und Puerto Rico.

Die Endrunde fand in Antigua und Barbuda statt. Ledesma spielte in den Vorrundenpartien gegen den Gastgeber (2:1), Haiti (1:2) sowie Trinidad und Tobago (1:2) jeweils durch. Es folgten noch ein paar Testspiele, 2014 trug er das Dress der Dominikanischen Republik zum letzten Mal. «Es war eine coole Erfahrung. Für sein Heimatland zu spielen, ist doch der Traum jedes Fussballers. Und nur für die wenigsten geht er auch in Erfüllung», sagt er. «Ich habe einige schöne Länder gesehen. Und auch Länder, in denen ich wohl keine Ferien gemacht hätte.»

Ein Wadenbeinbruch führte ihn nach Grenchen

Der Grund für seinen Wechsel zum FC Grenchen im Sommer 2018 ist eigentlich ein trauriger. In seiner dritten Saison beim FC Köniz brach er sich das Wadenbein und fiel fast eine ganze Saison aus. «Danach brauchte ich einen Neustart in einer tieferen Spielklasse», sagt er.

Vieles habe damals für den FC Grenchen ­gesprochen. Etwa die Nähe zu seinem Wohnort Pieterlen. «Der FC Grenchen ist ein Traditionsklub mit Ambitionen, das passt mir. Und ich kenne Stürmer Samuel Zayas schon lange.» Er sei mit dem Ziel gekommen, bei einem neuen Verein noch einmal etwas zu bewegen. Was ihm mit dem Gewinn des Solothurner Meistertitels gleich in der ersten Saison definitiv ­gelungen ist. «Ich würde mit dem FC Grenchen gerne in die 1. Liga aufsteigen», sagt Ledesma über seine weiteren Ziele.

Aktuell liegen die Grenchner in der 2. Liga inter auf dem fünften Platz. Acht geschossene Tore reichten für drei Siege. Dreimal spielten Ledesma und Co. 0:0. «Wir sind bis jetzt die Minimalisten der Liga. Doch, wenn wir oben mitspielen wollen, müssen wir mehr Tore schiessen. Und nur mit Unentschieden kommt man nicht weiter», sagt Ledesma. Auch ihm persönlich gelang noch kein Treffer. «Eigentlich ist er schon torgefährlich, aber bis jetzt hatte er noch kein Glück», hofft Trainer Recchiuti auf einen baldigen Torerfolg seines Aussenverteidigers. «Chancen waren da», bestätigt Ledesma. «Wenn dann der Erste reingeht, hängt es hoffentlich an.»

Die nächste Gelegenheit bietet sich ihm morgen Samstag im Heimspiel gegen den FC Aegeri. Die Zentralschweizer sind mit zwei Siegen und sechs Niederlagen auf Platz zehn klassiert. «Es wird sicher ein kampfbetonter Match, sie brauchen Punkte», erwartet Ledesma. «Aber wir müssen sie schlagen. Es ist wichtig, gegen die Teams zu gewinnen, die hinter uns liegen.» Die Vorrunde soll für den FC Grenchen mindestens auf dem fünften Platz enden, wenn es nach Cesar Ledesma geht.

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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