Unihockey NLA

Der bärtige Schwede ist zurück: Schiesst Daniel Johnsson Wiler-Ersigen zum nächsten Titel?

Daniel Johnsson bestreitet nächste Woche sein letztes Spiel für Wiler-Ersigen.

Daniel Johnsson fiel fast die gesamte Saison verletzt aus – nun will er im Superfinal Wiler-Ersigen zum Titel verhelfen. Es wird für den 31-Jährigen der letzte Auftritt im Trikot des 11-fachen Schweizermeisters.

31. März 2018: In der dritten Partie der Playoff-Halbfinalserie gegen Rychenberg wird Daniel Johnsson auch über die Unihockey-Szene hinaus bekannt. Johnsson schnappt sich den Ball, vernascht seine Gegner mit einem sensationellen Trick in höchstem Tempo und netzt ein. Das Video seines Supertreffers geht viral. Fast 400 000-mal wird der Treffer auf Facebook angeschaut.

Beachtliche Zahlen für eine Randsportart, die erst in den letzten Jahren in den Genuss von Fernsehübertragungen gekommen ist. Überhaupt ist es eine beeindruckende Saison des 31-jährigen Schweden. In 28 Spielen kommt er auf 52 Skorerpunkte, einzig die Krönung mit dem Meistertitel bleibt ihm durch die Niederlage gegen Köniz im Superfinal verwehrt.

In dieser Spielzeit bleibt es ruhig um Daniel Johnsson. Eine langwierige Verletzung, die ihm schon in den letzten Playoffs arg zugesetzt hatte und neben den Matches keine Trainings zuliess, zwang den Schweden vergangenen Sommer zu einer Operation an der Hüfte. Der 31-Jährige fällt fast die gesamte Qualifikation aus. «Es war eine sehr lange und schwierige Zeit, am Anfang konnte ich ohne Krücken kaum gehen. Ursprünglich hatte ich geplant, im Dezember zurückzukehren, aber ich musste auf meinen Körper hören.»

Umso glücklicher ist er, als er auf Mitte Februar endlich auf das Feld zurückkehren kann. In der zweitletzten Partie der Qualifikation gegen Malans feiert er sein Comeback. In der letzten Viertelfinalpartie gegen Uster trifft er zum ersten Mal wieder ins gegnerische Tor. Mit seinen Leistungen in den Playoffs geht er gleichwohl hart ins Gericht. «Klar, ich habe zuvor fast 10 Monate nicht mehr gespielt, aber zufrieden bin ich mit meinen bisherigen Auftritten trotzdem nicht.»

Die Suche nach dem Abenteuer

Vor rund zwei Jahren kam der Mann mit dem imposanten Bart in die Schweiz. Nach 11 sportlich durchwachsenen Jahren bei Helsingborg schlägt er seine Zelte in Zuchwil auf. Mit dem Verein aus Südschweden qualifiziert er sich zwar mehrfach für die Playoffs, eine Finalqualifikation bleibt jedoch aus. Die letzte Saison in Helsingborg schliesst Johnsson auf Rang 4 der Topskorerliste ab. Doch warum wechselt ein Spieler, der in der besten Liga der Welt in einer Saison über 50 Tore schiesst, überhaupt in die Schweiz?

10 seiner über 50 Tore in der Saison 2016/17.

«Ich hatte nach über 10 Jahren beim gleichen Verein nicht mehr das Gefühl, dass die Klubverantwortlichen mich noch wollen, und war auf der Suche nach einem Abenteuer.» Als Wiler-Ersigen anklopft, reist er in die Schweiz und schaut sich mit seiner Verlobten den Superfinal an. Johnsson ist überzeugt.

Unterschiede in der Spielweise

Seine Partnerin findet eine Anstellung bei ihrem bisherigen Arbeitgeber Ikea, Johnsson arbeitet in einem 50-Prozent-Pensum als Transferdrucker. Die beiden fühlen sich auf Anhieb wohl in der Schweiz. «Das Leben hier unterscheidet sich nicht gross von demjenigen in Schweden, aber das Wetter hier ist meistens besser als in Helsingborg.»

Auch im Unihockey sind die Unterschiede nicht so gross, wie auf den ersten Blick zu erwarten wäre. «Alles in allem ist das Niveau in Schweden natürlich höher, aber auch in Schweden gibt es 4 bis 5 Top-Teams, während die restlichen Teams um die Playoff-Qualifikation kämpfen.» Der Hauptunterschied sieht der 31-Jährige vor allem in der Spielweise: «In Schweden liegt der Fokus mehr auf der Defensive, während in der Schweiz ein aktiveres Pressing geführt wird. Dies führt dazu, dass man hier weniger Zeit hat, wenn man am Ball ist.»

Die Wege trennen sich

In der Schweiz führt Unihockey trotz gestiegener TV-Präsenz noch immer ein Schattendasein. Besonders während der Qualifikation gehören grosse Zuschauerkulissen zur Ausnahme und nicht selten haben die Spielstätten der Vereine ihre besten Tage hinter sich.

«Die Stadien in Schweden sind um einiges moderner, und natürlich macht es mehr Spass, vor mehreren tausend Leuten zu spielen. Dafür sind die Zuschauer in der Schweiz um einiges lauter.» Dies dürfte mitunter ein Grund sein, warum Johnsson gerne in der Schweiz bleiben würde.

Die Zukunft des Schweden ist indes noch offen. Sein auslaufender Vertrag bei Wiler-Ersigen wurde nicht verlängert. Der 31-Jährige ist auf der Suche nach einem neuen Verein. «Ich bin mit einigen Klubs im Gespräch, aber konkret ist noch nichts», sagt er. Der Fokus liegt aber noch bei Wiler-Ersigen. Mit dem anstehenden Superfinal vom Samstag, 27. April, gegen die Grasshoppers oder Malans hat Johnsson die Möglichkeit, eine schwierige Saison mit dem lang ersehnten Meistertitel zu beenden.

Denn während Serienmeister Ersigen seit 2004 schon elf Meisterschaften für sich entschieden hat, wartet Johnsson noch auf seinen ersten Meistertitel der Karriere. «Mein bestes Spiel diese Saison kommt hoffentlich nächsten Samstag.»

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